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Frauen und Karriere: Der Weg nach oben bleibt steinig

München/Hamburg (dpa/gms) - Vielleicht gilt die Regel «Eine Frau muss doppelt so gut sein wie ein Mann, um halb so weit zu kommen» heute nicht mehr so krass. Für Frauen gibt es aber immer noch eigene Karriere-Spielregeln.

Leichter als Männer haben sie es nur selten. Dagegen verdienen sie meist weniger. Unter den Top-Verdienern im Kreis der DAX-Vorstände sind Männer komplett unter sich. Im gesamten deutschen Management sind Frauen selten, im Top-Management liegt ihr Anteil im einstelligen Prozentbereich.

«Es hat sich aber schon irrsinnig viel bewegt in den vergangenen Jahren», sagt Sonja Müller aus Berlin, Mitgründerin von Victress, einer Initiative, die sich unter dem Motto «Qualität kennt kein Geschlecht» für einen höheren Anteil von Frauen in Führungspositionen engagiert. «Ich habe bis Ende der Neunziger lange als Marketingleiterin im Ausland gearbeitet. Damals gab es bei den deutschen Unternehmen noch eine sehr merkwürdige Einstellung», erzählt sie: «Da dominierte die Überzeugung, Karriere und Kinder schließen sich weitgehend aus, und Mütter sind für Spitzenpositionen nicht geeignet.»

Das sei inzwischen nicht mehr so: «Die Unternehmen sehen das heute mehr als Kampf um den Talent Pool. Sie wissen, dass sie nicht auf die Hälfte davon verzichten können.» Auch Cornelia Topf ist optimistisch: «Frauen lassen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen», sagt die Trainerin und Autorin aus Augsburg, die sich seit vielen Jahren mit Karriereförderung für Frauen beschäftigt.

Gelöst ist das Problem aber nicht: «Besonders bei den jüngeren Frauen ist der Wunsch groß, Karriere und Familie zu vereinbaren», sagt die Managementberaterin Barbara Schneider aus Hamburg, die über Karrierebarrieren für weibliche Führungskräfte promoviert hat. «Anders als Frauen der Generation vor ihnen wollen sie nicht auf Kinder verzichten. Da müssen sich die Unternehmen noch etwas einfallen lassen.»

Warum Frauen auf dem Weg nach oben häufig stecken bleiben, hat viele Gründe: «Einerseits werden Männer von Männern gefördert», sagt Schneider. Beruflicher Erfolg hat für Männer und Frauen allerdings auch unterschiedliche Bedeutung, sagt Prof. Heinz Schuler von der Universität Stuttgart-Hohenheim: «Männliche Attraktivität hängt von ihrem Status ab, die von Frauen nicht. Männer sind deshalb motivierter, Karriere zu machen.»

Viele Unternehmen wollten karriereorientierte Frauen, sagt Heiner Thorborg, Personalberater aus Frankfurt/Main: «Etliche haben die Türen längst weit geöffnet. Wir sind auch überreif dafür.» Bei den Berufseinsteigern liege die Frauenquote bei 50 Prozent. «Das Problem ist, dass viele irgendwann aussteigen.» Und das hat nach Thorborgs Erfahrung nicht nur mit Männern zu tun, die ihre Karriere blockieren: «Frauen sind oft nicht hart genug trainiert worden, sich gegen Widerstände durchzusetzen.»

Männer profitieren außerdem davon, dass es ihnen eher schwerfällt einzuräumen, auf einen Job keine Lust mehr zu haben, sagt Christine Öttl, Karriereberaterin aus München: «Frauen sind da oft ehrlicher zu sich selbst - und ziehen einen Schlussstrich unter die Karriere.»

Literatur: Barbara Bierach, Heiner Thorborg: Oben ohne - Warum es keine Frauen in unseren Chefetagen gibt, Econ, ISBN-13: 978-3-430-30002-5, 18 Euro; Cornelia Topf: Durchsetzungsfähigkeit für freche Frauen, Redline, ISBN-13: 978-3-636-01356-9, 17,90 Euro.

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