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Gefängnis für dreiste Betrugs-Masche

Gericht

Drei Jahre und vier Monate Haft: Im Steuerbetrugs-Prozess gegen einen Autohändler aus Süd (RZ berichtete) hat das Landgericht Bochum jetzt das Urteil gesprochen. Trotz der drastischen Bestrafung wirkte der 27-jährige Angeklagte bei der Verkündung so, als sei er durchaus zufrieden.

RECKLINGHAUSEN

24.05.2011
Gefängnis für dreiste Betrugs-Masche

Mit dem Urteil blieben die Richter der 6. Strafkammer unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für den geständigen Recklinghäuser drei Jahre und zehn Monate Haft gefordert hatte. Richter Volker Talarowski sprach in der Begründung von einer „Strafe mit Chance“ und gab dem 27-Jährigen einen Rat: „Setzen Sie in Zukunft nicht mehr nur auf den schnellen, sondern auf einen sicheren Euro. Denn der lässt Sie in Freiheit“. Der 27-Jährige war Anfang Mai nach sechs Monaten aus der U-Haft und bis zum Strafantritt auf freien Fuß entlassen worden. Die Strafe wird der Recklinghäuser voraussichtlich im offenen Vollzug absitzen können. Der 27-Jährige müsste dann „nur“ die Nächte in der Zelle verbringen. Im Prozess ging es um ein Autofirmen-Karussell der betrügerischen Extraklasse: Zwischen Mai 2008 und Oktober 2010 hatte der 27-Jährige unter dem Deckmantel von Scheinfirmen millionenschwere Pkw-Deals abgewickelt. Er gaukelte deutschen Händlern vor, dass er Neufahrzeuge ins EU-Ausland exportieren möchte. So „sparte“ der 27-Jährige beim Kauf die Umsatzsteuer. Zur Abholung der Pkw schickte er mit gefälschten Vollmachten ausgestattete Strohmänner, die die Autos sofort auf ein Verkaufsgelände nach Herne oder Bochum überführten. Von dort aus wurden die angeblichen Export-Pkw im Eiltempo weiterverkauft. Durch ersparte Steuern entstand laut Urteil ein Schaden von 820 000 Euro. Die Richter würdigten besonders das Geständnis des Angeklagten. „Es war eine sehr vernünftige Entscheidung, sofort die Hosen runter zu lassen“, sagte Richter Talarowski. Im Juni muss sich wegen deckungsgleicher Vorwürfe auch der vielfach vorbestrafte Bruder des Recklinghäusers verantworten. Der 35-Jährige gilt als „Erfinder“ der Betrugsmasche.

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