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Kirchhellener Band rast von null auf hundert mit 2916 Facebook-Klicks

Bahnbrechender Scheiss

Die Kirchhellener Newcomer-Band „Bahnbrechender Scheiss“ hatte großes Glück und durfte bei dem größten Punkfestival in Deutschland auftreten. Von null auf hundert mit 2916 Facebook-Klicks.

Kirchhellen

, 15.07.2018 / Lesedauer: 6 min
Kirchhellener Band rast von null auf hundert mit 2916 Facebook-Klicks

Die fünf Bandmitglieder André Wilms, Thomas Drecker, Martin Stappert, Oliver Grimm und Sabine Bloch (v.l.) haben sich nach einer Schnapsidee spontan zusammengefunden. Seitdem wird jeden Donnerstag geprobt. © Alina Meyer

Ihr habt überraschenderweise ein Facebook-Voting gewonnen und durftet auf dem Ruhrpott Rodeo auftreten, dem größten Punk-Festival in Deutschland. Was war das für ein Gefühl, auf einer so großen Festival-Bühne zu stehen?

Oliver: Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Erstmal ging es ja los mit der technischen Betreuung. Das war ja schon super-cool. Das ganze Drumherum war sehr professionell aufgezogen. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben. Vor der Bühne viele bekannte Gesichter zu sehen, war hervorragend und auch zu spüren, dass die Atmosphäre so gut war, dass auch noch Leute dazu gekommen sind, die uns nicht vorher kannten und mitgemacht haben. Das Gefühl wurde von Lied zu Lied besser und entspannter. Trotzdem waren wir natürlich total nervös.

Martin: Ja, das war ja auch unser größtes Publikum bisher. Schon der Anfang war der Hammer. Bei unserer ersten Note wurden direkt neben den Boxen Konfetti-Kanonen gezündet. Das war natürlich ein tolles Bühnenbild.

Sabine: Alle waren sehr freundlich, dafür, dass wir so absolute Laien waren. Den Unterschied durch das professionelle Equipment auf der Bühne hat man auch deutlich gehört. Normalerweise hat man einen so großen Auftritt erst, wenn man lange darauf hingearbeitet hat, bei uns war das quasi von null auf hundert, da haben so ein paar Zwischenschritte gefehlt.

André: Es vergeht einfach auch kein einziger Tag mehr, an dem man nicht an das Ruhrpott Rodeo Festival denkt.

Kirchhellener Band rast von null auf hundert mit 2916 Facebook-Klicks

Oliver Grimm und Sabine Bloch singen und schreiben die Songtexte. © Alina Meyer


Lief während des Auftrites alles glatt oder hattet ihr auch mal einen Texthänger?

Thomas:
Nein, zum Glück nicht, toi, toi, toi! Da macht man sich natürlich vorher einen Riesenkopf, was man macht, wenn man den Text vergisst oder plötzlich eine Saite von der Gitarre oder das Fell vom Schlagzeug reißt und man auf der Bühne noch was reparieren muss. Da haben wir Glück, dass wir in der Punk-Szene aktiv sind. Die verzeihen viel.

Wie habt ihr euch auf den Auftritt vorbereitet?

Oliver: Wir sind vorher sozusagen als Generalprobe auf dem Bauernhof von Johannes Steinmann aufgetreten, um nochmal Bühnenluft zu schnuppern und haben danach 14 Tage lang wirklich immer die gleichen sieben Lieder gespielt, um mit der Zeit klarzukommen. Wir hatten ja 25 Minuten Spielzeit und wollten die auch gut ausnutzen. Es wäre total unangenehm gewesen, wenn wir uns verzettelt und auf den letzten Song hätten verzichten müssen. Der letzte soll ja nochmal ein Highlight werden.

Thomas: Das Schöne für uns war, dass wir Sonntag aufgetreten sind. Dann konnten wir vorher auf der kleinen Bühne abschauen, wie das bei den anderen Bands abläuft und wann der Soundcheck und gemacht wird. Das wussten wir ja alles vorher nicht.

Und wie war der letzte Song, war er ein Highlight?

Oliver: Ja, auf alle Fälle! Wir wollten etwas Besonderes vorbereiten und haben einen Song nur für das Festival geschrieben mit dem Titel „Backstage“. Dieser Song gibt wieder, dass die großen Bands, diesmal backstage bei uns, beim Bahnbrechendem Scheiss sind. Wir rennen denen seit Jahren hinterher und freuen uns, viele Konzerte von ihnen erlebt zu haben. Besonders freuen wir uns jetzt, dass sie jetzt mal bei uns zu Gast sind.

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Die Setlist der Punkband hängt im Probenraum. Mittlerweile haben die Fünf schon 15 eigene Songs geschrieben. © Alina Meyer


Worum geht es in euren Texten?

Oliver: Es geht um Liebe, Beziehungen und Frau-Mann-Verhältnisse. So in diese Richtung. Wir haben aber auch schon mal einen Song geschrieben, in dem es darum geht, was in ein paar Jahren passiert. Wo wir dann stehen und auftreten dürfen.

Was macht euch als Band besonders?

Oliver:
Das ist vor allem unser Stil und auch die Instrumente, die wir einbringen, also, dass wir auch mal zum Akkordeon greifen. Bei dem Lied Sunday Bloody Sunday haben wir zwei Lieder gemixt. Dann haben wir aus Spaß sehr früh mit Bandmerchandising angefangen und haben mittlerweile drei T-Shirt-Kollektionen rausgebracht. Aber auch nur, weil wir ein so tolles und dankbares Publikum haben, die uns dabei unterstützen.

Oliver: Also ich bin ein großer Ärzte-Fan und rede total viel. Deshalb finde ich Konzerte auch nur akzeptabel, wenn zwischen den Songs etwas passiert und mit dem Publikum kommuniziert wird. Denn sonst kann ich mir auch einfach eine CD zu Hause einwerfen. Das Reden mit dem Publikum mache ich auch bei unseren Auftritten und das werde ich auf keinen Fall abstellen. Das macht uns aus.

Thomas: Wir sind auch wirklich fünf ganz unterschiedliche Typen, quasi aus einer Schnapsidee geboren.

Was denn für eine Schnapsidee?

Thomas: Die Idee, eine Band zu gründen, kam bei einem feucht-fröhlichen Kegelabend auf. Der Olli hat gesagt, dass er letzens mal wieder Gitarre gespielt hat und mal wieder Lust hätte, mehr zu spielen. Dann haben wir ein bisschen euphorisch gesagt, ja, lass es uns doch mal versuchen. Wir spielen alle verschiedene Instrumente. Dann bin ich am nächsten Tag aufgewacht und habe gedacht, oh man, hoffentlich hat der Olli das vergessen. Aber dann hat er angerufen und gefragt, was ist denn jetzt mit der ersten Probe? Da hab ich gedacht, ja gut, da musst du jetzt durch und habe eingestaubtes Schlagzeug aus dem Keller geholt. Irgendwie hat es dann sogar geklappt und wir haben ziemlich schnell etwas Hörbares produziert. Seitdem leben wir den Traum.

Was genau ist euer Musikstil? Reiner Punk?

Oliver: Das ist schwer zu sagen. Wir machen nicht nur Punk, wir bringen auch viele andere Instrumente ein, die nicht typisch dafür sind, zum Beispiel Mandoline, Ukulele, Akkordeon, Mundharmonika und die Nasenflöte.

Thomas: Lustig war, dass ein Zuschauer nach unserem Auftritt zu mir kam und gefragt hat, was für Musik wir eigentlichen machen. Punkrock sei es ja nicht unbedingt. Und ich muss sagen, das ist es auch nicht. Es ist mehr so eine Singer-Songwriter-Punk-Folk-Geschichte.

Wie ist euer Publikum so drauf?

Thomas: Das ist total bunt gemischt von 16 bis 60 Jahren oder auch noch älter. Da sind Leute dabei, die Musik lieben und selbst Musik machen und dann sind da auch viele Leute dabei, die einfach glücklich sind, mal gut animierende Livemusik zu hören und nicht immer nur den DJ auf der Party.

Was habt ihr mitgenommen von dem Auftritt?

Oliver: Euphorie und jede Menge Erleichterung.

Thomas: Es gibt natürlich immer noch etwas zu verbessern, aber es war einfach toll zu sehen, dass so viele Leute da waren und auch getanzt haben und einfach Spaß hatten an dem, was wir gemacht haben.

Sabine: Ja und natürlich Selbstbewusstsein. Wir haben einen Super-Auftritt hingelegt und uns auf einer so großen Bühne bewährt.

Andre: Ein Fakt ist ja, dass wir durch das Festival einfach auch viel Rückenwind bekommen haben und jetzt total motiviert sind. Wir wollen uns jetzt mehr unter fremdes Publikum trauen und haben auch gemerkt, dass wir viel lieber eigene Sachen machen und nicht mehr covern wollen. Wir wollen uns einfach mal trauen was Anderes zu machen, außerhalb von Kirchhellen.

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André Wilms singt und spielt E-Gitarre. © Alina Meyer

Was ist euer nächstes größtes Ziel?

Oliver: Wir würden gerne bei der Kneipennacht auftreten. Das Format gibt es mittlerweile in Bottrop und auch in Gladbeck. Da wird dann in mehreren Kneipen Livemusik angeboten und die Bands spielen einen halben Abend ihre Songs in drei Sets immer mal wieder durch. Das funktioniert, weil die Leute rotieren.

Thomas: Ja und eine professionell aufgenommene CD wäre natürlich cool. Darauf arbeiten wir hin, aber da haben wir noch einen langen Weg vor uns, weil wir ja auch keine Einnahmen haben. Wir rechnen nach dem Auftritten eigentlich immer mit der Schwarzen Null. Und so ein Tag im Tonstudio geht einfach ordentlich ins Geld.

Wie seid ihr denn auf den Bandnamen „Bahnbrechender Scheiss“ gekommen?

Oliver: Das war Thomas‘ Idee.

Thomas: Ja, den Begriff hatte ich immer im Kopf und ihr habt euch ja nicht beschwert, als ich den vorgeschlagen habe (lacht). Also das Gute an dem Namen ist, dass man nach dem Auftritt immer argumentieren kann: entweder war es bahnbrechend oder es war Scheiß. Das ist einfach ein toller Gegensatz in dem Wortspiel und der Name bleibt im Kopf.

Wie viele eigene Songs hat ihr bisher geschrieben?

Oliver: 15 bis 17 Lieder sind es mittlerweile.

Und warum gibt es dann erst zwei YouTube-Video von euch?

Thomas: Ja, weil wir da nicht so bahnbrechend sind (lacht). Wir haben aber jetzt durch das Ruhrpott Rodeo einige Videos im petto, weil unser ganzer Auftritt gefilmt wurde: Daraus wollen wir jetzt ein Paket schnüren und ein paar Videos veröffentlichen.

Oliver: Uns fehlt es einfach noch ein bisschen an gutem klanglichen Material. Wir haben jetzt den Ehrgeiz, dass wir gute Videos produzieren wollen und keine verwackelten Sequenzen. Deshalb lassen wir uns da lieber etwas mehr Zeit und präsentieren dann was richtig Bahnbrechendes für unsere Fans.

Sehen und hören könnt ihr die Band bei ihrem nächsten Auftritt am 22. Dezember im Brauhaus Kirchhellen. Weitere Infos zu der Band „Bahnbrechender Scheiss“ gibt es auf ihrer Website oder bei Facebook.
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