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„Papa Moll“: Kinoabenteuer einer Schweizer Comicfigur

Berlin. „Hier im schönen Murmlikon, lebt Papa Moll seit Jahren schon“: Gereimt wie in den Versen der Comics beginnt der erste Kinoauftritt einer Schweizer Kultfigur.

„Papa Moll“: Kinoabenteuer einer Schweizer Comicfigur

Stefan Kurt übernimmt in der Realverfilmung die Rolle des Titelhelden Papa Moll. Foto: Zodiac Pictures/Pasca/polyband Medien GmbH

Papa Moll hat es nicht leicht. Eigentlich meint er es doch nur gut mit allem, ob als Ehemann und Vater oder als Mitarbeiter einer Schokoladenfabrik. Doch wieder mal geht etwas schief - wie schon seit 65 Jahren.

Die dickbäuchige Comicfigur mit dem Eierkopf und den fünf Haaren drauf feierte in ihrer Heimat in der Schweiz im vergangenen Jahr nicht nur das Erreichen des Rentenalters: Erstmals hat es der „liebenswürdige Antiheld“, wie ihn sein Verlag nennt, samt Ehefrau, drei Kindern, Dackel Tschips und dem stets dazu gehörenden Chaos auch auf die Kinoleinwand geschafft.

Mit „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ erschien nicht nur das erste Kinoabenteuer, sondern auch der 30. Band der „Papa-Moll“-Klassik-Reihe im Globi Verlag (Zürich). Dort gehören die Geschichten rund um den tollpatschigen Familienvater seit Mitte der 70er Jahre zu den Dauerbrennern, zuvor waren sie einige Jahre lang in Buchform in einem anderen Verlag erschienen. Papa Moll selbst kam noch früher zur Welt: 1952 erhielt die Künstlerin Edith Oppenheim-Jonas den Auftrag, für die Kinderzeitschrift „Junior“ eine eigene Schweizer „pädagogisch wertvolle“ Comicfigur zu entwerfen.

In Papa Molls kleinbürgerliche Welt der 50er Jahre geht es im Film zurück, der erzählt, wie alles begann mit dem Dackel Tschips. Denn vor Tschips war Katovl - Katovl Hundini, der fliegende Zirkushund des fiesen Dompteurs Rasputin. Von letzterem ahnen die Moll-Kinder Evi, Fritz und Willy zunächst ebenso wenig wie vom weiteren Übel, das sie noch erwartet: Die gemeinen Kinder von Papas Chef Stuss kommen mit in den Zirkus. Und Papa Moll hat ausgerechnet an jenem Wochenende, an dem Mama mit der Frauengruppe zum „Wohlfühlwochenende“ reist und er mit dem Nachwuchs alleine ist, Stress in der Fabrik.

Die ersten Entwürfe für die Verfilmung hätten noch in der Gegenwart gespielt, erzählt der Regisseur Manuel Flurin Hendry („Strähl“, „Tatort“) im Presseheft. Doch dann habe man sich für eine zeitlose, an die 50er Jahre erinnernde Welt entschieden, „als die Sitten noch biederer, die Autoritäten noch zwingender und die sozialen Konventionen strenger“ waren. „Diese Welt wollten wir liebevoll aufs Korn nehmen, aber auch eine Brücke von dort in die Gegenwart schlagen.“

Der Schweizer Schauspieler Stefan Kurt (58) übernimmt in der Realverfilmung die Rolle des Titelhelden. Aus Dieter Wedels „Schattenmann“ (1996) wird der dicke Papa, mit extra geschneidertem Bauch, Silikon-Wangenteilen und Haarkranz. Auch sonst haben die Macher keinen Aufwand gescheut: Fast zehn Jahre lang arbeitete das Team um die Produzenten Lukas Hobi und Reto Schaerli, die mit Zodiac Pictures unter anderem 2015 „Heidi“ ins Kino brachten, sowie Regisseur Hendry an dem Großprojekt.

Mit Bildern wie aus dem Märchenbuch und jeder Menge Slapstick geht es nach Murmlikon. „Hier im schönen Murmlikon, lebt Papa Moll seit Jahren schon. Noch ist hier alles ruhig und still, ob das wohl heut' so bleiben will?“, reimt ein Erzähler zu Beginn im Stil der Comic-Verse. Ruhig und still bleibt es natürlich auch im Kino nicht: Es kracht und knallt in der Fabrik, wo eigentlich die Produktion der Schoggi-Murmelis auf Hochtouren laufen soll, und wird chaotisch und turbulent im Zirkus, wo Kanonen auch mal ein Kind durch die Kuppel schießen.

Ob „Papa Moll“ sich in die Herzen der deutschen Kinder katapultieren kann, bleibt abzuwarten. In seiner Schweizer Heimat erntete der bunt verpackte, harmlose Kinoausflug gemischte Kritiken. Die Besucherresonanz zum Start kurz vor Weihnachten fiel zunächst verhalten aus. Doch rund zwei Wochen später wurden dann die ersten 100 000 Zuschauer gefeiert. In den deutschen Kinos wartet derweil Konkurrenz, die hierzulande deutlich prominenter ist, etwa „Peter Hase“, „Jim Knopf & Lukas“ und die „Fünf Freunde“. Vermutlich hat Papa Moll es wieder nicht leicht.

- Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes, Schweiz/Deutschland 2017, 90 Min., FSK ab 0, von Manuel Flurin Hendry, mit Stefan Kurt, Isabella Schmid, Luna Paiano, Maxwell Mare, Yven Hess.

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