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Hamburger SV glaubt wieder an das Fußball-Wunder

Hamburg. Geht da doch noch was? Nach dem Sieg über den SC Freiburg herrscht beim Hamburger SV im Abstiegskampf wieder Zuversicht. Torschütze Lewis Holtby geht als emotionaler Leader voran. Freiburgs Trainer Christian Streich hadert mit den Ungerechtigkeiten der Fußball-Welt.

Hamburger SV glaubt wieder an das Fußball-Wunder

Lewis Holtby führte den Hamburger SV zum Sieg gegen Freiburg. Foto: Christian Charisius

Der Emotions-Leader des Hamburger SV schickte im Überlebenskampf der Fußball-Bundesliga eine deutliche Ansage an die Konkurrenz. „Ich möchte nicht in der Haut der anderen stecken“, sagte Lewis Holtby noch völlig aufgeputscht von seinem Siegtor zum 1:0 (0:0) gegen den SC Freiburg.

„Psychologisch gesehen wäre ich jetzt nicht gerne der Gejagte, sondern ich bin lieber der Jäger“, meinte Holtby. Noch immer hat der Tabellen-17. fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Aber zumindest psychologisch hat sich spätestens an diesem Wochenende etwas zugunsten der Hamburger verschoben: Der HSV ist im Aufwind, Trainer Christian Titz hat der Mannschaft eine Spielidee und eine neue Mentalität gegeben.

Mit dem SC Freiburg und dem nächsten Gegner VfL Wolfsburg hat der HSV dagegen gleich zwei Konkurrenten wieder in Reichweite, die aktuell einen desolaten Eindruck hinterlassen. Ebenfalls nur noch fünf Punkte entfernt ist Mainz 05 nach dem 0:2 am Sonntag beim FC Augsburg. Kaum noch Chancen auf den Klassenverbleib hat nur der der 1. FC Köln. Den Rheinländern gelang zwar ein achtbares 2:2 (1:2) gegen Champions-League-Kandidat FC Schalke 04, doch der Rückstand auf Freiburg, Wolfsburg und Mainz beträgt acht Punkte.

Für den HSV kommt es wie schon in der vergangenen Saison am nächsten Samstag zu einer Art Abstiegskampf-Endspiel zwischen den „Wölfen“ und dem Bundesliga-Dino. Im Vorjahr behielt der HSV die Oberhand und schickte Wolfsburg in die Relegation. „Wir müssen die Spiele mit dem absoluten Überlebensfight annehmen“, sagte Holtby.

Auch diese Aussage zeigt: Der Glaube an das Wunder Klassenverbleib ist beim HSV zurück. Plötzlich erscheinen nach dem zweiten Heimsieg nacheinander alle Abgesänge auf den Traditionsclub verfrüht. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir waren abgeschlagen, dann ist es nicht leicht, sich Woche für Woche ranzukämpfen“, meinte Trainer Titz. „Wir können jetzt in Wolfsburg wieder in Schlagdistanz kommen, darauf müssen wir uns konzentrieren.“ Allerdings: Der letzte Auswärtssieg des HSV war am zweiten Spieltag in Köln.

Titz hat für eine Aufbruchstimmung in Hamburg gesorgt. In fünf Spielen holte der 47-Jährige zwei Siege und ein Remis. Abgeschriebene Spieler wie Holtby oder Torwart Julian Pollersbeck sind Leistungsträger, neue Gesichter wie Matti Steinmann und Dribbelfloh Tatsuya Ito bereichern das Team. „Es liegt an uns. Wir haben schon im vergangenen Jahr gezeigt, dass wir das Unmögliche möglich machen können. Das wollen wir jetzt wieder schaffen“, sagte Kapitän Gotoku Sakai. „Jedes Spiel ist eine K.o.-Runde.“

Mut macht dem HSV ein Blick in das Bundesliga-Geschichtsbuch, Kapitel Aufholjagden: 2011 lag Borussia Mönchengladbach sechs Spieltage vor Saisonende fünf Punkte hinter dem Relegationsrang. Mit 13 Punkten aus sechs Spielen unter Trainer Lucien Favre ging es für die Gladbacher noch in die Relegation, in der sie sich gegen den VfL Bochum durchsetzten.

1994 - damals noch mit der Zwei-Punkte-Regel und ohne Relegation - gelang Freiburg mit Trainer Volker Finke durch drei Siege an den letzten drei Spieltagen noch der Sprung auf den 15. Tabellenplatz. 1. FC Nürnberg musste in die 2. Bundesliga. Wie auch 1999, als sich Eintracht Frankfurt unter Trainer Jörg Berger im wohl dramatischsten Abstiegsfinale mit vier Siegen in Serie und dem legendären 5:1 gegen Kaiserslautern am letzten Spieltag noch rettete.

In der Gegenwart ist der Relegationsrang für den HSV zumindest wieder in Sichtweite, und auch der direkte Klassenverbleib ist noch möglich. Die Freiburger stehen mit 30 Zählern auf dem wichtigen 16. Tabellenplatz, davor sind die punktgleichen Wolfsburger. Die Freiburger sind nach der fünften Niederlage in Serie angeknockt, die Wolfsburger präsentierten sich beim 0:3 in Gladbach desolat.

Dass das HSV-Spiel derzeit auch keine Offenbarung ist, war auch gegen den SCF zu sehen. Erst nach der Pause zeigten die Hamburger den Willen zum Wunder und belohnten sich mit dem Treffer von Holtby (54.) - seinem dritten im fünften Spiel unter Titz. In der ersten Halbzeit konnten sie sich indes bei ihrem Torwart Pollersbeck bedanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten.

Während in Hamburg die Zuversicht wächst, haderte Christian Streich wieder mal mit der Ungerechtigkeit der Fußball-Welt. Die Gelb-Rote Karte für Nils Petersen gegen Schalke, der Videobeweis-Elfmeter gegen Mainz, nun die Gelb-Rote Karte gegen Abwehrchef Caglar Söyüncü und das Nicht-Gelb-Rot für HSV-Spieler Matti Steinmann nach einem robusten Foul an Mike Frantz - alles Belege für den Freiburger Coach, dass sich die Fußball-Welt gegen den SCF verschworen hat. „Ich versuche, mich daran zu gewöhnen“, sagte er und wirkte resigniert.

Dabei ist der Trend derzeit sein größter Gegner. Seit acht Spielen ist Freiburg ohne Sieg, fünf Niederlagen am Stück, davon vier Mal in Serie ohne eigenes Tor. Für die Freiburger spricht ihr Restprogramm mit zwei Heimspielen gegen den Tabellenletzten Köln und Augsburg, außerdem auswärts in Mönchengladbach. „Wenn wir unsere Heimspiele gewinnen, bin ich zuversichtlich, direkt in der Liga zu bleiben“, sagte Mike Frantz. Die Frage in der derzeitigen Verfassung: wie?

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