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Aus dem Leben eines Apothekers

Apotheke in Bork schließt

Zum letzten Mal hat die Hubertusapotheke in Bork an diesem Freitag geöffnet. Hubert Josef Halfmann, der in den Ruhestand geht, wird seine Arbeit vermissen. Manche Nachtschichten mit ungewöhnlichen Kundenwünschen aber nicht.

Bork

, 26.04.2018
Aus dem Leben eines Apothekers

Apotheker Hubert Josef Halfmann und Mitarbeiterin Romy Schomaker von der Hubertusapotheke. © Sabine Geschwinder

Wenn Hubert Josef Halfmann an diesem Freitag am Ende des Tages seine Hubertusapotheke auf der Hauptstraße in Bork abschließt, dann ist es für immer. Na ja, fast. Denn dieser Freitag ist zwar der letzte Tag, an dem die Apotheke geöffnet hat, es gibt aber auch noch einiges zu tun. Medikamente müssen zurückgeschickt werden, Chemikalien fachgerecht entsorgt und seine Betriebserlaubnis muss er auch zurückgeben. Die ist nämlich personengebunden.

„Es ist eine Zäsur“, sagt Halfmann. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für ihn. Der 70-Jährige ist seit 50 Jahren Apotheker, seit 1975 führt er die Hubertusapotheke in Bork.

Nächtliche Wünsche

Die vielen Dokumentationen, die in seiner Tätigkeit in den letzten Jahren hinzugekommen sind, wird Halfmann nicht vermissen. Auch das Aufstehen in der Nacht, wenn er Notdienst hat, nicht. Dafür ist in seinem Büro direkt im Nebenraum der Apotheke ein Holzbett aufgestellt. Direkt neben dem Bett hängt ein pastellgrünes Telefon. Eines mit analoger Wählscheibe, das ordentlich Krach machen kann. „Davon werde ich auf jeden Fall wach“, sagt Halfmann. Erst in der vergangenen Nacht wurde er von einer Frau rausgeklingelt. Sie wollte die Pille danach. Dass er wegen eines Nasensprays um 3 Uhr nachts rausgeklingelt wurde, sei auch schon vorgekommen. Halfmann findet das ärgerlich. „Die würden doch auch ihre Eltern nicht nachts um drei wegen eines Nasensprays wecken, die würden sie durch den Wolf drehen.“

Das ist die eine Seite der Medaille. Natürlich ist da aber auch die andere: „Der Nachteil ist, sie können die Tätigkeit nicht mehr ausführen, die sie gern machen.“ Er sei gern Apotheker gewesen, sagt Halfmann. Er habe aber auch viel Glück gehabt. Mit seinem ehemaligen Kollegen Wolfgang Volkmer von der St.-Martin-Apotheke in Bork hat er sich jahrelang in Sachen Urlaub abgesprochen. Seit 1982 arbeitet er mit Romy Schomaker in der Apotheke zusammen, „das ist schon viel länger, als die meisten verheiratet sind“, scherzt Halfmann. Er mag es zu Scherzen, mag Kunst und Fotografie. Als Rentner wird ihm sicher nicht zu schnell langweilig werden. „Wenn Sie Haus und Hof und Geschwister haben, wird Ihnen sicher nicht langweilig“, sagt der 70-Jährige.

50 Jahre Apotheker

„Man darf das nicht nur als Erwerbsquelle betrachten, man muss sich damit identifizieren können“, sagt er, „aber man muss auch den Absprung schaffen.“ Der Zeitpunkt, gerade jetzt die Apotheke zu schließen, sei nicht ganz zufällig gewesen. Direkt gegenüber auf der Fläche der Synagoge entstehen Wohnungen und Geschäftsflächen. Die Volksbank wird dort einziehen, aber auch eine neue Apotheke. Mit den bald beginnenden Bauarbeiten sei mit Baulärm zu rechnen und mit LKW, die auf den Parkplätzen stünden. Er selbst ist Ende Februar 70 geworden. Ein guter Zeitpunkt zu gehen.

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