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Als die Dorfstraßen nur Pättkes waren

Legden vor 175 Jahren

Vor sechs Generationen haben einige Legdener im Jahr 1836 den Bürgerschützenverein gegründet. Vereinschronist Karl Fischer schildert, wie Legden zur Zeit der Vereinsgründung aussah: komplett anders als heute.

LEGDEN

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 24.05.2011
Als die Dorfstraßen nur Pättkes waren

Die Kirche hatte nur einen Turm, um den sich wenige Häuser drängten: Die älteste Abbildung aus dem Postkartenband »Legden und Asbeck. Bilder aus alter Zeit« stammt aus dem jahr 1840 - vier Jahre nach der Gründung des Bürgerschützenvereins.

Legden heute: das ist eine wirtschaftlich und zivilisatorisch gut strukturierte aufstrebende Gemeinde, ausgestattet mit allen Einrichtungen, die das Leben angenehm machen, wie Fischer meint. Legden damals habe anders ausgesehen : Das Dorf war klein; der zentrale Ortskern sah in etwa so aus wie heute, aber wo heute die Osterwicker Straße einmündet, befanden sich Gärten, zur anderen Seite hin. Die heutige Hauptstraße entlang hörte der Ort etwa bei dem Uhrmacher Droppelmann auf, die Schulstraße gab es noch nicht, dort war lediglich ein Sandpättken, das von „Pollmanns Gatt“ (wo heute die Schulstraße beginnt) auf die Kirche führte. An der Stiege standen beidseitig dicht gedrängt 21 kleine Häuser, dahinter Gärten mit Ställen für Ziege, Schaf und Schwein und dem Abort für die Bewohner.Heizen mit Torf Es gab noch keine befestigten Kreisstraße nach Ahaus und Coesfeld, erst recht keine direkte Verbindung nach Münster, es gab keine zentrale Wasserversorgung, keinen elektrischen Strom, kein Telefon, es gab keinen Rundfunk und erst recht kein Fernsehen, keine Kanalisation, keine Eisenbahn und somit auch keinen Bahnhof und keine Bahnhofstraße, noch keinen Kaiser und somit noch „Kaiserliches Postamt“, keine Sparkasse, keine Straßennamen, keine Brücke über den Mühlenbach. Geheizt wurde mit Holz oder Torf, für Licht gab es Kerzen, Öllichter und später Petroleumlampen, es gab keine demokratische Verfassung und keine einheitliche Währung in Deutschland, und 1815 waren die Legdener zu Untertanen des Königs von Preußen geworden. Was es damals im Dorf gab: Es gab die Kirche, allerdings mit nur einem Turm und dem Friedhof darum, der allerdings seit etwa 1820 nicht mehr belegt wurde, es gab an der Stelle, wo heute das neue Gesundheitszentrum steht, eine Poststation, wo man Kutsch- und Reitpferde wechseln konnte und von der aus sich täglich ein Wagen über unbefestigte Wege nach Ahaus oder Coesfeld quälte. Der erwachsene männliche Einwohner war Bürger oder Junggeselle.Bürger nur verheiratet Die Bürger waren die verheirateten Männer, die ihre Wehrpflicht erfüllt hatten, zur Feuerwehr eingeteilt waren, für eine Familie Verantwortung trugen, ausgestattet waren mit Haus und Garten, einem mehr oder weniger festen Einkommen und einem in der Stammrolle der Gemeinde eingetragenem Gewerbe, für das sie steuerpflichtig waren. 1836 gab es nach den Recherchen von Karl Fischer im Gemeindearchiv fünf Händler mit kaufmännischen Rechten, 35 Krämer, die mit Leinen, Kolonialwaren (unter anderem auch Schießpulver), Getreide, Eiern oder einfach „Trödel“ handelten, neun Hausierer, die von Haus zu Haus gingen und Eier, Werg, Lumpen oder Asche kauften und verkauften, zwei Bäcker, die aber nur zwei Mal in der Woche backten, 13 Schankwirtschaften mit meist nur unbedeutendem Branntweinausschank, vier Metzger, vier Müller, davon drei Wasser- und ein Windmüller. 58 selbstständige Handwerker waren ansässig – und zwar elf Zimmerleute, zehn Schuster, neun Weber, fünf Schneider, vier Schmiede, drei Blaufärber, drei Böttcher, drei Maurer, zwei Holzdrechsler, zwei Holzschuhmacher, zwei Schreiner, ein Sattler, ein Kupferschläger. Zwei Gewerbebezeichnungen waren in den Akten nicht mehr leserlich. Amtsbürgermeister von Legden war der Freiherr von Oer. Sein Amtmann hieß Simonetti. Bereits 1820 hatten die Junggesellen ihren Schützenverein gegründet. Dieser Verein muss großen Eindruck auf die gestandenen Bürger gemacht haben: 16 Jahre später hoben auch sie einen Schützenverein aus der Taufe – vielleicht auch, weil die inzwischen verheirateten Junggesellen auf das jährliche Fest nicht verzichten wollten. 

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