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Kinderarzt spricht von einem qualvollen Hungertod

Prozess um zwei Babyleichen in Lünen

Mit der Vernehmung eines Kinderarztes ist am Montag am Dortmunder Landgericht der Prozess um die beiden toten Babys von der Reuterstraße in Lünen fortgesetzt worden. Konfrontiert mit dem Foto von einem der Mädchen zu Lebzeiten, sprach der Sachverständige von einem „schmalen und ausgemergelten Kind“. Ein qualvoller Hungertod sei wohl die wahrscheinlichste Todesursache bei beiden Babys gewesen.

LÜNEN

, 14.05.2018
Kinderarzt spricht von einem qualvollen Hungertod

Vor dem Dortmunder Schwurgericht wird gegen eine Lünerin verhandelt, in deren Wohnung zwei Babyleichen gefunden wurden. © Foto: von Braunschweig

Die skelettierten Kinderleichen von Marie und Emma waren im Herbst 2012 bei Aufräumarbeiten nach einem Wohnungsbrand entdeckt worden. Marie war im November 2010 zur Welt gekommen, sie starb im April 2011. Die Leiche hatte ihre Mutter einfach im Wohnzimmer liegen lassen. Im März 2012 war Emma geboren worden. Doch auch sie lebte nur kurz. Denn auch Emma soll nämlich schon bald nach der Geburt stundenlang ohne Nahrung und ohne Flüssigkeit von der Mutter allein gelassen worden sein.

Schnell viel Kraft verloren

„So etwas kann ein Kind in diesem minimalen Alter einfach nicht kompensieren“, sagte der Kinderarzt im Zeugenstand. „Da geht so schnell so viel Kraft verloren. Den Verlust kann man mit einer späteren Mahlzeit einfach nicht mehr nachholen.“ Wenn man Säuglinge in den ersten Tagen nach der Geburt nicht schnellstmöglich aus einer hungerbedingten Abwärtsspirale heraus hole, so der Experte, gebe es nur eine einzige und gleichsam traurige Konsequenz. „Dann sterben diese Kinder“, sagte der Kinderarzt.

Geschätzt auf maximal 2,5 Kilogramm

Fakt ist: Von Emmas Geschwisterchen Marie existierte ein Foto, von dem bis heute jedoch unklar ist, in welchem Alter Marie abgelichtet worden ist. Der Kinderarzt schätze nach einem Blick auf das Foto das Gewicht von Marie auf „maximal 2,5 Kilo“. Alarmsymptome, die auf eine Vernachlässigung durch Unterernährung hindeuten, seien bereits deutlich sichtbar gewesen, so der Experte.

Mit der Situation überfordert

Die angeklagte Mutter hatte zuletzt eingeräumt, die beiden Babys zur Welt gebracht und später teils stundenlang in der Wohnung alleine gelassen zu haben. „Ich war mit der Situation total überfordert“, hieß es

.

Oberstaatsanwältin Carola Jakobs hat die Mutter wegen Aussetzung und Verletzung der Fürsorgepflicht angeklagt. In mindestens 65 Fällen soll sie ihre beiden Kinder allein gelassen und letztlich so ihrem Schicksal überlassen haben.

Das Verfahren wird fortgesetzt.

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