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Parallelwelten und Urlaubsgefühle: Festivals auf neuen Wegen

Nürnberg. Bei Musikfestivals geht es längst nicht mehr nur um Konzerte, sondern auch um Erlebnisse. Ein Blick nach Kalifornien zum Coachella-Festival zeigt, wohin die Reise gehen könnte.

Parallelwelten und Urlaubsgefühle: Festivals auf neuen Wegen

Bei Musikfestivals geht es längst nicht mehr nur um Konzerte, die Events entwickeln sich immer weiter zu Erlebnis-Oasen. Foto: Sebastian Gollnow

Riesenrad, Palmen und jede Menge Trendsetter: Das Coachella in Kalifornien gilt als eines der erfolgreichsten Musikfestivals der Welt. Jedes Jahr im April pilgern angesagte Leute auf das Wüstengelände nahe Palm Springs.

Das Besondere: Im Publikum sind wohl mehr Stars zu finden als auf der Bühne. Instagram-Bilder vor dem Coachella-Riesenrad sind auch für sogenannte Influencer (von „influence“ - Einfluss) ein Muss. Und was ist mit dem Line-up? Bei all dem Rummel rückt die Musik etwas in den Hintergrund. Sieht so auch die Zukunft der Festivals in Deutschland aus?

„Die Festivalkultur in den USA unterscheidet sich deutlich von der hierzulande“, sagt Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer von FKP Scorpio. Seine Firma veranstaltet mehr als 25 Festivals in sieben Ländern, darunter das „Hurricane“ im niedersächsischen Scheeßel und das „Southside“ in Neuhausen in Baden-Württemberg, die jährlich zusammen etwa 120 000 Besucher anlocken.

„Wir sehen nicht, dass sich die Entwicklung von Festivals wie dem Coachella auch eins zu eins auf deutsche Festivals übertragen lässt“, sagt Thanscheidt. Die hiesigen Events entwickelten sich natürlich auch weiter, das Rahmenprogramm werde immer wichtiger. „Also schaffen wir keine Lifestyle-Kulissen, sondern überlegen stattdessen sehr genau, was es für ein ganzheitliches Musikerlebnis es heutzutage inhaltlich braucht und welcher rote Faden zu welchem Festivalkonzept passt.“

Man könne zusammengefasst sagen: „Der Trend geht hin zum Festivalerlebnis. Aber die Musik ist und bleibt das Herzstück auf all unseren Festivals.“ Bewusst ergänzt um ein dazu passendes Camping- und Gesamtkonzept. Wie etwa beim „A Summer's Tale“ in Luhmühlen in der Lüneburger Heide, das FKP-Scorpio seit 2015 im August organisiert. Neben Musik werden auch Workshops - vom Wein-Seminar bis hin zu Plattdeutsch, Yoga und Japanischer Teezeremonie - angeboten. Das Festival spreche ein erwachseneres Publikum an, sagt Thanscheidt.

Innovativer ist auch das „Parookaville“ in Weeze an der deutsch-niederländischen Grenze. Das Electronic-Dance-Festival hatte seine Premiere 2015 und erwartet wie im Vorjahr wieder etwa 80 000 Besucher. Das Konzept basiert darauf, dass sich der ehemalige Militärflughafen für die Festivaltage in ein Dorf verwandelt mit Schwimmbad, Postamt und einer Kirche zum symbolischen Heiraten - auch hier gibt es ein Riesenrad.

Das Gesamtkonzept ist auch diesen Veranstaltern wichtig. Die erfolgreichsten Festivals der Welt, wie eben Coachella, seien keine reinen Musikfestivals mehr, sondern Showkonzepte mit klarem Fokus auf einem einmaligen Gesamterlebnis, sagt Bernd Dicks, einer der Gründer von Parookaville.

Natürlich sei es der Anspruch von Veranstaltern, Weltstars und Szene-DJs auf die Bühnen zu bringen. Das erwarteten auch die Besucher. „Den rasanten Erfolg und seine Einzigartigkeit verdankt Parookaville allerdings vor allem der Tatsache, dass die „Bürger“ hier vier Tage in eine Parallelwelt eintauchen können.“

Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft gibt es in Deutschland mehr als 250 Festivals, eventuell sogar mehr als 300. Die Szene sei im Umbruch, sagt Verbandspräsident Jens Michow. Die Zielgruppe - insbesondere deren Alter und Erwartungen - hätten sich geändert, Komfort werde wichtiger. Doch auch heute gelte: „Ohne vernünftiges Line-up kann man kein erfolgreiches Festival veranstalten.“

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