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Stoppelfeldbrände halten Feuerwehr im Dauereinsatz

Andauernde Trockenheit

Sechs Stoppelfelder sind in einer Woche in Raesfeld in Brand geraten. Oft bei Erntearbeiten. Jürgen Möllenbeck (Lohnunternehmen Nagel): „Wir fahren jeden Morgen mit Bauchschmerzen raus.“

Raesfeld

, 04.07.2018
Stoppelfeldbrände halten Feuerwehr im Dauereinsatz

Auf der Stadtgrenze zwischen Raesfeld und Marbeck musste die Feuerwehr am Montag einen größeren Flächenbrand auf einem Stoppelfeld an der Straße Pohlschlatt löschen. © Bludau

„Das habe ich in 25 Jahren bei der Feuerwehr noch nicht erlebt“, sagt André Szczesny, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Raesfeld. Dass es jetzt zu der Häufung komme, liege natürlich an der Trockenheit. „Wir haben seit Mitte April keinen vernünftigen Tropfen Regen bekommen. Die Böden sind ausgetrocknet bis zum geht nicht mehr.“ Szczesny hat sogar schon beobachtet, dass sich die Rinde von Ahorn-Bäumen löst, „weil die Wurzeln kein Wasser mehr kriegen“. Der Grundwasserspiegel habe sich stark abgesenkt. Hinzu komme der böige Wind, der zusätzliche alles austrockne.

Für die Landwirte und Lohnunternehmer, die derzeit mitten in der Getreideernte stecken, ist die Situation brandgefährlich. Jürgen Möllenbeck: „Bei der Trockenheit reicht ein Funkenflug und wir haben alles am brennen.“ Das Lohnunternehmen hat zwei Quaderpressen und drei Mähdrescher im Einsatz. Am Dienstagmorgen war es schon knapp. Ein Landwirt hatte beim Dreschen einen entstehenden Brand auf der Fläche bemerkt. „Den haben wir mit dem Feuerlöscher aber noch ausgekriegt“, so Möllenbeck.

„Die Landwirte sind nervös“

Feuerlöscher haben alle Fahrer des Unternehmens immer an Bord. Die Landwirte halten Güllefässer mit Wasser bereit. Landwirte und Lohnunternehmer haben Grubber hinter die Traktoren gespannt, um im Falle eines Brandes schnell mit einer Schneise die Ausbreitung zu verhindern. „Die Landwirte sind nervös“, sagt Möllenbeck.

Warum brennt es meistens bei Erntearbeiten? „Die Maschinen werden bei der Arbeit heiß. Wenn ein Steinchen von der Presse hochgenommen wird, kann es zum Funkenflug kommen“, sagt Möllenbeck. Szczesny beobachtet seit Jahren, dass die landwirtschaftlichen Maschinen immer effizienter werden, das Stroh immer kleiner gehäckselt werde. Ein Landwirt habe ihm berichtet, dass er einen entstehenden Brand in der Presse bemerkt habe und daraufhin das Stroh aus der Presse ziehen wollte. „Das hat in der Hand angefangen zu brennen“, so Szczesny.

Stoppelfeldbrände halten Feuerwehr im Dauereinsatz

Eine Rundballenpresse geriet am Donnerstag (28. Juni) an der Straße Hagen in Erle in Brand. © Feuerwehr Raesfeld

Kann man sich als Lohnunternehmer gegen Brände schützen? Möllenbeck berichtetet, dass abends die Maschinen richtig sauber gemacht werden. Der komplette Staub werde rausgeblasen und auch die Motoren vom Staub befreit.

Im Falle eines Maschinenbrandes wird es teuer. 150.000 Euro kostet eine neue Quaderpresse, 350.000 Euro ein Mähdrescher. „Es wird zunehmend schwieriger, die Maschinen zu versichern“, sagt Möllenbeck.

Die Trockenheit sorgt dafür, dass die Ernte früher erfolgt. Die Gerste sei geerntet, jetzt gehe es an die Triticale, so Möllenbeck. „Wenn es noch zwei Wochen so trocken bleibt, ist der Weizen auch durch.“ Die Trockenheit hat noch weitere Auswirkungen. „Der Mais steht auch bescheiden“, sagt Möllenbeck. „Wenn der nicht bald Regen bekommt, fangen wir Mitte/Ende August an, den Mais zu silieren.“

Glasscherbe

Doch es gibt auch Brände, die selbst für Szczesny schwer zu erklären sind. Am Ortwinsweg brannte am Montag ein abgeerntetes Stoppelfeld auf 400 Quadratmetern, wobei das Feuer in der Mitte des Felds ausgebrochen ist. „Der Landwirt hat mir gesagt, dass er seit Freitag nicht mehr auf dem Feld war.“ Auch eine glimmende Zigarette, die jemand vom Weg aus ins Feld geworfen haben könnte, kommt nicht in Frage. Szczesny vermutet eine Glasscherbe als Ursache, in der sich das Sonnenlicht gebrochen haben könnte.

Die nicht ungefährliche Situation wird die Landwirte und Feuerwehrleute weiter beschäftigen. „Es sieht nicht so aus, als ob wir in den nächsten zwei Wochen Regen bekommen“, sagt Szczesny. Landwirte sollten ihre Güllefässer vorsorglich mit Wasser befüllen. Das Problem (Szczesny: „Für die Feuerwehr gibts keine Probleme, nur Aufgaben“) sei, dass die Einsatzorte oft im Außenbereich liegen, wo Wasser schwer erreichbar sei. „Die größten Feuerwehrfahrzeuge fassen 5000 Liter. Wenn da ein Landwirt mit einem 20.000-Liter-Fass kommt, hilft das.“ Ansonsten müsse die Feuerwehr das Wasser per Pendelverkehr herbeischaffen.

Langfristig müsse man sich Gedanken machen, ob die Wasserversorgung im Außenbereich ausreiche, so Szczesny. „Ich bin überzeugt, dass wir solche langen Dürreperioden noch öfter bekommen.“ Der umgekehrte Fall seien die Gewitter, die mittlerweile meistens direkt in „Starkregen-Ereignissen“ enden.

Die Zahlen geben Szczesny recht. Derzeit arbeitet er am Halbjahresbericht der Feuerwehr, die im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 104 Einsätze zu bewältigen hatte. Im ersten Halbjahr 2018 waren es 42. Glück habe man zuletzt gehabt, weil die Einsätze oft im Nachmittags- und Abendbereich gelegen hätten, wenn die ehrenamtlichen Feuerwehrleute von der Arbeit zurückgekehrt seien.

Funkenflug vom Grill

Er und seine Kollegen beobachteten derzeit beim Autofahren immer den Horizont, um Entstehungsbrände zu entdecken. Bürger, die einen solchen sehen, sollten die 112 rufen. „Mit einem Feuerlöscher kann man einen Zwei-mal-zwei-Meter-Brand löschen, bei fünf mal fünf Metern wird man nicht mehr Herr drüber.“ Und Szczesny hat beobachtet, wie schnell sich die Feuerwalze auf einem Stoppelfeld vom Wind angefacht fortbewegen kann: „Schätzungsweise 50 bis 60 km/h.“ Aufpassen sollten die Bürger aber nicht nur auf freiem Feld, sondern auch im Garten. Der Funkenflug eines Holzkohlegrills könne derzeit ausreichen, so Szczesny.

Glück habe man bislang gehabt, dass viele Getreidefelder von Maisfeldern umgeben seien, die nicht so schnell in Brand geraten. Am Montag, an der Straße „Pohlschlatt“ in Borken-Marbeck wurde auch die Außenhülle eines Schweinestalls vom Feuer in Brand gesetzt. Er und der Borkener Einsatzleiter seien sich einig gewesen, dass der Stall nicht mehr gerettet gewesen sei, wenn die Feuerwehr fünf Minuten später erschienen wäre.