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Trauer in Worte fassen

Haltern Als Ulla Bönig vor zwei Jahren vom neuen Beruf des Trauerredners hörte, schmiedete sie spontan Zukunftspläne.

21.06.2007

«Das könnte eine Aufgabe für mich sein, wenn ich Rentnerin werde», überlegte sich die Röntgenassistentin. Die wesentlichen Voraussetzungen vereinte sie bereits in ihrer Person. Als Kommunalpolitikerin in Lohne hatte sie sich in freier Rede und Rhetorik geübt. Die Begegnung mit Tod und Krankheit war ihr durch die Arbeit im Dülmener Krankenhaus vertraut. Viel frühe als gedacht strebt die 60-Jährige nun tatsächlich neuen beruflichen Zielen entgegen. Nach einer Umstrukturierung war ihr Arbeitsplatz wegrationalisiert worden. «Das Arbeitsamt machte mir keine Hoffnungen, dass ich mit 58 Jahren eine neue Anstellung in meinem Beruf finde», berichtet die couragierte Frau, die sich als zweite Vorsitzende des Halterner Stadtsportverbandes engagiert.

Seminar absolviert

Zielstrebig, wie es ihrem Charakter entspricht, machte Ulla Bönig das Beste aus ihrer geänderten Situation. Sie absolvierte ein Seminar zur Trauerrednerin in Dresden, das sie mit einer Abschlussprüfung erfolgreich beendete. Ginge es nach ihr, würde sie nun ihre neuen Fähigkeiten in Zusammenarbeit mit der katholischen und evangelischen Kirche einbringen. «Die Pfarrer sind durch die Zusammenlegungen der Gemeinden überlastet. Sie haben oft nicht mehr die Zeit, sich intensiv auf die Trauerrede vorzubereiten», so Ulla Bönig. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Verstorbenen aber sei die Voraussetzung für einen lebendigen Abschied, der stereotype Floskeln ausschließt. Bisher ist es in Haltern jedoch noch nicht zu einer Annäherung zwischen Trauerrednerin und Kirche gekommen, obwohl sie den Kontakt durchaus gesucht hat.

Freunde von Ulla Bönig haben übrigens gestaunt über ihre berufliche Veränderung: «Du bist doch so ein fröhlicher Mensch.» Die Trauerrednerin weiß zu kontern: «Gerade für meine neue Aufgabe muss man ein lebensbejahender Mensch sein.» Der Alltag gibt ihr Recht, denn soeben erreichte sie der Anruf einer 83-jährigen, kerngesunden Dame, die es erschüttert hatte, wie sehr ihre Enkel bei einer Beerdigung in der Verwandtschaft weinten. «Das soll bei mir einmal anders sein», wünscht sie sich und hat deshalb die Trauerrednerin für das eigene Begräbnis engagiert. Silvia Wiethoff

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