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"Spickermanns Bioladen" öffnet in Kirchhellen

Interview

Ist Bio eigentlich nur ein Trend? Das haben wir Bernadette Müting-Spickermann gefragt, sie zusammen mit ihrem Mann jetzt einen Bioladen in Kirchhellen öffnet. Worauf es ihr dabei ankommt, warum es im Januar keinen Brokkoli gab und wann der Laden öffnet, lesen Sie bei uns.

KIRCHHELLEN

, 17.10.2017

Frau Müting-Spickermann, vielleicht starten wir mit einer etwas allgemeineren Frage: Warum eigentlich Bio?

Das hat mich schon lange keiner mehr gefragt, weil ich schon so lange danach lebe. Mein Mann, ich und die Familie – wir haben uns immer schon sehr bewusst ernährt. Wir waren auch, bevor wir vor zehn Jahren den Laden in Fuhlenbrock aufgemacht haben, schon so unterwegs, dass wir immer zu Bio-Läden gefahren sind und dort eingekauft haben. Und da waren die Wege halt immer sehr weit.

Was macht denn Bio Ihrer Meinung nach aus?

Bewusste Ernährung, artgerechte Haltung der Tiere. Uns ist sehr wichtig, dass wir Fleisch von glücklichen Tieren anbieten, die aber wirklich auch mit ordentlichem Futter ernährt wurden und die komplett ohne Arzneimittel großwerden können. So sieht es auch auf der Gemüseseite aus. Pestizidfrei, ohne mineralische Düngemittel. Eben das pure, solide, ordentliche Handwerk. Da arbeiten wir mit einem Top-Großhändler zusammen, der eine gute Arbeit macht und auf den wir uns verlassen können. Sodass wir uns hier hinstellen und sagen können: Wenn Sie diesen Laden betreten, dann können Sie sicher sein, dass Sie nur Ware bekommen, wo das drin ist, was auch draufsteht. Es ist im Bio-Bereich Pflicht, das komplett zu deklarieren. Da sind keine künstlichen Aromen, da sind keine synthetischen Geschmacksverstärker dabei. Da stehen wir hinter. Das finden wir gut.

Es ist zehn Jahre her, dass Sie Ihren ersten Laden in Fuhlenbrock aufgemacht haben. Wenn Sie sich an die Zeit damals zurückerinnern: Was hat sich in der Bio-Welt mittlerweile alles getan?

Vor zehn Jahren war es noch ungewöhnlich, dass wir einen Bio-Laden aufgemacht haben. Ich glaube, vor allem durch soziale Medien ist die Öffentlichkeit heute besser informiert, schneller informiert. Natürlich sind so auch Skandale ganz schnell rum – und auch schnell wieder vergessen. Aber allgemein ist die Transparenz sehr viel höher als früher. Damals musste man viel mehr berichten, aufklären, schreiben. Heute kommen die Kunden und erzählen, was sie gelesen haben und fragen: Wie ist das denn bei Ihnen?

Bio ist ja mittlerweile auch im konventionellen Lebensmittelhandel angekommen. Wie bewerten Sie das?

Das macht für uns viele Dinge einfacher. Weil die Menschen dann schon so etwas kennengelernt haben und der Schritt zu uns nicht mehr so groß ist. Uns läuft ja immer noch der Ruf nach, dass wir sehr hochpreisig unterwegs sind. Aber ich sage ganz klar: Wer im normalen Einzelhandel Bio einkauft, der kann auch hier einkaufen. Wir können dann aber mit Fug und Recht sagen, dass wir im Bio-Bereich versuchen, alles als Verbandsware zu haben. Dass wir also eigentlich das bessere Bio anbieten und nicht EG-Produkte auf den niedrigsten Bio-Level verkaufen.

Was heißt das konkret zum Beispiel mit Blick auf das Gemüse?

Bei uns können sich die Kunden sicher sein, dass wir im Gemüsebereich fast alle Erzeuger kennen. Auch wenn sie in Italien oder Spanien sind. Wir waren da, haben sie kennengelernt, wissen, wie sie arbeiten, warum sie so arbeiten. Unser Großhandel sorgt dafür, dass diese Hersteller und Anbauer, kleine Genossenschaften und landwirtschaftliche Betriebe, langfristige Verträge haben. So garantiert der Großhandel, dass er über einen gewissen Zeitraum sämtliche Produkte abnimmt – und auch nicht mit irgendwelchen Strafen droht, wenn mal witterungsbedingt eine Missernte da ist. Das wird aufgefangen – und geht durch bis zum Kunden. Als jetzt im Januar der Brokkoli in Italien komplett eingefroren war, gab es bei uns keinen Brokkoli. Unsere Kunden müssen damit leben, dass wir saisonal gewisse Dinge nicht verfügbar haben. Gegen das Wetter können wir noch nichts machen. Und das ist auch gut so.

Wieso öffnen Sie nun ausgerechnet hier in Kirchhellen eine Filiale Ihres Marktes?

Ich bin selber gebürtige Kirchhellenerin. Und wir wollten eigentlich schon vor zehn Jahren mit dem Bio-Laden nach Kirchhellen. Damals war kein Ladenlokal zu finden. Wir sind der Meinung, dass der Bereich von Kirchhellen nach Dorsten bis Gladbeck unterversorgt ist mit einem echten Bioladen. Und dann ergab sich jetzt plötzlich die Gelegenheit.

Haben Sie manchmal Angst, dass Bio nur ein Trend ist?

Also wenn das nur ein Trend ist, dann hält der aber schon lange an ...

- Der neue Bio-Supermarkt „Spickermanns Bioladen“ eröffnet am Donnerstag (19. Oktober) an der Bottroper Straße 1.
- Ungefähr 15 Mitarbeiter werden dort arbeiten.
- Das Geschäft ist circa 550 Quadradmeter groß.

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