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Freiwillige Umrüstungen sollen vor Lkw-Unfällen schützen

Mitte Juni: ein Achtjähriger wird auf dem Schulweg an einer Kreuzung in Berlin von einem Lkw überrollt und getötet. Unfälle wie dieser könnten verhindert werden, mit technischen Hilfssystemen. Bis es aber zu einem verpflichtenden Einbau kommt, kann es dauern.

Berlin

10.07.2018

Immer wieder kommen Radfahrer oder Fußgänger ums Leben, weil Lkw-Fahrer sie beim Abbiegen übersehen. Abhilfe schaffen können elektronische Abbiege-Assistenten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will nun den Einbau dieser technischen Systeme bei Lastwagen in Deutschland beschleunigen - dies geschieht aber zunächst auf freiwilliger Basis der Speditionen und Logistikunternehmen.

„Es tut sich etwas, aber jetzt müssen wir ordentlich anschieben“, sagte Scheuer in Berlin nach einem Treffen mit Vertretern der Autoindustrie, Logistik, Prüforganisationen, Autofahrer- und Fahrradfahrerclubs. Im Zuge einer „Aktion Abbiege-Assistent“ haben sich bereits mehrere Firmen verpflichtet, vor einem verbindlichen Einführungsdatum auf EU-Ebene ihren Fuhrpark mit technischen Systemen auszurüsten - darunter Edeka, Aldi und DB Schenker.

Der Minister kündigte an, er wolle sich für den Haushalt 2019 für einen neuen Fördertopf für Nach- und Umrüstungen von Lkw mit elektronischen Abbiegeassistenten einsetzen. Angaben zum möglichen Fördervolumen machte Scheuer aber nicht.

Union und SPD haben auch im Koalitionsvertrag vereinbart, diese Technik für neue Lastwagen und Busse zur Pflicht zu machen. Dies ist aber auf EU-Ebene zu regeln. Scheuer gehen die Verhandlungen dort nicht schnell genug. Die EU will eine Pflicht für neue Lkw ab 2022 erlassen. Scheuer will sich dafür einsetzen, dass dies bereits ab 2019 der Fall ist.

Auf nationaler Ebene geht es zunächst um einen freiwilligen Einbau der Abiegeassistenten. Scheuer sagte, die Systeme kosteten zwischen 800 und 1300 Euro pro Lastwagen, dies sei leistbar. „An der Sicherheit soll man nicht sparen.“ Das Ministerium werde über eine zuständige Bundesanstalt Leitlinien entwickeln, damit die Systeme von der technischen Qualität her vergleichbar seien.

Nach Angaben des Auto-Branchenverbands VDA sind erste Abbiegeassistenzsysteme für bestimmte deutsche Fahrzeuge verfügbar. Neben solchen Systemen gebe es als „Übergangslösung“ sogenannte Kameramonitor-Systeme. Diese könnten dem Fahrer helfen, andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen, die in den Spiegeln nicht ausreichend wahrnehmbar sind. Daimler wies darauf hin, dass bereits in rund jedem dritten neuen Modell der Lkw-Typen Actros und Antos, der in Deutschland gekauft wird, ein Abbiege-Assistent verbaut sei. Dieser warne den Fahrer bei möglichen Kollisionen frühzeitig.

Der ADAC erklärte, die Hersteller seien gefordert, praxistaugliche und zuverlässige Assistenz-Systeme sowohl für Neu- als auch Bestandsfahrzeuge zu entwickeln und anzubieten: „Assistenten, die bei Gefahr automatisch bremsen, wären eine noch bessere Lösung als Systeme mit nur akustischem Signal.“

Wenn meist erhöht sitzende Lkw-Fahrer Radler oder Fußgänger im toten Winkel übersehen, die sich neben ihrem Fahrzeug befinden, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Abbiege-Assistenten können Warnsignale aussenden oder automatisch bremsen. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) starben allein in diesem Jahr bundesweit mindestens 23 Radfahrer durch abbiegende Lkw. Der Verband zählt dazu sowohl Unfälle mit Sattelschleppern als auch mit kleineren Lastern.

Besondere Betroffenheit lösen Unfälle aus, bei denen Kinder sterben. Mitte Juni wurde ein achtjähriger Junge auf dem Schulweg an einer Kreuzung in Berlin von einem Lastwagen überrollt und getötet. Rund zwei Wochen zuvor kam in Köln ein Siebenjähriger ums Leben, nachdem ihn ein Müllwagen erfasst hatte. Es sei „höchste Zeit“, dass Scheuer das Thema Radverkehrssicherheit und den Abbiegeassistenten jetzt zur Chefsache mache, sagte eine ADFC-Sprecherin. Für mehr Radverkehrssicherheit sei aber auch eine viel bessere Fahrradinfrastruktur notwendig.

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