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„Der Stress überträgt sich auf die Kinder“

So kann man Stress in der Familie bekämpfen

Immer mehr Arbeit, am Nachmittag müssen die Kinder in die Musikschule – vor dem Schwimmverein. Unter fehlender unverplanter Zeit kann die Familie leiden. Wie Eltern und Kinder wieder entspannter miteinander umgehen, verrät Coach Barbara Schmidt-Ontyd.

HALTERN

, 08.03.2018
„Der Stress überträgt sich auf die Kinder“

Barbara Schmidt-Ontyd gibt Eltern in ihren Kursen Tipps, wie sie ihren Familienalltag entspannen können. © Eva-Maria Spiller

Die Berge an Aufgaben auf der Arbeit stapeln sich, zu Hause warten schon die Kinder, die schnell zum Reitunterricht müssen. Im Gespräch mit Eltern fielen oft die Stichworte Zeitmangel, sogar Burnout, sagt Barbara Schmidt-Ontyd, die als freiberuflicher Coach in Haltern Personen in schwierigen Lebenssituationen begleitet. Wie sich der Stress im Familienleben reduzieren lässt, hat sie uns verraten.

Warum sollten Familien an ihrer Stressresilienz arbeiten?

„Die Stressbelastung ist in den Familien in den letzten Jahren gestiegen“, sagt Schmidt-Ontyd. „Der Stress überträgt sich auf die Kinder. Sie verstehen den Stress der Eltern nicht und denken, sie sind daran Schuld.“ Deshalb sei es wichtig, mehr Entspannung in den Familienalltag zu bringen.

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Was sind die Hauptstressoren im Alltag?

Beruflicher Stress, viele Angebote, die Eltern ihren Kindern ermöglichen wollen wie Turngruppen oder Musikunterricht, weiß Schmidt-Ontyd. Aber auch Medien wie Smartphones, die in einer kurzen Pause schnell die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Es gibt keine Zeit mehr, zur Ruhe zu kommen“, sagt Schmidt-Ontyd.

Was sind typische Stresssituationen im Familienalltag?

Beruflicher Stress, den ein Elternteil mit nach Hause bringt, aber auch tägliche Szenen wie das morgendliche Anziehen der Kinder, das wieder länger dauert als geplant. Wie kann man in diesen Situationen gelassener reagieren? „Eltern sollten lernen, ihren Stress auf der Arbeit zu lassen“, sagt Schmidt-Ontyd. Dazu könne man den Stress in eine imaginäre Schublade stecken, bevor man das Bürogebäude verlässt. Oder den Nach-Hause-Weg nutzen, um tatsächlich nach Hause zu gehen, um entspannt zu Hause anzukommen. Und nicht, um Probleme zu lösen. „Diese Gedankenschleifen halten uns im Stress“, sagt Schmidt-Ontyd. Bevor Eltern morgens mit der Erwartung in das Kinderzimmer gehen, dass das Anziehen ewig dauert, können sie sich selbst reflektieren, zur Ruhe kommen und den Stress senken.

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Welche Methoden zur Stressbewältigung kann man in den Alltag einbauen?

Wer regelmäßig Stress erlebt, kann Autogenes Training, Achtsamkeitstraining oder Progressive Muskelentspannung nutzen, um wieder zu entstressen. „Es ist gut, eine Methode zu haben, um zu wissen, wie ich meinen aufgeregten Körper wieder runterfahre“, sagt Schmidt-Ontyd. Bei Stress spielten sich innerhalb von sechs Sekunden 1800 verschiedene Körperreaktionen ab. „Durch die Übungen signalisieren wir dem Körper, dass er in Sicherheit ist.“ Auch Bewegung, Laufen, gemeinsames Lachen und eine persönliche Auszeit können helfen, den Stress zu senken, sagt Schmidt-Ontyd. „Man denkt heute selten an das Entstressen, weil Stresssituation auf Stresssituation folgt.“

Was brauchen Kinder von ihren Eltern?

„Manchmal brauchen Kinder die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern“, sagt Schmidt-Ontyd. Dafür böten sich Gute-Nacht-Rituale an, bei denen die Kinder den Eltern erzählen, was ihnen an diesem Tag Gutes geschehen ist oder wofür sie dankbar sind. „Man beschäftigt sich immer nur mit dem, was nicht geklappt hat“, sagt Schmidt-Ontyd. Durch die Übungen könne das Selbstvertrauen der Kinder langfristig gestärkt werden.

Eltern sollten ihren Kindern ruhig mehr zutrauen, wenn es darum geht, Probleme allein zu lösen. „Wenn sie merken, dass sie etwas aus eigener Kraft schaffen, steigert das ihr Selbstwertgefühl“, sagt Schmidt-Ontyd.

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