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Fall Sophia: Ermittler erwarten keine rasche Identifizierung

Eine in Deutschland vermisste Studentin, eine in Spanien gefundene Leiche - viel spricht dafür, dass es sich bei der Toten um Sophia L. handelt, die von Leipzig nach Bayern trampen wollte.

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Bayreuth

, 23.06.2018
Fall Sophia: Ermittler erwarten keine rasche Identifizierung

LKW parken auf einem Autohof in Schkeuditz-West. Hier wurde Sophia L. zuletzt gesehen. Foto: Hendrik Schmidt

Im Fall der seit mehr als einer Woche vermissten Tramperin Sophia L. rechnen die Ermittler nicht mit einer raschen Identifizierung der in Spanien gefundenen Leiche.

Gegenwärtig werde in Deutschland noch ein DNA-Profil der aus Amberg stammenden Studentin erstellt, das dann zum Abgleich an die spanischen Behörden übermittelt werde, sagte ein Polizei-Sprecher in Bayreuth der Deutschen Presse-Agentur. Wann die Identität der im Baskenland gefundenen Leiche feststehe, lasse sich derzeit schwer abschätzen, aber: „Wir rechnen nicht mit einer Identifizierung am Wochenende.“

Die aus der Oberpfalz stammende Studentin Sophia L. war als Anhalterin auf dem Weg von Leipzig nach Bayern unterwegs, wo sie jedoch nie ankam. Am Freitagnachmittag teilten die Behörden überraschend mit, dass es Hinweise auf einen möglichen Tatort in Oberfranken gebe.

Nach der Festnahme eines tatverdächtigen Lastwagenfahrers in Spanien am Dienstag wurden demzufolge auch die GPS-Daten seines ausgebrannten Lastwagens ausgewertet. Aufgrund dieser Erkenntnisse könne davon ausgegangen werden, dass die Frau in Oberfranken getötet wurde, hatten die Ermittler mitgeteilt. Wo genau, blieb zunächst offen.

Laut „Mittelbayerischer Zeitung“ verdichten sich Hinweise, dass Sophia auf dem Autobahnparkplatz Sperbes an der A9 getötet wurde. So habe der Lastwagenfahrer dort drei Stunden Pause gemacht - genug Zeit, um das Verbrechen zu begehen. Danach hätte der Lastwagenfahrer die Leiche durch halb Europa gefahren, bevor er sie womöglich im Baskenland ablegte. Wie die Zeitung weiter schreibt, hatte Sophia auf der Fahrt anfangs noch SMS-Kontakt zu ihren Angehörigen - anderthalb Stunden nachdem sie in den Lastwagen eingestiegen war.

Nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft in Bayreuth federführend die Ermittlungen übernommen haben, arbeiten dort 15 Personen an der Aufklärung des Falls. Man stehe über einen Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts (BKA) in engem Kontakt mit den spanischen Behörden, sagte der Bayreuther Polizeisprecher am Samstag. Beamte aus Oberfranken würden demnächst auch nach Spanien reisen, unter anderem auch, um mit dem Tatverdächtigen zu sprechen.

„Zentraler Punkt“ der Ermittlungen sei nun die Identifizierung der Leiche, die am Donnerstag in der Nähe einer Autobahntankstelle der Gemeinde Asparrena in der baskischen Provinz Álava entdeckt worden war, sagte der Sprecher. Der tote Frauenkörper war am Freitag in Spanien obduziert, aber noch nicht identifiziert worden.

Der südlich von Madrid festgenommene Fernfahrer soll unterdessen demnächst nach Deutschland gebracht werden. Am Freitag hatte eine Richterin am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid den Mann vernommen und anschließend Haftbefehl erlassen. Er hatte nach Angaben der Bayreuther Ermittler versucht, sich nach Marokko abzusetzen.

Auf der Suche nach Beweisen untersuchte die spanische Polizei inzwischen auch das Fahrzeug des Verdächtigen. Man habe vor allem die Fahrerkabine des Lastwagens des 41 Jahre alten Mannes inspiziert, zitierte die Nachrichtenagentur Europa Press einen Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil (Zivilgarde). Neue Erkenntnisse wurden dazu aber zunächst nicht bekannt.

Sophia L. war am 14. Juni verschwunden. Zuletzt wurde sie gesehen, als sie an einer Tankstelle an der Autobahn 9 nahe dem Leipziger Flughafen in einen Lastwagen gestiegen sein soll. Mittels Videoaufnahmen und Zeugenaussagen stehe fest, dass es sich dabei um den später in Spanien ausgebrannt gefundenen Lkw handle, hatte die Bayreuther Staatsanwaltschaft mitgeteilt.