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Politik berät über Blühstreifen in Selm

Pläne für Blumenflächen an Selmer Straßen

Grundsätzlich ist es möglich, im Selmer Stadtgebiet Blühstreifen anzulegen, um Insekten und anderen Tieren eine Heimat zu bieten. Die Grünen haben diesen Vorschlag unterbreitet. Aber: Es gibt ein finanzielles Problem, dass das Projekt auf kurze Sicht gefährdet.

Selm

, 27.04.2018
Politik berät über Blühstreifen in Selm

Blühstreifen sollen Insekten eine neue Heimat geben. In Selm ist das Projekt möglich, aber wohl nicht so bald. © picture alliance / dpa

Die Stadtwerke haben recherchiert, wo sogenannten Blühstreifen in Selm denkbar wären, wie sie anzulegen sind, welcher Aufwand nötig ist und was das Ganze kosten würde. Im Ausschuss für Umwelt- und Zivilschutz beantwortete Stadtwerke-Chef Stephan Schwager am Mittwochabend eine entsprechende Antwort der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Wir dokumentieren die wichtigsten Aussagen.


Das ist die Ausgangslage
Wissenschaftler berichten, dass die Anzahl der Insekten sowohl bezüglich ihrer Biomasse als auch hinsichtlich der Artenvielfalt stark rückläufig ist. Die Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat beantragt, die kommunalen Flächen auf Ihre Geeignetheit für die Anlage von Blühstreifen hin zu überprüfen. Entsprechende Blühstreifen gibt es auf städtischen Flächen bisher nicht.

Das sind Blühstreifen
Blühstreifen bzw. -flächen seien in der Regel „streifenförmige oder flächige Areale auf Grünflächen“, auf denen in größerer Dichte blühende Pflanzen wachsen, so Schwager. Ihre Blütenvielfalt biete insbesondere vom Frühjahr bis in den Herbst Bestäubern und Insekten ein vielfältiges Blütenangebot. Bei der Anlage der Blühstreifen sollten laut Stephan Schwager möglichst heimische Pflanzenarten (Wildblumen) Verwendung finden. Mehrjährige Blüher sind dabei gegenüber einjährigen Pflanzen von ökologischem und ökonomischen Vorteil.

So werden sie angelegt
1. Flächenabmagerung: Dabei werden die entsprechenden Flächen jährlich einmal, maximal zweimal geschnitten und das Schnittgut geräumt. „Auf der durch diesen Nährstoffentzug entstehenden Magerwiese entwickelt sich dann über die Jahre sukzessive der erwünschte Wildblumenbewuchs“, erklärt Schwager.

2. Flächenumgestaltung: Deutlich schneller gehe es mit einer vorgeschalteten Bodenaufbereitung und anschließender Einsaat geeigneter Saatgutmischungen. Das Ergebnis sei im Falle einer Frühjahrsaussaat bereits im selben Jahr zu sehen. Allerdings sei hier der Erstellungsaufwand höher.

Diese Flächen eignen sich
a) Straßen-, Wegerandstreifen; b) Kreisverkehrsflächen, Verkehrsinseln, Fahrbahntrennstreifen; c) größere, zusammenhängende Grünflächen im innerstädtischen Bereich; d) ergänzend: Privatflächen.

Standortvorschläge
Stadtteil Selm:

  • Gymnasium Selm - Randbereich zum Selmer Bach (620 Quadratmeter)
  • Spielplatz Heinrich-Böll-Weg - Randbereich zur Neuen Werner Straße (800 m²)
  • Spielplatz Römerstraße - Randbereich zur Römerstraße (650 m²)
  • Umfeld Burg Botzlar (900 m²)

Stadtteil Bork:

Sportanlage Waltroper Straße (1.360 m²)

Stadtteil Cappenberg

Grünfläche an der Feuerwehr (1.500 m²)

Ingesamt stehen theoretisch auf diesen städtischen Flächen 5.830 m² für Blühstreifen zur Verfügung.

Die Kosten
Die Realisierung von Blühstreifen/-Flächen an den vorgeschlagenen Standorten verursacht nach Berechnung der Stadtwerke die folgenden Mehrkosten:

Variante 1: Abmagerung der Flächen (Mahd, Aufnahme und Entsorgung des Mahdgutes); 5.830 m² x 1,59 Euro = 9.269,70 Euro zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer = 11.030,94 Euro.

Variante 2: Flächenumbau

a) Flächenvorbereitung und Einsaat (Abschälen der Grasnarbe, Bodenabfuhr und -entsorgung, Bearbeitung des Bodens, Aussaat und Einarbeitung des Saatgutes); 5.830 m² x 2,58 Euro = 15.030 Euro zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer = 17.885,70 Euro.

b) Pflege der Flächen: Wie bei Variante 1, jedoch dreimalige Mahd und Entsorgung; 5.830 m² x 1,98 Euro = 11.580 Euro zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer = 13.780,20 Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Variante 2 auf 31.665,90 Euro.

Umsetzungsvorschlag
Die Stadtwerke halten allein die Variante 2 für sinnvoll für den Fall, dass die Blühstreifenthematik in Selm nachhaltig aufgegriffen und umgesetzt werden soll.

Die Zeitschiene
Mit den vorbereitenden Arbeiten könne grundsätzlich bereits im Herbst 2018 begonnen werden. Die Aussaat wäre in diesem Fall im Frühjahr 2019 erforderlich.

Die beiden Alternativvorschläge und auch die Standortvorschläge seien noch nicht mit der Stadt Selm abgesprochen worden, so Schwager.

Das Problem
Die erforderlichen Haushaltsmittel sind im Doppelhaushalt 2017/2018 nicht berücksichtigt. „Soweit ein Vorschlag dem Grunde nach Zustimmung findet, sind die notwendigen Finanzmittel 2018 entweder über-/außerplanmäßig bereitzustellen oder in die Haushaltsplanung 2019/2020 mit aufzunehmen“, sagt Stephan Schwager.

Kämmerin Sylvia Engemann hält das Thema für wichtig und schlägt vor, dass Stadtwerke und Stadt sich zum Thema austauschen und insbesondere schauen, ob es gezielte Förderprogramme gibt. Für das Jahr 2018 werde die Umsetzung von Blühstreifen jedoch voraussichtlich nicht finanzierbar sein. „Wir haben ja einen Nachtragshaushalt eingebracht, beschlossen und genehmigt bekommen, der ganz knapp auf Kante gestrickt ist. Wir haben gerade mal 71.000 Euro Überschuss für das ganze Jahr prognostiziert. Das ist bitter wenig, wenngleich sicherlich positiv. Wir haben jetzt die ersten drei Monate hinter uns gebracht, fast schon den vierten Monat, so dass man schon sagen kann, wohin die Reise geht, was Abweichungen angeht. Wir sind noch unter Wasser. Aber noch nicht so, dass ich gezwungen wäre, eine Haushaltssperre zu verhängen.“

Auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten erklärte die Kämmerin am Donnerstag, dass „unter Wasser“ so viel bedeute wie „Wir wissen nicht, ob die 71.000 Euro Überschuss zu halten sind“. Belastbare Zahlen habe sie nicht vorliegen. Diese Zahlen werde sie am Donnerstag, 3. Mai, in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (17 Uhr Burg Botzlar) darlegen, wenn sie dem Ausschuss die aktuelle Haushaltssituation vorstellen werde.

Was bedeutet das alles für die Blühstreifen? Sollte es 2018 nicht möglich sein, Blühstreifen anzulegen, werde sich die Maßnahme im Doppelhaushalt 2019/2020 „mit vielen anderen Maßnahmen streiten müssen“, so die Kämmerin. Der Rat werde Prioritäten setzen müssen.