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Frau von mutmaßlichem Kindermörder bezichtigt sich selbst

Erst widerruft der mutmaßliche Mörder im Gerichtssaal in Düsseldorf sein Geständnis, dann legt seine Frau ein Teilgeständnis ab. Doch der Richter zeigt sich unbeeindruckt.

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Neuss

, 04.07.2018
Frau von mutmaßlichem Kindermörder bezichtigt sich selbst

Ein Richterhammer auf einer Richterbank. Foto: Uli Deck/Archiv

Überraschung im Düsseldorfer Prozess um einen Kindermord: Die 40-jährige Ehefrau des Angeklagten hat sich am Mittwoch im Gerichtssaal selbst bezichtigt. Sie habe ihren elfjährigen Neffen geschlagen, weil der sich nicht duschen wollte. Ihr Mann sei unschuldig und habe damit nichts zu tun. „Das war ein Unfall, ich wollte nicht, dass das so endet.“

Sie habe ihrem Neffen eine Ohrfeige gegeben, der sei dann mit dem Kopf gegen eine Stange oder die Fliesen im Badezimmer geschlagen. Ihr Mann habe davon gar nichts mitbekommen. Für ältere Verletzungen des Jungen sei sie aber nicht verantwortlich, sagte die Frau. Zuvor hatte sie ihren Mann, einen als Gewalttäter vorbestraften 41-jährigen Deutschen, in Polizeivernehmungen beschuldigt, den Jungen misshandelt zu haben.

Der mutmaßliche Kindermörder hatte im Prozess sein Geständnis widerrufen und seine Ehefrau beschuldigt. Die Anklage wirft dem Onkel des Elfjährigen vor, den Jungen im Badezimmer schwer misshandelt und in lebensbedrohlichem Zustand zurückgelassen zu haben. Erst als er ihn für tot hielt, habe er den Notruf gewählt. Am Körper des Kindes waren neben blauen Flecken auch Verbrühungen entdeckt worden.

Der Vorsitzende Richter Markus Immel ließ am Mittwoch erhebliche Zweifel am Teilgeständnis der Frau erkennen. Wieso sich ihr Gewissen erst jetzt rege, nachdem ihr Mann monatelang unter Mordverdacht im Gefängnis sitze, fragte er. Im Gefängnis habe sie ihn bei ihrem letzten Besuch in desolatem Zustand erlebt, sagte die Frau: „Ich kenne ihn so gar nicht.“

Im Verlauf der Vernehmung räumte die Frau dann ein, in einer ganzen Reihe von Punkten bislang die Unwahrheit gesagt zu haben: Dass sie mit dem Jungen zum Arzt gegangen sei, stimme nicht. Sie sei nie mit ihm beim Arzt gewesen.

Bekannte hatten berichtet, der Junge habe vor der Tat „wie ein Preisboxer“ ausgesehen, sei zusammen gezuckt, wenn der Angeklagte lauter gesprochen habe. Am Körper des Kindes waren zahlreiche ältere Verletzungen festgestellt worden. Die habe sie nie gesehen, weil er seinen Körper immer vor ihr versteckt und sich nicht ausgezogen habe, sagte die 40-Jährige. „Wir haben ihn behandelt wie ein eigenes Kind.“

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