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Frühjahrsblüten mitten im Winter: Pflanzen richtig vortreiben

Hamburg (dpa/gms) - Theoretisch ist es einfach: ausreichend Wärme, genug Wasser, und schon geht es los mit den Frühjahrsblüten mitten im Winter. Aber oft sieht die Praxis anders aus: Die Blüten bleiben stecken, Knospen öffnen sich nicht oder entstehen erst gar nicht.

Wer vor der Zeit farbige Pracht haben will, muss den «Winter simulieren» und zur richtigen Zeit für Dunkelheit sorgen. Alt ist der Wunsch der Menschen, Blüten sozusagen herzuzaubern: Schon vor Jahrhunderten entdeckten Gärtner, dass Misthaufen auch im Winter dampfen und nutzten die Wärme zum Vortreiben. 1684 schrieb Johann Sigismund Elßholtz, Hofgärtner des brandenburgischen Markgrafen Friedrich Wilhelm: «Mertz-Violen, Neglein (Nelken) und dergleichen kann man frühzeitiger erlangen, wenn man sie im Herbst in Erdreich, mit Trest von Weinbeern oder Pferdemist vermenget, einpflanzt und das Kraut kurz abschneidet.»

Allerdings fehlte noch die Erkenntnis, dass Mist nicht mit Erde vermischt werden darf: Er muss unter ihr wirken. Als sich die Kunst, Mistbeete zu packen, dann aber herumgesprochen hatte, bestimmten die flachen Mistbeetkästen Jahrhunderte lang das Bild der Gärtnereien. Pferdemist war besonders gefragt: Er liefert gleichmäßige Wärme.

Wer heute damit seinen Frühbeetkasten erwärmen will, hebt die Erde zunächst tief genug aus. Dann wird eine Lage Mist aufgebracht und festgetreten. Mit Stroh abgedeckt, erhitzt er sich in wenigen Tagen. Ist die erste Hitze vorüber, wird Erde aufgebracht. Herrscht nach ein paar Tagen milde Wärme im Boden, wird gepflanzt.

Einfacher ist es aber, auf eine elektrische Gewächshausbeheizung zurückzugreifen. Vor allem Heizmatten unter Töpfen liefern gute Wärme. Für Minigewächshäuser auf der Fensterbank eignen sich Heizschlangen, die auch Terrarien erhitzen. Und geht es nur um ein paar Pflanzen in Töpfen und Schalen, reicht die Fensterbank im warmen Zimmer. Hier blühen Jahr für Jahr viele Tulpen oder Narzissen vor der Zeit.

Wer dabei jedoch mit ein paar von den Gartenzwiebeln abgezweigten Exemplaren sein Glück versucht, wird meist enttäuscht. Diese Zwiebeln haben keinen Winter erlebt. Daher entwickeln sie nur ein paar Blätter, die Blüte bleibt stecken. Nur die vorgekühlten - präparierten - Zwiebeln entschließen sich zu frühem Flor.

Aber auch mit ihnen kann es Probleme geben. Daher heißt es: eintopfen, feucht halten und fünf bis sechs Wochen kühl und dunkel stellen! Während dieser Zeit rüsten sich die Zwiebeln unterirdisch für die warmen Tage. An Hyazinthenzwiebeln, mit Papierhüten verdunkelt auf Gläser gesetzt, lässt sich das beobachten: Immer mehr Wurzelfäden wachsen ins Wasser, während die Triebspitze sich kaum regt. Sind genügend Wurzeln gebildet, dürfen die Töpfe ins Warme.

Neben Zwiebeln lassen sich auch Frühjahrsblüher wie Maiglöckchen, Akelei oder Veilchen vortreiben. Sogar bei Kübelgehölzen wie Flieder oder Schneeball funktioniert es. Sie alle brauchen aber ebenfalls eine kühle Phase. Vier bis sechs Wochen um oder knapp unter dem Gefrierpunkt signalisieren Winter und lösen den Blühimpuls aus.

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