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Fremder brachte den Sport

Haltern Als im Jahr 1811 Turnvater Jahn auf der Berliner Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz errichtete, war der Weg noch weit bis zur Gründung der Turnerfeuerwehr von 1882 in Haltern.

14.06.2007

Jahn wollte das Turnen zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes machen, doch blieben ihm Rückschläge aus reaktionären Kreisen der Politik nicht erspart. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts nahm das Turnen einen neuen Aufschwung. Zahlreiche Turnvereine entstanden im Ruhrgebiet, die neben den gymnastischen Leibensübungen und Geräteturnen im Sinne von Turnvater Jahn auch leichtathletische Disziplinen im Programm hatten. Haltern blieb davon unberührt.

Privilegien

In dem verschlafenen Ackerbürgerstädtchen, das vor 125 Jahren etwa 3000 Einwohner hatte, wachten die 300 am städtischen Bürgervermögen Berechtigten eifersüchtig darüber, dass kein Zugereister diese Privilegien mit Ihnen teilte.

Daher muss es erstaunen, dass es im Jahr 1882 einem Fremden gelang, in den ehrbaren Kreis von «Palbürgern» einzudringen und diesen für die Gründung eines Turnvereins zu gewinnen. Ein Jahr zuvor hatte der 25jährige Carl Josef Schregel als Mitglied des Turnvereins Bochum bei einem Volks-Wettturnen im Vierkampf der Leichtathleten (Hochsprung, Weitsprung, Steinstoßen und 100 Meter hin und zurück) einen Sieg errungen. Mit diesem Lorbeer kam Schregel ein Jahr später nach Haltern, um hier Alwine, die Schwester des ehrbaren Kaufmanns Franz Kolck zu heiraten. Seine Idee, in Haltern einen Turnverein zu gründen, wurde nicht nur von seinen Schwägern Franz und Robert positiv aufgenommen.

«Einem von vielen Seiten ausgesprochenen Wunsche, in hiesiger Stadt einen Turnverein ins Leben zu rufen, nachkommend, erlaube ich mir, zu einer Versammlung in das Local des Herrn Fritz Kolck ergebenst einzuladen.» Diesem Aufruf an 42 berechtigte Bürger folgten schließlich 15 Herren, die Carl Schregel in einer zündenden Rede am Abend des 22. Oktober 1882 dazu brachte, gegen den Widerstand konservativer Kreise einen Turnverein zu gründen. Schregel erkannte die untragbaren Verhältnisse im Halterner Feuerschutz. Dem Beispiel anderer Städte folgend, integrierte er die freiwillige Feuerwehr in den Turnverein und rief am 1. November 1882 zur Gründung einer Turnerfeuerwehr auf.

Schon drei Tage später fand in der Scheune des Gastwirts Forthmann (später Heinrich Hubbert hinter der Bahn) der erste Turnabend statt. Tische und Stühle wurden zu Turngeräten umfunktioniert. Als Beisitzer eines Holzsägewerks erbaute Carl Schregel, der schon mit 48 Jahren starb, zusammen mit seinem Kompagnon Franz Kolck auch die erste private Badeanstalt an der Lippe. In Haltern erinnert nichts an den Pionier des Sports in unserer Stadt. Rudolf Marwitz

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