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Live-Magie in London: Das Esbjörn Svensson Trio 2005

Berlin. Tiefe Verbeugung vor einem viel zu früh gestorbenen Meister: Mit dem fantastischen Konzertalbum „e.s.t. live in london“ zeigt das Label ACT, wie schwer der Verlust des schwedischen Jazz-Pianisten Esbjörn Svensson seit zehn Jahren wiegt.

Live-Magie in London: Das Esbjörn Svensson Trio 2005

Ausnahmekönner: Esbjörn Svensson (Piano), Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug). Foto: ACT/Jim Rakete

Den Schock seines Todes hat der europäische Jazz bis heute nicht verwunden: Als der Pianist Esbjörn Svensson am 14. Juni 2008 bei einem Tauchunfall starb, hinterließ er ein monumentales Werk aus 15 Jahren, das heute sogar noch glänzender strahlt als damals und dessen Einfluss immer größer wird.

Kurz vor dem zehnten Todestag ist nun beim deutschen Label ACT ein Doppelalbum erschienen, das die Magie der Musik des schwedischen Esbjörn Svensson Trios (kurz: e.s.t.) bündelt: ein Live-Mitschnitt von 2005, als der gerade 41-Jährige und seine Mitstreiter Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) mit dem Studiowerk „Viaticum“ auf der Höhe ihrer Kunst waren. Mit mehr als 100.000 verkauften Tonträgern avancierte „Viaticum“ später zu einem der erfolgreichsten Jazz-Alben des Jahrzehnts.

„Wir sind eine Rockband, die Jazz spielt“, so lautete das Credo von Esbjörn Svensson, und so klingt das dann auch auf „e.s.t. live in london“. Vorwärts stürmende Verve und Virtuosität, Groove und Improvisationskunst, poppige melodische Zugänglichkeit und neoklassische Raffinesse - wie bei keinem anderen Ensemble fanden diese Elemente in Kompositionen und Live-Spiel zusammen.

Am 20. Mai 2005 trat das e.s.t. im Londoner Barbican Centre auf, einer kühl-nüchternen, recht charmefreien Beton-Location. Umso beeindruckender klingen die rauschhafte Spielfreude des Trios, die Wärme von Balladen wie „Believe, Beleft, Below“, der Wagemut dieser zehn Live-Aufnahmen, deren Schönheit vielen Jazz-Fans auch heute noch Tränen in die Augen treiben dürfte.

Der Barbican-Mitschnitt erinnert zugleich an eines der wichtigsten Werke des Esbjörn Svensson Trios, nämlich „e.s.t. Live in Hamburg“ (2007) - beispielsweise vom Kritiker der „Times“ später zum Jazz-Album des Jahrzehnts geadelt. Und tatsächlich, die London-Platte kann da mithalten. „Mann, wir waren wirklich gut an diesem Abend! Wir sind volles Risiko gegangen. Wir waren 'on fire'!“, erinnert sich Bassist Berglund.

Waren es in der Hamburger Laeiszhalle am 22. November 2006 neueste Stücke von „Tuesday Wonderland“, die das Trio in teilweise gewaltig ausufernden Fassungen präsentierte, so standen in London die davor erschienenen Alben im Mittelpunkt: „Strange Place For Snow“ (2002), „Seven Days Of Falling“ (2003) und eben „Viaticum“.

Abwechselnd träumerisch-leichte und kraftstrotzend wuchtige Klavierläufe von Esbjörn Svensson, Berglunds teilweise dröhnender, wie eine E-Gitarre klingender Bass, das unendlich variantenreiche Schlagzeug von Öström - es war ein magischer Abend. Stuart Nicholson, der renommierte Kritiker des Londoner „Independent“, sah danach eine Kräfteverschiebung im lange US-amerikanisch dominierten Jazz: Der e.s.t.-Auftritt sei „der Beweis, dass Europa nun in Sachen Kreativität und Originalität eine andere Richtung sucht“.

Es dauerte nur noch drei Jahre, in denen Svensson mit den Studioalben „Tuesday Wonderland“ und „Leucocyte“ den Schwerpunkt noch ein Stück weit Richtung Elektronik verschob - ehe das schwedische Jazz-Wunder beim Tauchen in den Stockholmer Schärengärten tragisch endete.

Das aus den „Leucocyte“-Sessions posthum nachgelieferte „301“ und nun das Londoner Live-Album machen deutlich, wie schwer dieser Verlust wiegt. Zahllose europäische Piano-Trios haben sich seither an e.s.t. orientiert, doch dessen Klasse und Relevanz bleibt wohl unerreichbar.

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