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„Euphoria“: Bizarres Schwesterndrama mit Alicia Vikander

Berlin. Eine Villa im Grünen, viel Geld und nur noch wenige Tage zu leben. Das Drama „Euphoria“ erzählt vom Konflikt zweier entfremdeter Schwestern. Der Film inszeniert Sterben auf den ersten Blick wie bizarre Fotos für Instagram.

„Euphoria“: Bizarres Schwesterndrama mit Alicia Vikander

Die beiden Schwestern Emilie (Eva Green, r) und Ines (Alicia Vikander) begeben sich auf eine Reise zu einem geheimen Ort. Foto: Jürgen Olczyk/Wild Bunch Germany

Erst lädt Ines' Schwester sie zu Hummer und Champagner ein, dann steigen beide in eine Limousine. Das Drama „Euphoria“ nimmt uns mit zu einem geheimen Ort, wo Menschen gegen viel Geld ihr Leben beenden können.

Was Ines bald versteht: Ihre Schwester, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, ist unheilbar krank. Den beiden bleiben sechs Tage, um sich zu verabschieden. Klingt nach tränenreichem Film über Sterbehilfe - fühlt sich aber anders an.

Die schwedische Regisseurin Lisa Langseth („Hotell“) hat sich für ihren bizarren Film erneut mit Alicia Vikander zusammengetan. Die 29-Jährige war eben noch als Lara Croft im neuen „Tomb Raider“ zu sehen, jetzt spielt sie die kühle Ines. Die Französin Eva Green („James Bond - Casino Royale“) übernimmt den Part der krebskranken, von Operationsnarben gezeichneten Emilie.

Als die beiden Frauen in einem Waldstück ankommen, wartet dort ihre persönliche Betreuerin Marina, gespielt von Charlotte Rampling („45 Years“). In ihrer buddhistischen Robe ist Marina so etwas wie die graue Eminenz im Film. Sie versteht mehr als die anderen. Und während die beiden Schwestern Kindheitskonflikte austragen, topft Marina Kakteen um und legt Schallplatten auf.

„Euphoria“ zeigt eine Welt, in der Sterben auf den ersten Blick Instagram-kompatibel wirkt. Eine Villa mit grünen Fensterläden, nächtliche Konzerte von Streichmusikern, ein See mit Seerosen. Jeder erfüllt sich die letzten Wünsche (Mutters Blaubeerpfannkuchen). Es überwiegt die Farbe Grün - vom frischen Grün junger Zweige zum modrigen, fauligen Grün der Wasserpflanzen.

Emilie möchte in ihren letzten Tagen ihre Schwester bei sich haben, Ines will am liebsten abreisen. Die beiden haben sich voneinander entfremdet, im Streit um die Mutter, aber mehr sei hier noch nicht verraten. Der Film, der unter anderem im bayerischen Schloss Dennenlohe gedreht wurde, gleicht einem Näheexperiment.

Wenn Ines etwa vom besten Sex ihres Lebens erzählt, einer Nacht in Spanien, spürt man eine große Intimität. Aber meist schaut man auf diese Welt mit einem komischen Gefühl. Die Charaktere fühlen sich verschoben ab, die Kulisse wirkt mit ihrem Luxus surreal und düster. Ein bisschen wie in einem Film des griechischen Regisseurs Giorgos Lanthimos („The Killing Of A Sacred Deer“, „The Lobster“).

Welche Gefühle muss man wirklich zulassen im Leben? Was ist Freiheit? Und wie viel Verantwortung trägt man füreinander? Das Drama hätte auch eine Geschichte über die moralischen Konflikte der Sterbehilfe erzählen können, aber darum scheint es Regisseurin Langseth weniger zu gehen. Sie wollte keinen Film für oder gegen Sterbehilfe machen - „dann hätte ich auch einen Artikel schreiben können“, sagte Langseth in einem Interview. Sie habe ein Stück Kunst machen wollen. Und Kunst macht es dem Zuschauer meist nicht leicht.

Euphoria, Deutschland 2017, 104 Min., FSK ab 12, von Lisa Langseth, Alica Vikander, Eva Green, Charlotte Rampling, Charles Dance, Mark Stanley

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