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Halterner Schulen sind weitgehend waffenfreie Zonen

Nur wenige Ausnahmen

Waffen sind in der Schule verboten. Wer trotzdem welche mitbringt, muss mit harten Strafen rechnen – da sind sich die Leiter der Halterner Schulen einig. Die Schüler halten sich daran. Bis auf einige Ausnahmen.

HALTERN

, 31.01.2018
Halterner Schulen sind weitgehend waffenfreie Zonen

Eine Schülerin zeigt während des Unterrichts einer Mitschülerin ihr Klappmesser. In Haltern kommt das überaus selten vor – die Schüler sind nach Ansicht von Gymnasiumsleiter Ulrich Wessel friedliebend. Das bestätigen auch die Leiter der übrigen Schulen. © Foto: dpa

Messer, Pistolen oder sonstige Waffen im Schulgebäude – das geht gar nicht. „Das ist ein absolutes No-Go“, sagt Frank Cremer, Leiter der Halterner Alexander-Lebenstein-Realschule. Wird ein Schüler mit einem Messer erwischt, reagieren die Pädagogen „mit klarer Linie“.

Nicht erst seit der schrecklichen Bluttat in Lünen, bei der vergangene Woche ein 14 Jahre alter Schüler bei einer Messerattacke in einer Gesamtschule ums Leben kam, fahren die Schulleiter in Haltern die Null-Toleranz-Linie. „Waffen sind in der Schule strikt verboten“, erklärt Ulrich Wessel. Der Leiter des Joseph-König-Gymnasiums hat allerdings noch keine derartigen bedrohlichen Situationen wie in Lünen, wo ein 15-Jähriger sein Opfer unvermittelt durch einen Stich in den Hals tödlich verletzte, erlebt. „Ich hoffe auch, dass ich das niemals erleben werde“, sagt Wessel. In den vergangenen vier Jahren seien insgesamt zwei Schüler mit einem Messer ertappt worden.

„Keine Gefahr“


„Es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr.“ Die Schüler hätten die Messer nicht als Waffe benutzt oder gar damit gedroht, sondern lediglich Mitschülern gezeigt. Die Waffen wurden dennoch eingezogen, die Eltern verständigt. Ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten folgte: „Eine Waffe gehört nicht in Schülerhand, das muss auch den Eltern klar sein“, meint Wessel. Der Leiter des Halterner Gymnasiums betont aber auch: „Gewalt an den Halterner Schulen ist die absolute Ausnahme.“ Die Schüler seien ausgesprochen friedliebend.

Und wird doch mal einer mit einem Messer erwischt, „will er damit meistens nur angeben“, sagt Frank Cremer. An der Halterner Realschule komme das höchstens dreimal im Jahr vor.

Nachlässigkeit oft Ursache

„Immer mal wieder Thema“ ist Waffenbesitz an der Hauptschule. Aus der jüngeren Vergangenheit fallen Schulleiterin Dagmar Perret zwei Fälle ein. „Und dann passiert lange Zeit nichts“, stellt sie fest. Die Entwicklung sei wellenförmig. Es gehe aber immer um eine gewisse Sorglosigkeit und Nachlässigkeit, wenn Schüler mit Waffen in der Schule auffallen, haben Perret und Wessel beobachtet.

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„Die Kinder haben das Messer noch bei sich, weil sie am Vortag vielleicht mit dem Vater angeln oder im Wald schnitzen waren“, berichtet die Hauptschulleiterin. „Wir appellieren trotzdem an die Eltern. Sie sind verantwortlich für das Verhalten ihrer Kinder.“ Um eine sogenannte Gefährderansprache kommen dagegen die Schüler nicht herum. Dabei signalisiert ein Polizeibeamter im Gespräch, dass polizeiliches Interesse an ihrer Person besteht, die Gefährdungslage registriert, und die Lage ernst genommen wird. Das weitere Verhalten des Schülers kann so beeinflusst werden, weiß die Polizei.

Verweis

Am Hans-Böckler-Berufskolleg indes ist es mit dieser präventiven Maßnahme nicht getan. Bernhard Spickermann, stellvertretender Schulleiter der Marler Einrichtung, die in Haltern eine Dependance betreibt, wird deutlich: „Eine Schülerin, die in Marl eine andere Schülerin mit Pfefferspray angegriffen hatte, musste die Schule verlassen.“ Spickermann betont aber: „Am Halterner Berufskolleg ist mir kein Fall von Waffenbesitz bekannt.“

„Viele junge Menschen tragen ständig ein Messer bei sich“, sagt Michael Franz. Der Sprecher der Kreispolizei Recklinghausen kennt die kreisweite Entwicklung. Es gebe viele Fälle, in denen Jugendliche andere mit einem Messer bedrohten und so Handy oder Geldbörse des Opfers erpressten. Die Polizei ermittelt im Fall der Messerattacke am Halterner Bahnhof. Dort hatte ein 18-Jähriger am Freitag einen 17-Jährigen durch einen Messerstich verletzt. Zu den näheren Umständen der Tat konnte die Polizei auch am Dienstag keine Angaben machen. Der 18-Jährige wurde gefasst.
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