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Viel Unruhe bei emotionaler Diskussion im Stadtrat

70 Zuschauer bei Sondersitzung zur Geburtshilfe

Rund 70 Bürger haben am Mittwochabend die Sondersitzung des Stadtrats zur Schließung der Geburtshilfe im Sixtus-Krankenhaus besucht. Sie hörten eine emotionale Debatte mit einem klaren Ergebnis.

HALTERN

, 09.05.2018
Viel Unruhe bei emotionaler Diskussion im Stadtrat

Viele junge Erwachsene kamen mit Kinderwagen zur Sitzung des Stadtrates. © Kevin Kindel

Sie wollten, dass die Politiker kämpfen, man wolle nicht einfach so aufgeben, erklärten einige der Zuschauer vor der Sitzung. Viele waren mit Kinderwagen und kleinen Protestschildern ins Rathaus gekommen.

Vor genau zwei Wochen hat die Geschäftsführung des Sixtus-Hospitals angekündigt, die Geburtenstation und damit den einzigen Halterner Kreißsaal zu schließen. Schon zum 30. Juni soll das passieren, weil dann der Leitende Oberarzt Dr. Raimund Zipper in den Ruhestand geht. Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieser Nachricht hat die SPD-Fraktion im Stadtrat eine Sondersitzung zum Thema beantragt.

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Die Krankenhaus-Geschäftsführer Andreas Hauke und Dr. Andreas Weigand haben den Politikern und den vielen Zuschauern am Mittwoch in einer ausführlichen Stellungnahme die Gründe für die Schließung dargelegt, vor allem die personelle Situation.

„Wir sind das Krankenhaus mit den wenigsten Geburten in ganz Norddeutschland“, sagte Hauke. Mehrfach sei es nicht gelungen, offene Stellen zu besetzen, weil der Arbeitsplatz einfach nicht attraktiv sei. „Sie haben alle das Recht, traurig zu sein“, so der Geschäftsführer: „Das bin ich auch mit vollem Herzen. Aber es geht nicht anders.“

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Die Politiker bemängelten durchweg, dass sie aus unserer Berichterstattung von der Schließung der Abteilung erfahren haben. „Wir bedauern sehr, dass man nicht das Gespräch mit der Verwaltung und der Lokalpolitik gesucht hat“, sagte Beate Pliete (SPD), die eine Resolution verfasst hat, die der Rat verabschieden sollte. „Es geht um eine politische Willenserklärung gegen die Schließung“, so Pliete.

Die Vertreter der anderen Fraktionen äußerten zwar ebenfalls ihre große Enttäuschung über die bevorstehende Schließung, gingen die SPD aber teils ausgesprochen scharf an. Es sei „sehr schlechter Stil“, die Sondersitzung zu fordern ohne mit den anderen Parteien oder der Krankenhaus-Führung gesprochen zu haben, meinte Kai Surholt (FDP). Die SPD sei mit dieser Sitzung unüberlegt vorgeprescht.

„Dass es Ihnen nur um politisches Getöse geht, ist offensichtlich“, meinte Franz Schrief (CDU), der von „emotionaler Schaumschlägerei“ sprach. „Zu suggerieren, dieser Rat könne durch eine Resolution Einfluss auf privatwirtschaftliche Entscheidungen nehmen, erweckt in der Bevölkerung unerfüllbare Erwartungen“, so Schrief.

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Am Ende der mehr als einstündigen Sitzung, in der Bürgermeister Bodo Klimpel mehrmals um Ruhe bitten musste (wegen Zwischenrufen oder Applaus), stand dann auch die deutliche Ablehnung der Resolution, in der sich der Rat offiziell gegen die Schließung aussprechen sollte.

„Niemand in diesem Haus möchte die Schließung“, erklärte Klimpel (CDU). Auch ohne entsprechende Resolution werde er Kontakt zu den verantwortlichen Behörden, Bezirksregierung und Land Nordrhein-Westfalen, aufnehmen. Bewusst drosselte er dabei die Erwartungen der Zuhörer und stellte den Erhalt der Station keinesfalls in Aussicht.