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Der Wendler ist da

BRAMBAUER Der Wendler ist da. Nicht der singende Testosteron-Tanker Wendler. Nicht der Balz-Schmalz- und Schmacht-Wendler, sondern der Tatütata-Wendler, der Kinderkarussell-Wendler, der auf glückliche Kinderseelen und nicht auf gebrochene Frauenherzen abonnierte Wendler.

05.10.2007

Wo Wendler ist, ist Kirmes. So einfach ist das. Und so schön.

Wendlers Auftritt auf der Herbstkirmes ist ein fröhlicher Familien-Dreier. Bestehend aus Vater Karl-Heinz (47), Ehefrau Pauline (45) und Sohn Karl-Heinz (17).

„Das“, sagt der Chef des farbenschreienden Kinderkarussells, „ist meine Frau Pauline.“ Angenehm.

Wendlers wurzeln in einer Jahrzehnte tiefen Kirmestradition. „Seit über 40 Jahren sind wir hier schon beim Volksfest in Brambauer, meinen Vater Günter natürlich mitgerechnet“, gibt Karl-Heinz Wendler Familien-Unterricht.

Freitagnachmmittag. Der Himmel ist so groß und blau, dass man damit zehn Volksfeste bespannen könnte.

Kirmes-Deo

Die Luft schwingt, singt, klingt und scheppert von früher. Die Nase süchtelt nach Düften. Mandeln, Popcorn, Zuckerwatte. Das ewige Kirmes-Deo.

Oldies schmachten. Gerd Wendland schmachtet mit: „Tanzeee mit miiir in deeen Mooorgen. . .“

„Muttiii, ich will mal aufs Kinderkarussell!“ Pauline Wendler, sonst eher für das Spektakel auf der Gabel ihrer Männer zuständig, macht die Kasse. „Kommen Sie, kommen Sie, eine Fahrt auf dem wunderschönen Kinderkarussell.“

Umsatz stimmt

Puh, prustet der Wendler, „heute geht´s richtig ab. Gut so.“ Das Kinderkarussell hat eine Botschaft mitgebracht: Mein ewiges Gekreisel spiegelt die alte Sehnsucht von Kinderherzen nach dem Leben der Großen: Polizei, Feuerwehr, Straßenbahn, Auto. Gerd Wendland dröhnt aus der Box: „Tanzee mit miiir in deeen Mooorgen.“

Karl-Heinz Wendler Junior sammelt die Chips ein. Der junge Wendler ist 17. Er hat gerade in Unna den Realschul-Abschluss gemacht.

Das Karussell kreist. Unablässig reist es, mit goldenen Kinderträumen beladen, in ein Märchenland. Bimmbimm. Tatütata. Die Feuerwehr ist da. Das Wendler-Karussell ist 11 mal 8 Meter groß und 3,50 m hoch.

Wohnwagen

Zuhause sind Wendlers in Unna. Da steht ihr Wohnwagen. „Aber“, sagt Pauline, „der ist groß.“ „45 Quadratmeter“, sagt ihr Mann. „Und mit viel Komfort“, sagt Pauline. „Wir sparen noch auf ein Haus“, sagt ihr Mann. Würde er, wenn er könnte, einem anderen Beruf nachgehen?

Die Peitsche einer prompten Antwort knallt: „Nee,“ sagt der Wendler, der Kinderherzen-Wendler, der Tatütata-Wendler, „niemals, Kirmes ist mein Leben.“ Auf dem CD-Player wird der 60er Jahre Hit-Fabrikant Gerd Böttcher soeben größenwahnsinnig: „Geld wie Heuuu.“ Den Gerd Böttcher hört Pauline gerne. Gerd Böttcher ist tot. Seine Songs nicht. Nicht für Pauline.

Tatütata. „Mutti, ich will auf das Kinderkarussell!“ „Hauptsache, kein Regen,“ sagt der Wendler, „dann stimmt der Umsatz.“ Gitte will jetzt ´nen Cowboy als Mann. Siw Malmkvist weiß, dass sich Liebeskummer nicht lohnt, my darling.

„Einsteigen, alles einsteigen“, ruft Pauline. Das Karussell ruckt. Tatütata. Bimmelbimm. Die Kirmes ist da. Der Wendler auch. Und Gerd Wendland: „Tanzeee mit miiir in deeen Mooorgen. . .“

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