Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Lynchjustiz auf vermeintlich Pädophilen: Mann stellt sich

Im Fall der Lynchjustiz in Bremen hat sich ein Verdächtiger gestellt. Was die anderen Beteiligten betrifft, halten sich die Ermittler mit Informationen zurück. Auslöser der Tat war ein TV-Bericht über Pädophile. Für den Sender könnte das juristische Folgen haben.

,

Bremen

, 15.06.2018
Lynchjustiz auf vermeintlich Pädophilen: Mann stellt sich

Im Bremer Ortsteil Lesum haben mehrere Männer einen vermeintlichen Pädophilen in seiner Wohnung zusammengeschlagen und schwer verletzt. Foto: Carmen Jaspersen

Der Mob hatte sich nach einem TV-Bericht über Pädophile zusammengerottet: In einem Fall von Lynchjustiz in Bremen hat sich ein Tatverdächtiger gestellt.

Der Deutsche habe zugegeben, zusammen mit weiteren Männern am Dienstag einen 50-Jährigen in seiner Wohnung zusammengeschlagen zu haben, wie die Ermittler mitteilten. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, wollte keine Angaben dazu machen, ob sich inzwischen weitere Beteiligte gestellt haben. Ermittelt wird wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Das Opfer war zeitweise in Lebensgefahr.

Der Tatverdächtige und weitere Männer hatten das Opfer für einen Pädophilen gehalten, der angeblich in einem Bericht der RTL-Sendung „Punkt 12“ zu sehen gewesen war. Tatsächlich hatte der Überfallene überhaupt nichts mit dem Bericht zu tun. Und ein anderer Mann, der tatsächlich im TV-Beitrag auftauchte, hat mit der Pädophilenszene laut Polizei nichts zu schaffen. Dieser bei RTL gezeigte Mann wandte sich noch am Tag der Ausstrahlung an die Polizei, so eine Sprecherin.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Vorermittlungsverfahren gegen RTL ein. Dabei werde ein möglicher Anfangsverdacht für eine Straftat geprüft, sagte Passade. Das Verfahren richte sich nicht gegen eine bestimmte Person. Das von dem Kölner Privatsender zur Verfügung gestellte TV-Material werde in strafrechtlicher Hinsicht bewertet. In Vorermittlungen prüfen Staatsanwälte, ob sie formelle Ermittlungen einleiten. Dies ist auch in diesem Fall noch offen.

Nach Angaben von Passade sei die gefilmte Gegend für Menschen aus der Nachbarschaft klar erkennbar gewesen. RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer wollte die Vorermittlungen nicht kommentieren, weil der Sender noch nicht von der Staatsanwaltschaft darüber informiert worden sei. RTL habe sich allerdings nichts vorzuwerfen, sagte Bolhöfer. „In dem Beitrag ist zu keinem Zeitpunkt behauptet worden, dass der Mann pädophil ist. Wir haben nur die Recherche abgebildet“, betonte er. Zudem sei der Mann verpixelt worden, um ihn unkenntlich zu machen.

Im Bericht hatte sich ein Reporter bei einem bei Pädophilen beliebten Internetportal als Mädchen ausgegeben. Bei ihm meldete sich laut RTL ein Mann, der sich mit dem Mädchen treffen wollte. Am Treffpunkt tauchte dann der Mann auf, der sich später bei der Polizei meldete.

Nach Angaben des RTL-Sprechers hat sich der Mann auffällig verhalten und ist dann plötzlich verschwunden. „Es ist uns nicht gelungen, ihn zu konfrontieren, so dass die Situation hätte aufgeklärt werden können“, sagte Bolhöfer. Wortwörtlich heiße es in dem Bericht: „Wir können nur mutmaßen. Aber hier enden vorerst unsere Möglichkeiten.“ Der Beitrag ist von RTL aus dem Netz genommen worden. Der betroffene Mann gab gegenüber den Ermittlern an, vom Fernsehteam verfolgt worden zu sein. „Der Autor des Beitrags hatte nicht den Eindruck, dass der Mann sich verfolgt gefühlt hat“, sagte der RTL-Sprecher. Das Fernsehteam sei etwa 150 Meter von dem Mann entfernt gewesen.