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„Ich hätte nicht gewusst, wie ich die Betreuung abdecken kann“

Arbeit als Tagesmutter

Eine Tagesmutter ist für viele Eltern eine geeignete Alternative zur Kindertagesstätte. Tageseltern werden mittlerweile staatlich gefördert – doch das macht den Arbeitsalltag nicht unbedingt leichter. Caroline Westrup und Melanie Tamm erzählen von ihrer Arbeit, bei der das erste Kind schon um 5.15 Uhr vor der Tür steht.

Selm

, 12.04.2018
„Ich hätte nicht gewusst, wie ich die Betreuung abdecken kann“

„Der Alltag ist genauso wie mit der eigenen Familie“, sagt Caroline Westrup über ihre Arbeit als Tagesmutter. © Aileen Kierstein

So schön und erfüllend wie die Elternzeit für viele Eltern ist und unabhängig davon, wie lange sie beantragt wurde: Irgendwann stellt sich für nahezu alle Mamas und Papas die Frage, wer für die Betreuung des Nachwuchses infrage kommt.

Caroline Westrup und Melanie Tamm sind zwei Selmer Tagesmütter, die sich vor rund zwölf Jahren ebenfalls mit dieser Problematik konfrontiert sahen. Melanie Tamm ist gelernte Erzieherin im Kindergarten. Nach der Geburt ihres ersten Kindes wollte sie schnell wieder arbeiten gehen. Sie habe aber damals keine Unterbringung für den Nachwuchs gefunden. Doch eine Lösung war schnell in Sicht: „So wurde ich dann zur selbstständigen Tagesmutter. Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich die Betreuung abdecken kann.“

Viele Eltern, die sich für Caroline Westrup und Melanie Tamm als Tagesmütter entscheiden, schätzen die hohe Flexibilität – im Gegensatz zum Kindergarten sind sie nicht an feste Öffnungszeiten gebunden, da diese individuell abgesprochen werden können.

Flexible Zeiten


„Mein erstes Kind kommt gegen 5.15 Uhr. Das hört sich erstmal brutal an, es wird aber im Schlafsack zu mir gebracht und ich bringe es dann direkt wieder ins Bett“, sagt Melanie Tamm. Die Flexibilität hilft vor allem Vätern und Müttern, die im Schichtdienst oder sehr früh morgens, in den Abendstunden und an Wochenenden arbeiten. Der kleine Henry kam schon im Alter von vier Monaten in die Kindertagespflege „Zwergenland“ von Caroline Westrup – auch seine Mutter musste nach der Geburt ihres Sohnes schnell wieder ins Berufsleben zurück. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Problematik des Balanceaktes Familie und Beruf erkannt. Mit dem Bundesprogramm „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“ fördert das Ministerium erweiterte Betreuungszeiten in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege.

Zur Förderung der passgenauen Betreuungsangebote stehen in der Zeit von 2016 bis 2018 bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung. Caroline Westrup hat sich mit dem „Zwergenland“ diesem Programm angeschlossen und kann sich nun individuell um ihre kleinen Gäste kümmern – abgestimmt auf die Bedürfnisse der Eltern. „Da kommt hin und wieder auch ein Arbeitstag von 13 bis 14 Stunden auf mich zu. Aber ich liebe meinen Beruf und habe die Kinder immer gerne um mich.“

Die Förderung von „KitaPlus“ ermöglicht ihr nicht nur längere Betreuungszeiten. Im Obergeschoss ihres Hauses konnte sie vor Kurzem renovieren und hat nun insgesamt vier Schlafplätze zur Verfügung. „Die meisten Zwerge lieben aber den Trubel und schlafen gerne unten auf der Couch“, erzählt die 36-Jährige. Auf den Mittagsschlaf folgt dann Programm: Ausflüge zum Ponyhof, Spaziergänge im Wald oder Spielen im Garten auf dem Trampolin oder mit den heimischen Kaninchen. „Wir möchten den Kleinen hier alles bieten, damit sie sich wohl fühlen. Es ist schön zu beobachten, wie sie aufwachsen und sich entwickeln. Die beiden Selmerinnen berichten, dass die Wahrnehmung von Tageseltern als professionelle Pflegepersonen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei.

Betreuung in Kleingruppen


Einig seien sich alle Eltern der Zwerge im Zwergenland darin, dass bei der Betreuung das Wohlergehen des Kindes im Mittelpunkt stehen solle. Ein großer Pluspunkt der Tagesmütter sei es laut Melanie Tamm, dass sie deutlich kleinere Gruppen betreuen: Im Schnitt handele es sich um vier bis fünf Kinder. Caroline Westrup und Melanie Tamm betreuen jeweils fünf Kinder.

Zum Vergleich: In einer öffentlichen Betreuungseinrichtung kommen derzeit auf einen Erzieher zwischen acht und 14 Kinder. Das zeigt eine jährliche Studie im Ländermonitor für frühkindliche Bildungssysteme. In Nordrhein-Westfalen liegt der Durchschnitt bei neun Kindern für eine pädagogische Fachkraft.

„Ich hätte nicht gewusst, wie ich die Betreuung abdecken kann“

Melanie Tamm schätzt die Flexibilität in ihrem Arbeitsalltag. © Aileen Kierstein

Nötige Qualifizierung

Seit 2005 ist in Deutschland das Tätigkeitsfeld von Tageseltern gesetzlich definiert. So müssen Personen, die in diesem Bereich arbeiten wollen, dazu fachlich, persönlich und gesundheitlich geeignet sein.

Will jemand als Tagesmutter oder Tagesvater tätig sein, werden diese Merkmale zunächst vom Jugendamt geprüft. Auch muss man im Vorfeld einen entsprechenden Lehrgang absolviert haben.

Eine solche Qualifizierung bietet auch die Familienbildungsstätte in Selm an. Der Kurs findet wöchentlich über sechs Monate statt. „Derzeit nehmen sieben Personen an dem Kurs teil, um sich als Tageseltern zu qualifizieren“, sagt Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm.

Einem Aufruf der Stadt ist vor zwölf Jahren auch Caroline Westrup gefolgt. Sie und Melanie Tamm haben die Verbindung zwischen Familie und Beruf im eigenen Alltag geschafft. Gleichzeitig helfen sie vielen anderen Müttern, frühzeitig ins Berufsleben zurückzukehren. Und davon haben alle etwas. Caroline Westrup: „Der Arbeitsalltag ist wie mit der eigenen Familie. Wir können uns gar nichts anderes mehr vorstellen.“

  • Ein Tag bei einer Tagesmutter:
    Vom 5. bis zum 12. Mai startet erstmalig eine deutschlandweite Aktionswoche zur Kindertagespflege.
  • Der Bundesverband für Kindertagespflege will die Kindertagespflege als gleichwertiges Betreuungsangebot für die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung präsentieren.
  • Caroline Westrup und Melanie Tamm öffnen interessierten Eltern am Mittwoch, 9. Mai von 10 bis 15.30 Uhr ihre Türen.
  • An diesem Tag möchten sie einen Einblick in die Arbeitssituation von Kindertagespflegepersonen geben und das System näher beleuchten.
  • Ansprechpartner: Interessierte Eltern können sich bei der Tagespflege Zwergenland, Breede 17 in Selm, unter Tel. (02592) 2209039 melden.
  • Weitere Informationen auch per E-Mail: kontakt@zwergenland-kindertagespflege.de oder unter www.zwergenland-kindertagespflege.de