Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Zuschauer sprang spontan als Schiri ein

Aushilfs-Schiedsrichter auf Schalke

Eigentlich wollte Stefan Tendyck, Mitglied des VfB Kirchhellen, am Samstag im Stadion nur das Schalke-Spiel anschauen. Doch dann sah er einen Anruf auf seinem Handy – und aus dem Tribünenbesucher wurde ein Bundesliga-Schiri.

Kirchhellen/Gelsenkirchen

, 19.02.2018
Zuschauer sprang spontan als Schiri ein

Stefan Tendyck – eigentlich Schiedsrichter in der Oberliga – hat am Samstag spontan im Bundesligaspiel von Schalke als vierter Offizielle ausgeholfen. Eigentlich hatte der 33-Jährige das Spiel nur von der Tribüne aus verfolgen wollen. © imago/Team 2

Es war kurz nach Beginn der ersten Halbzeit, als 60.000 Menschen live auf Schalke verfolgten, wie sich der Schiedsrichter-Assistent Robert Schröder einen schmerzhaften Bänderriss zuzog. Das Spiel war für ihn gelaufen – und im Schiri-Stab fehlte plötzlich einer. Was tun, fragten sich die Verantwortlichen vor Ort – und es dauerte nicht lange, bis das Handy von Stefan Tendyck – eigentlich Schiedsrichter in der Oberliga, Mitglied des VfB Kirchhellen und am Samstag als Zuschauer im Stadion – klingelte.

Bruder von Manuel Neuer

Dran war ein alter Schulfreund des 33-Jährigen. Marcel Neuer mit Namen. Der Bruder des berühmten Torwarts Manuel Neuer. Und der Schiedsrichterbetreuer beim FC Schalke. „Er hatte geahnt, dass ich im Stadion bin und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einzuspringen“, erzählt Stefan Tendyck zwei Tage danach ganz unaufgeregt.

„So ganz überrascht war ich ehrlich gesagt nicht. Marcel hatte mich bei einem anderen Spiel gegen Bayern München schon mal angerufen, als ein Schiedsrichter drohte, auszufallen. Der konnte dann aber doch weitermachen.“

Kein „Bammel„

Samstag aber blieb es dabei: Der Linienrichter konnte nicht weitermachen. Stefan Tendyck überlegte nicht lange, sagte zu und machte sich von der Nordkurve aus auf in Richtung Schiedsrichterkabine. „Es hat vielleicht ein paar Minuten gedauert, bis ich unten am Platz war“, erzählt Stefan Tendyck. Während Guido Kleve als Ersatz für den verletzten Kollegen an die Seitenlinie ging, übernahm Stefan Tendyck von ihm den Posten des vierten Offiziellen.

Jetzt lesen

Klar, sagt er, sei das schon aufregend gewesen, etwas Besonderes und kein Alltag. Aber: „Bammel hatte ich jetzt nicht“, so der langjährige Schiri. Auch die vielen Zuschauer, die er von der Oberliga nicht gewohnt ist, störten ihn nicht. „Ich habe ja schon mal in dem Stadion gepfiffen – beim Abschiedsspiel von Marcelo Bordon. Und beim Abschiedsspiel von Gerald Asamoah war ich auch dabei. Aber dieses Mal war es schon etwas anderes, weil es ein Bundesliga-Spiel war. Anders als bei Abschiedsspielen geht es da ja um richtig was“, so Stefan Tendyck.

Viele sahen Tendyck im Fernsehen

Es sei aber alles glatt gelaufen. Als vierter Offizieller hatte der 33-Jährige die Aufsicht über die Trainerbänke, war zuständig für Auswechselungen und für das Anzeigen der Nachspielzeit.

Wohl selten hat ein Mann in dieser Position so viel Aufmerksamkeit erregt wie Stefan Tendyck am Samstag. Mal ganz abgesehen von den ganzen Zeitungen, die auf ihn zukamen. Auch Freunde und Bekannte schrieben ihn reihenweise an, nachdem sie sein „Einspringen“ im Fernsehen verfolgt hatten. „Mich haben teilweise auch Leute angeschrieben, von denen ich schon seit Jahren nichts gehört habe“, erzählt er amüsiert.

Für den IT-Fachmann kehrte aber relativ schnell wieder Normalität ein. Und zwar auf dem Platz. Am Sonntag pfiff der Schiedsrichter die Partie zwischen der SG Borken und dem SV Dorsten-Hardt.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt