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Wenn Löffel eine Geschichte erzählen

So soll das Museum in Schwerte aussehen

Erst Urzeit, dann Römer, Ritter, Hanse, Reformation, Napoleon und das Königreich Preußen – so erzählen viele Heimatmuseen auch die Geschichte ihrer Stadt. In Schwerte soll das ganz anders werden.

Schwerte

, 08.05.2018
Wenn Löffel eine Geschichte erzählen

Zwei Löffel, die Schwerter Stadtgeschichte erzählen: Der obere soll vom 3. Juni 1801 stammen, als ein Mitglied der Schwerter Landwirtfamilie Duhme einen Preis für die beste Ernte erhielt. Der untere Löffel soll dem Ururgroßvater der Schwerter Künstlerin Sigrid Baumann Senn gehört haben, der einen Mondsüchtigen vom Turm der Kirche St. Viktor geholt haben soll.althoff © Foto: Björn Althoff

Es war einmal ein Löffel. Einer, von dem die Verantwortlichen im Museum dachten, er gehöre zur Geschichte von Fritz Pferdekämper. Da der ja im 19. Jahrhundert der jüdischen Gemeinde Land für einen Friedhof gab und zum Dank für jeden gestorbenen Juden einen Löffel erhielt.


Als Preis für die beste Ernte

So dachte man im Museum bis Freitag. Am Samstag aber kam ein Brief, der das über den Haufen warf. Schrieb doch die 85-jährige Sigrid Baumann Senn: „Einer meiner Vorväter der Landwirtfamilie Duhme hat als Preis für die beste Gerstenernte einen silbernen Löffel erhalten.“

Die Geschichte steht exemplarisch für das, was das Ruhrtalmuseum nach der Wiedereröffnung ausmachen soll: „Wir wollen die Besucher mit Hypothesen konfrontieren“, unterstreicht Dr. Ulrike Gilhaus, die Chefin des Museumsamtes beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Sie ist ebenso mit im Boot, wenn es um das neue Konzept geht, wie Professor Dr. Ulrich Borsdorf, der ehemalige Chef des Ruhr Museums Essen. Gilhaus unterstreicht: „Es geht um den partizipatorischen Ansatz.“ Man wolle dem Betrachter nicht predigen, welches Ausstellungsstück welche Bedeutung habe. Sondern ihn eher dazu ermuntern, selbst nachzudenken, selbst nachzuforschen. „Es wird ein gläsernes Labor. Die Öffentlichkeit soll Zugriff haben auf unser Wissen.“

Komplette Geschichte will keiner sehen

Borsdorf fügt hinzu: Die komplette Geschichte abzubilden – damit lockten Heimatmuseen längst keine Besuchermassen mehr. Eher gehe es darum, „Themen aus der Geschichte herauszuschälen“. Also einzelne Episoden zu erzählen, die Besonderheiten der Stadt unterstreichen würden. Das gelte nicht nur für das Liebenswerte, sondern auch für weniger schöne Aspekte, etwa für die NS-Zeit, für die Zeit der zerstörten und langsam wieder aufgebauten Heimat.

Heimatbegriff auf der Rüttelplatte

„Gut, dass Schwerte sich traut, den Begriff ‚Heimat‘ auf eine Rüttelplatte zu legen“, lobt Borsdorf. Ohnehin scheine die Beziehung der Schwerter zu ihrer Stadt eine ganz besondere zu sein.

Wenn Löffel eine Geschichte erzählen

Welches Konzept steckt hinter der Neugestaltung des Ruhrtalmuseums? Schwerter und externe Experten gaben Antworten (v.l.): Joseph Bender, Ulrich Halbach (beide Vorstand Bürgerstiftung), Prof. Dr. Ulrich Borsdorf (Ex-Direktor der Ruhr Museums), Dr. Ulrike Gilhaus (Leiterin des LWL-Museumsamts), Tobias Bäcker (Bürgerstiftung), Anke Skupin (Stadt Schwerte) und Martina Horstendahl (Öffentlichkeitsarbeit).althoff © Foto: Björn Althoff

Einmal im Monat treffen sich diejenigen, die den Rahmen des neuen Museums-Konzeptes erarbeiten. Sie haben sich nicht nur auf das Obermotto „heimat ver-rückt“ geeinigt, sondern auch auf drei Säulen: Die klassischen Exponate, die die Stadtgeschichte erzählen. Ausstellungsstücke aus dem Hier und Jetzt, die von Bürgern beigesteuert werden. Und Werke von großen Kindern der Stadt.

Wann das alles fertig sein soll? Tobias Bäcker vom Vorstand der Bürgerstiftung spricht von „den frühen 2020er-Jahren“. Und von einer „horizontalen Eröffnung“. Er verspricht allerdings auch: Im Laufe des Jahres 2018 werde es immer neue Details geben.

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