Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Viele Hürden auf dem Weg zum Blühstreifen

Umweltschutz

Immer mehr Aktionen unterstützen das Anlegen von Blühstreifen. Es kann aber noch mehr gemacht werden. Rufe nach weniger Bürokratie bleiben aktuell.

Legden

28.06.2018
Viele Hürden auf dem Weg zum Blühstreifen

Heinz-Bernd Saalmann betreibt aktiven Artenschutz: Der bunte Blühstreifen an seinem Gehöft kommt auch bei vielen vorbeifahrenden Radfahrern an. © Markus Gehring

Sie geben gerade jetzt ein tolles Bild ab, die Blühstreifen, die Heinz-Bernd Saalmann angelegt hat. Und sie nützen. Gerade viele Radfahrer machen auf ihrer Route Halt, „erwerben“ oft Kirschen von Saalmanns Kindern mit einer Spende für die Sparbüchse. Gerne beteiligt sich der zweite Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Legden mit der Anlage von Blühstreifen am aktiven Umweltschutz und für den Artenerhalt und weiß um deren Bedeutung – wie viele weitere Landwirte in Legden auch. Er kennt aber auch die bürokratischen Hürden, die viele von seinen Kollegen immer noch abschreckten.

Erfolgreiche Aktion

Es wird etwas getan: Als einen Erfolg wertet der Landwirtschaftliche Kreisverband Borken die Aktion „Blühendes Band durchs Münsterland“. Gemeinsam mit der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft wurde die Idee im Herbst 2017 geboren. Münsterlandweit haben Landwirte bis heute 150 Hektar einjährige Blühsteifen entlang von Getreide- und Maisflächen angelegt. Freiwillig und unentgeltlich. Das Saatgut dafür wurde den Landwirten von der Stiftung kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit sichtbarem Erfolg. „Wer aktuell durch den Kreis fährt, kann Veränderungen feststellen“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, Markus Weiß. Über 400 Landwirte haben im Kreis aktiv kundgetan, freiwillig einjährige Blühstreifen angelegt zu haben. Weiß schätzt die Zahl insgesamt auf 1000:

Verzicht auf Teil der Ernte

Zusätzlich zur ebenfalls gewachsenen Zahl geförderter Blühstreifen zeige dieses Projekt eindrucksvoll, dass sich die Landwirtschaft für Artenvielfalt und Nachhaltigkeit stark mache. Die Landwirte verzichten durch die Anlage freiwillig auf einen Teil ihrer Ernte. Das unterstützten die Landwirte in Legden auch. „Wir im Ortsverband gehen natürlich mit gutem Beispiel voran, haben selbst schon Samen beschafft und verteilt. Und unsere Mitglieder haben gerne mitgemacht“, erklärt Saalmann. Aber gerade bei den geförderten Blühstreifen seien die Auflagen immer noch sehr undurchsichtig. Für den eigenen Bürokratieabbau verzichteten viele auf Prämien. Oder anders: Sie nehmen Subventionen nicht wahr, da sie Sanktionen befürchteten. Eigentlich ungewollt. Viele Auflagen bei EU-geförderten Blühstreifen sind wenig flexibel: Fristen zur Antragstellung oder Aussaat, Mindestabstände und Flächengrößen, Zusammensetzung des Saatguts, Pflanzenschutz. Nur einige Themen.

Kompliziert und riskant

Bei Nichteinhaltung können im Falle einer Betriebsprüfung Abzüge folgen. Ist der Blühstreifen unwesentlich kleiner als geplant, droht der Verlust der kompletten Förderung. 1200 Euro sind das derzeit pro Hektar, wenn es sich um eine sogenannte „Agrarumweltmaßnahme“ handelt. Saalmann nennt ein weiteres Problem: „Blühstreifen werden nicht für die Güllefläche angerechnet.“ Uferrandstreifen hingegen sehr wohl. Diese Unterscheidung ist für viele nicht nachvollziehbar.

Aus eigener Erfahrung kann er die Zweifel von Kollegen nachvollziehen. Die überbordende Bürokratie überfordere viele, die Dokumentationspflichten stiegen eh schon: „Ich kenne Beispiele von Kollegen, die Randstreifen anlegen wollten, letztlich aber nicht durften.“ Es kommt allerdings Bewegung in dieses Thema – wie Aktionen wie das „Blühende Band durchs Münsterland“ und immer mehr Kooperationen zwischen Imkern, Jägern, Kommunen, Naturschutzverbänden und Landwirten zeigen. Auch in der Politik. Bürokratieabbau und Flexibilität würde die Anreize steigern.

Lesen Sie jetzt