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Otis Redding: 50 Jahre „Dock Of The Bay“

Berlin. Er war einer der größten Soul-Sänger aller Zeiten: Otis Redding, der mit nur 26 Jahren auf tragische Weise starb. Vor allem ein Song machte den begnadeten Musiker aber unsterblich.

Otis Redding: 50 Jahre „Dock Of The Bay“

Einer der Größten: Soul-Legende Otis Redding. Foto: Warner Music

Otis Redding war auf dem Weg nach ganz oben: Vor allem eine Tournee 1967 nach Europa geriet zum Überraschungserfolg. „Ehe wir in Europa waren, wussten wir gar nicht, dass wir Stars sind“, sagte Steve Cropper, der als Gitarrist mit von der Partie war.

Der King of Soul machte sich bereit, den King of Rock'n'Roll abzulösen. Die Leser des britischen Musikmagazins „Melody Maker“ wählten Otis Redding 1967 zum weltbesten Pop-Vokalisten, nachdem Elvis Presley jahrelang auf diesem Thron saß.

Keine Frage, Otis Redding stand kurz vor dem Superstar-Ruhm - er sollte es nicht mehr erleben. Mit nur 26 Jahren starb der Musiker im Dezember 1967 mit vier Mitgliedern seiner Band bei einem Flugzeugabsturz. Kurz zuvor erst hatte er seinen wohl größten Hit aufgenommen: „(Sittin' On) The Dock Of The Bay“, der schließlich Anfang 1968 posthum veröffentlicht wurde und auf Platz eins der US-Charts kam. Ziemlich genau 50 Jahre ist das her.

Das nachträglich kompilierte Album „The Dock of The Bay“ (1968), ein Mix aus neuen Songs, Singles und B-Seiten, schlug ebenfalls ein. Jetzt ist mit „Dock Of The Bay Sessions“ ein „neues“ Album erschienen, das zwar keine unbekannten Songs zu bieten hat, aber die letzten Aufnahmen von Otis Redding erstmals zusammen auf einem Album versammelt, wobei rund die Hälfte bereist auch auf „The Immortal Otis Redding“ zu finden war.

Also, keine neuen Lieder - aber eine neue Idee. Wie könnte das letzte Album geklungen haben? „Dock Of The Bay Sessions“ will darauf als Gedankenspielerei eine durchaus reizvolle Antwort geben. Stark sind die Songs allesamt, die emotional bisweilen bis an die Grenze gehen. „I've Got Dreams To Remember“, ein Jahr vor Reddings tragischem Tod aufgenommen, ist ein fast kaum zu ertragende traurige Liebesballade.

Otis Redding war in seinem Todesjahr an einem Wendepunkt in seiner Karriere angekommen. Er hatte bereits jahrelang die R&B-Charts dominiert, jetzt konnte er auch ein Pop-Publikum für sich begeistern. Dafür sorgten auch Songs wie „Direct Me“, der zwar im Gospel verwurzelt ist, aber auch ein gewisses Pop-Feeling aufzuweisen hat.

In dieser starken Zeit gab es aber auch Probleme: Otis Redding, Sohn eines Baptistenpredigers, musste sich bei einer OP Stimmbandpolypen entfernen lassen und durfte mehrere Wochen nicht singen oder sprechen. Danach aber klang er noch besser: „Seine Stimme war so rein“, erinnert sich Steve Cropper, Co-Autor von „The Dock Of The Bay“, in einem kürzlich veröffentlichten Video-Snippet. Eine Stimme, die zwischen emotionaler Wärme und plötzlich herausbrechender Ekstase problemlos balancieren konnte.

Und mit dem Mega-Hit „The Dock Of The Bay“, mit dem das Erinnerungsalbum natürlich beginnt, zeigte sich auch inhaltlich ein neuer, nachdenklicherer Otis: „Häng am Hafenbecken der Bucht rum und schlag die Zeit tot“ - traurige Worte über die Hoffnungslosigkeit - für die Ewigkeit. Songs für die Ewigkeit.

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