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Gaz Coombes: Seriöser Reifeprozess nach Supergrass

Berlin. Da wird einer erwachsen: Mit dem dritten Soloalbum setzt Gaz Coombes seinen Reifeprozess fort. Nach den Jahren als Frontmann der quirligen Punkpop-Band Supergrass wird das Stilspektrum immer breiter.

Gaz Coombes: Seriöser Reifeprozess nach Supergrass

Ganz relaxt: Gaz Coombes. Foto: Steve Keros

Ach ja, Supergrass... Eine tolle Truppe damals, mit infektiösen Melodien zwischen Sixties-Pop, Alternative-Rock und rotzigem Punk, nicht zuletzt mit drei witzig-schrägen Bandmitgliedern. Eines davon hieß Gaz Coombes.

Der Sänger des Erfolgs-Trios aus Oxford (mehrere frühe Alben erreichten in den 90er Jahren auf der Insel Platin-Status) war nicht nur ein erstklassiger Studio- und Live-Performer, er nannte auch die schärfsten Koteletten im Pop-Business sein Eigen. Als der jugendliche Appeal von Supergrass mit den drei Alben der Nuller-Jahre nachließ, löste Coombes die Band 2010 auf. Er begann eine Solokarriere, die jetzt mit „World's Strongest Man“ (Hot Fruit/Caroline International) eine (fast schon zu) seriöse Fortsetzung findet.

Die Vorgänger „Here Come The Bombs“ (2012) und das für den Mercury-Prize nominierte „Matador“ (2015) hatten bereits bewiesen, dass er es mit dem Reifeprozess nach 17 Supergrass-Jahren ernst meint. Auf dem Cover und im Booklet zum neuen Album posiert der inzwischen 42-Jährige Coombes nun in Denker-Pose, im weißen Anzug mit Hut, leicht dekadent an einem Swimmingpool in Ozean-Nähe herumhängend. Immerhin: Die dicken Koteletten sind noch dran.

Musikalisch ist „World's Strongest Man“ das wohl ambitionierteste Werk des Engländers geworden - eine Ballade wie „Slow Motion Life“, das soulige „Wounded Egos“ oder der komplexe Midtempo-Song „The Oaks“ zeugen davon. Es wird also viel Abwechslung geboten: Krautrock-Rhythmik wie bei Neu! oder Can, dezente Prog- und Noise-Elemente, Soundexperimente („Weird Dreams“), eine wunderbar transparente Breitwandproduktion - und ein Gesang, der Vorbilder wie David Bowie, John Lennon, Prince oder Beck nicht leugnet.

Diese bunte Mixtur könnte etwas beliebig oder gar richtungslos erscheinen, wird aber stets durch die sympathische Persönlichkeit des Sängers zusammengehalten. Auch wenn unwiderstehliche Hits wie vor 20 Jahren erneut fehlen - der Gesamteindruck ist positiv: Gaz Coombes entwickelt sich mit dem Eintritt ins Rock-Mittelalter zu einer möglicherweise prägenden Figur des Britpop, nachdem er in der Supergrass-Ära zumindest eine der originellsten war.

Die britischen Fans belohnten diesen Mut schonmal mit der bisher besten Charts-Platzierung für den Solo-Künstler Coombes - Rang 12. Nicht schlecht für ein Album, das den Pop-Mainstream hörbar meidet.

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