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Tanja Regmann erhielt das Bundesverdienstkreuz

Im Interview

Große Ehre für Tanja Regmann: Die Leiterin des Erler Jugendhauses erhielt im Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Bundespräsident Christian Wulff. Im Interview berichtet sie von ihrem großen Engagement.

ERLE

von Fragen Rüdiger Eggert

, 06.12.2011
Tanja Regmann erhielt das Bundesverdienstkreuz

Die Erzieherin Tanja Regmann bekommt am Montag (05.12.2011) im Schloss Bellevue in Berlin von Bundespräsident Christian Wulff (CDU) den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Regmann wurde anlässlich des Tages des Ehrenamtes für ihr soziales Engagement mit 27 weiteren Personen geehrt.

Tanja Regmann leitet die Einrichtung für Jugendliche seit nunmehr zehn Jahren. In ihrer Freizeit setzt sie sich gemeinsam mit ihrem Bruder Sascha Regmann für die Rettung ölverschmierter Seevögel ein. Am Montag war sie in Berlin, um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen.

Das weiß ich auch nicht. Ich habe mit 27 anderen Personen das Bundesverdienstkreuz bekommen, unter ihnen auch viele Prominente, leider war Wolfgang Niedecken nicht dabei, aber dafür habe ich Jan-Josef Liefers kennen gelernt. Der ist ein ganz netter Kerl. Er engagiert sich für ein Kinderhospiz und weitere Kinderprojekte, da war ich ganz von den Socken, das bekommt man so nicht mit.

Ich bin seit über 20 Jahren im Tierschutz aktiv. Am Anfang habe ich im Tierheim mitgeholfen. Mein Bruder Sascha hatte 1998 die Idee, sich für den Schutz der Meere einzusetzen. Ich fand die Idee klasse. Zufällig kam es im gleichen Jahr vor Amrum zur Katastrophe mit der „Pallas“. Da sind wir ganz engagiert als Strandreiniger hingefahren und mit Gummistiefel und Schüppen losgezogen. Als wir ankamen, war kein Öl am Strand, aber überall lagen ölverschmierte Vögel. Trotz Vogelphobie habe ich mich entschieden, den Tieren zu helfen. Als ich die erste Ente gefangen habe und dann wusste, wie ich sie anfassen muss, waren alle Ängste dahin. Schnell haben wir gelernt, wie man mit den Vögeln umgeht. Je professioneller man mit den Tieren umgeht, desto ruhiger werden sie auch.

Die erste große Katastrophe, die wir begleitet haben, war ein Jahr später in der Bretagne. (Anmerkung: Die Havarie des Tankers „Erika“ war eine der größten Katastrophen, über 50 000 Vögel verendeten.) Damals haben wir mit einer großen amerikanischen Organisation zusammengearbeitet, uns aber 2000 entschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. Im Projekt Blue Sea e.V. ist zurzeit eine sehr überschaubare Anzahl an aktiven Mitgliedern organisiert, die seit Jahren zusammenarbeiten. Man darf nicht vergessen: Wir Arbeiten in Ausnahme- und Krisensituationen. Da liegen auch die Nerven schon mal blank, da hilft es uns nicht, wenn die Leute am Anfang begeistert sind und wenn es brenzlig wird, dem Druck nicht gewachsen sind. 14 bis 16 Stunden an einem Stück zu arbeiten, ist schon eine Belastung.

Mein Bruder muss auf jeden Fall erwähnt werden. Eigentlich hätten wir die Auszeichnung als Geschwisterpaar erhalten müssen. Da ich immer in der Presse herhalten musste und mein Bruder nicht in die Öffentlichkeit wollte, habe ich das Verdienstkreuz bekommen. Ich seh‘ es aber so, dass ich die Auszeichnung stellvertretend für meinen Bruder, den Verein und unser Bündnis bekommen habe. Es ist auch nicht mein Kreuz, es ist das Kreuz für alle Mitglieder und alle Vögel.

Wir haben 2004 ein Bündnis gegründet. Um flexibler im Katastrophenfall agieren zu können, haben wir uns mit mehreren Vereinen unter PRO-Bird (Bündnis zur Rettung von verölten Vögeln) zusammengeschlossen. Da bin ich Mitbegründerin und Namensgeberin. Die Zusammenarbeit ist wichtig, da die Einsätze bei Ölkatastrophen in der Regel mehrere Wochen dauern, die meisten Helfer aber nur einige Tage vor Ort sein können. 2009 konnten wir so in Norwegen sechs Wochen helfen, ich war persönlich drei Wochen in Norwegen.

Wir sind auf dem höchsten internationalen Niveau bei der Arbeitsweise während der Rettungsaktionen. Ungefähr 60 Prozent der geretteten Vögel kommen durch, dafür haben wir selber Techniken entwickelt. Auch wenn wir nicht bei Katastrophen im Einsatz sind, gibt es selbst hier in der Nähe viel zu tun. In der Umgebung von Köln haben wir 90 Enten und Schwäne gereinigt, die mit Fett aus Friteusen verschmiert waren. Die sind alle wieder fit.

Die Zahl unserer Förderer ist überschaubar, alle Spendengelder werden für Materialien und Medikamente eingesetzt, die Anreisen zu den Einsatzorten werden meist aus eigener Tasche gezahlt. Erfreulich ist, dass wir in Europa den Status haben und zu denen gehören, die zuerst gerufen werden. Im Notfall werden wir von Sea-Alarm in Brüssel angefordert. Sea-Alarm arbeitet mit den höchsten staatlichen Stellen der Länder zusammen. Weiter arbeiten wir an Rettungskonzepten, die es in Deutschland noch nicht gibt. Anders sieht es in Norwegen aus, nach der Havarie der „Full City“ haben wir es geschafft, einen großen Teil der Vögel zu rehabilitieren, die Kosten betrugen 120  000 Euro, der Schaden durch das Öl insgesamt 60 Millionen Euro.