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Nannen-Preisverleihung in der Elbphilharmonie

Hamburg. Der Nannen-Preis für die besten Arbeiten im Printjournalismus hat Tradition. Die Edelfedern der Branche wurden erstmals in der Hamburger Elbphilharmonie ausgezeichnet.

Nannen-Preisverleihung in der Elbphilharmonie

Die Preisträger der Nannen-Preise werden in der Elbphilharmonie geehrt. Foto: Georg Wendt

Zum Auftakt ein Geburtstagsständchen: „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga, die am Mittwochabend durch die Nannen-Preisverleihung in Hamburg führte, wurde von einem „Happy Birthday to You“ der rund 500 Gäste überrascht.

Begleitet von Pianist Joja Wendt intonierte der Chor der Medienschaffenden den Gruß zum - dezent verschwiegenen - 49. Geburtstag. „Das sollte doch keiner wissen, jetzt bin ich erstmal platt“, sagte Miosga verlegen.

Anschließend wurde es weitaus ernster, als Gruner+Jahr-Verlagschefin Julia Jäkel ein Plädoyer für die Presse- und Meinungsfreiheit hielt. Ohne sie gebe es keine freie Gesellschaft, sagte Jäkel im kleinen Saal der Elbphilharmonie vor der Prominenz aus Medien, Kultur und Wirtschaft. Medien müssten unabhängig bleiben und dürften weder vom Staat, von einem reichen Gönner, einer Partei oder einer Ideologie abhängen. Journalisten dürften nur einer Sache verpflichtet sein: der Wahrheit, führte die Verlagschefin im kleinen Saal der Hamburger Elbphilharmonie aus.

Für die Verleihung der Nannen-Preise in mehreren journalistischen Kategorien waren 18 Beiträge aus 1000 Einreichungen ausgewählt worden. Gruner+Jahr und sein Magazin „Stern“ vergeben die undotierten Auszeichnungen seit 2005 in Erinnerung an den Magazin-Gründer Henri Nannen (1913-1996).

Eingestimmt durch ein syrisch-deutsches Vokalensemble erhielt Souad Mekhennet, Sicherheitskorrespondentin der „Washington Post“, den Sonderpreis. Sie gehöre zu den mutigsten Journalisten, die er kennengelernt habe, sagte „Stern“-Chefredakteur Christian Krug. Mekhennet sei eine der wenigen Menschen weltweit, die hochrangige Mitglieder des Islamischen Staates und der Terrororganisation Al-Qaida zum Interview traf. Sie wolle die Motive der Terroristen ergründen und beschreiben, sagte Krug. Mekhennet, aufgewachsen als Tochter türkisch-marokkanischer Einwanderer in Frankfurt, hatte 2001 die journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule absolviert. Sie sei überwältigt, es auf die Bühne des Nannen-Preises geschafft zu haben, bekannte die Journalistin.

Die Königsdisziplin Reportage hat Markus Feldenkirchen vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ abgeräumt. Er begleitete den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Bundestagswahlkampf 150 Tage lang. Herausgekommen sei mit „Mannomannomann“ ein meisterhaftes Psychogramm - und ein Lehrstück über die Gesetze des Wahlkampfs, urteilte die Jury. Schulz habe sich gegen die Pressestelle gestellt und ihn in seiner Nähe zugelassen, erläuterte Feldenkirchen, warum ihm das Porträt überhaupt gelang.

In den weiteren Kategorien kamen einzelne Journalisten oder journalistische Teams zum Zug:

Investigative Leistung: Ein Team der Wochenzeitung „Die Zeit“ wird für ihre Recherche zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 prämiert. Es rekonstruierte in dem Beitrag „Ein Anschlag ist zu erwarten“, wie der Staat versagte, und es zu dem Terrorakt durch Anis Amri kommen konnte. Akribischer Recherche-Journalismus sei für eine funktionierende Demokratie unverzichtbar, urteilte die Jury.

Dokumentation: Caterina Lobenstein überzeugte mit ihrem „Zeit“-Beitrag über eine Altenpflegerin. „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ lege präzise, nüchtern und differenziert die Strukturen der Pflegebranche offen, meinten die Juroren.

Inszenierte Fotografie: Die Bilder von Adam Ferguson, die im Magazin „Stern“ unter dem Titel „Dem Jenseits entkommen“ erschienen, haben die Jury nach eigenem Bekunden nicht mehr losgelassen. Der Fotograf habe mit nur sparsam eingesetzten Licht und nur angedeuteten Lebensräumen die Scham und das Leid der von der Terrororganisation Boko Haram missbrauchten und traumatisierten Mädchen eingefangen, ohne sie zu entblößen.

Reportage-Fotografie: Pablo Ernesto Piovano hat für den „Stern“ in Fotos („In einem vergifteten Land“) festgehalten, wie Unkrautvernichtungsmittel in Argentinien Menschen Krankheiten, Missbildungen und den Tod gebracht haben. Er wolle ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig die Natur für die Menschheit sei, begründete Piavano seinen Einsatz gegen den „Ökozid“. Seine erschütternden Fotos brachten ihm den Nannen-Preis.

Web-Projekt: Das beste Web-Projekt lieferte nach Auffassung der Jury ein fünfköpfiges Team des Schweizer „Tagesanzeiger“ ab. Für „In eisigen Tiefen - Expedition in einen Gletscher“ nutzten sie 360-Grad-Aufnahmen. „Ein multimediales Meisterstück“, bilanzierte Jury-Mitglied und „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Er selbst sei beim Betrachten von seiner Platzangst geheilt worden, merkte Brinkbäumer an.

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