Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Schlaflos in Kaiserau“

Fußball

Drei Tage Jahresurlaub sind sowieso weg, da hat sich Michael Pannenbecker (Foto) auch noch den Luxus eines Einzelzimmers für zusätzliche zehn Euro die Nacht gegönnt. Seit gestern ist der Trainer der Sportfreunde Stuckenbusch in die Sportschule Kaiserau eingezogen, um seine B-Lizenz nicht zu verlieren: Alle drei Jahre muss man dafür drei Tage Fortbildung absolvieren.

Recklinghausen

von Von Ralf Wiethaup

, 13.06.2012
„Schlaflos in Kaiserau“

Vom Sturm umtost: Michael Pannenbecker. Foto: Holz

Immerhin: Die einst so miefige Sportschule ist längst eine Edelabsteige worden, die während der WM 2006 sogar die spanische Nationalmannschaft beherbergt hat: „Na, dann kommt ja vielleicht noch der ,Geist von Iniesta‘ über mich“, lacht Pannenbecker. Möglicherweise könnte die Inspiration vom katalanischen Star-Kicker in Zeiten des ungewissen Klassenerhalts ja helfen, aber erst einmal will sich Pannenbecker nur auf sich selbst bzw. auf die Selbstheilungskräfte seines Teams verlassen. Die Rechnung vor dem letzten Saisonspiel am Sonntag ist denkbar einfach: Wenn Stuckenbusch noch einen Punkt holt, dann kann der Rest der Bezirksliga spielen, wie er will: Die Sportfreunde bleiben drin. Doch der Teufel steckt in diesem Fall im Detail, da der Gegner eben TuS 05 Sinsen heißt und in dieser Spielzeit die Übermannschaft der Liga stellt. Was Pannenbecker auch ohne Einschränkung zu würdigen weiß: „Ich habe absoluten Respekt vor der sportlichen Leistung der Sinsener, die haben eine sensationelle Saison gespielt.“ Gleichwohl gibt sich der Stuckenbuscher Coach nicht der Illusion hin, dass die längst als Meister feststehenden Marler am Sonntag mit halber Kraft am Leiterchen herumkicken werden. Schließlich hat diese Partie auch eine Vorgeschichte, die nicht zuletzt von Pannenbecker inszeniert wurde: Nach dem Hinspiel hatte er sich lautstark darüber beschwert, dass er selbst, seine Betreuer und seine Spieler in Sinsen aufs Übelste angegangen und beleidigt worden sind. Die Replik aus Sinsen ließ nicht lange auf sich warten, die Vorwürfe gingen letztlich hin und her, und auch wenn der Trainer der Sportfreunde dem Thema nichts mehr hinzuzufügen hat, so sagt er doch ganz eindeutig: „Ich stehe zu meinen Aussagen.“ So oder so bleibt die Angelegenheit heikel und die fußballerische Aufgabe „fast unmöglich oder super-super-schwer“, wie Pannenbecker das nennt. Aber natürlich könnte auch alles ganz anders kommen: Wenn nämlich der BV Rentfort gegen Langenbochum nicht gewinnt, dann ist ein Stuckenbuscher Sturz auf Relegationsplatz elf nicht mehr möglich. „Aber wir können ja jetzt schlecht hingehen und von Langenbochum verlangen, dass sie uns raushauen“, meint Pannenbecker, der mit einigem Recht darauf verweist, dass sich Stuckenbusch schließlich mit völlig unnötigen Niederlagen wie zum Beispiel beim FC Gladbeck selbst in diese Lage hineinmanövriert hat. Allerdings gab es dann auch Spiele wie das am vergangenen Sonntag beim FC Marl, in dem Pannenbecker die vermeintliche Ungerechtigkeit direkt ins Gesicht sprang: „Das 2:1 für Marl in der 90. Minute darf man niemals geben: Erstens war der Ball vor der Flanke im Aus, dann wird unser Verteidiger Dominik Lubrich geradezu gewürgt und dann haut Spitzer den Ball auch noch mit der Hand ins Tor. Ich dachte, das gibt es doch nicht. Das 1:3 fällt dann in der Nachspielzeit nur, weil unser Torwart mit nach vorne gegangen ist, um noch den Ausgleich zu machen.“ An Tagen wie diesen „fällst du vom Glauben ab“, so Pannenbecker, „da fragt man sich doch wirklich, ob man sich das noch antun muss, dass man von solchen Dingen abhängig ist“. Und den Stuckenbuscher Trainer lassen solche Überlegungen schwer los: „Da finde ich auch nachts keine Ruhe.“ Was im aktuellen Fall bedeuten würde: „Schlaflos in Kaiserau“.