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Erste Zeugen sagten über Bergung der Leiche aus

Neuer Prozess um Kanalleiche von Waltrop

Alles nochmal von vorne: Im zweiten Prozess um die „Kanalleiche von Waltrop“ haben am Mittwoch Polizeibeamte als erste Zeugen ausgesagt. Im Mittelpunkt standen Wassertemperaturen, Schiffsbewegungen und erste Eindrücke vom Zustand des Leichnams.

WALTROP/BOCHUM

, 11.04.2018
Erste Zeugen sagten über Bergung der Leiche aus

Der Prozess wird wieder aufgerollt, nachdem der Freispruch im Dezember 2017 gekippt wurde. © Werner von Braunschweig

Es war der 10. Juni 2015, als ein Spaziergänger auf der Wasseroberfläche des Dortmund-Ems-Kanals treibend den leblosen Körper einer bereits seit Tagen vermisst gemeldeten Mutter (25) aus Oer-Erkenschwick entdeckt hatte. Ein Polizist der Wache Datteln war kurz danach um 11.50 Uhr als einer der ersten Beamten vor Ort. „Es war sehr schönes Wetter“, erinnerte sich der Beamte vor dem Bochumer Landgericht. Gemeinsam mit der Feuerwehr hatte man organisiert, dass der Frauen-Leichnam mit einem Boot an Land gebracht wurde.

Wassertemperatur für die Ermittler von großer Bedeutung

„Ich habe auf den ersten Blick keine Spuren auf eine Fremdeinwirkung, also weder Würgemale noch Hämatome, feststellen können“, sagte ein Kriminalbeamter als Zeuge. Beim Versuch, Todeszeitpunkt und Liegezeit im Wasser zu rekonstruieren, wurde auch auf die Wasserschutzpolizei und deren Messwerte zurückgegriffen. Ein lebloser Körper sinkt üblicherweise zunächst im Wasser zu Boden, steigt dann aber je nach Wassertemperatur früher (wenn warm) oder später (wenn kalt) nach oben.

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Eine Messung der Wassertemperatur habe durchweg in allen Tiefen des Kanals etwa 20 Grad ergeben, berichtete ein Wasserschutz-Polizist. Das sei im Falle eines stillen Gewässers wie dem Kanal auch keinesfalls ungewöhnlich. Und zwar, weil durch den Schiffsverkehr (etwa 300 Schleusungen in knapp einem Monat) und häufige Schiffsschraubenbewegungen, das Kanalwasser regelmäßig auch bis hin zu den untersten Schichten durchgewirbelt werde.

Indizien für inszenierten Unfall

Die Staatsanwaltschaft ist anhand von Indizien fest davon überzeugt, dass der angeklagte Ehemann (44) die 25-jährige Mutter erstickt und die Leiche dann im Kanal versenkt hat, um einen Unfall zu inszenieren. Laut Anklage stand die Frau ihrem Ehemann, der schon länger eine Geliebte hatte, im Wege. Der Angeklagte jedoch bestreitet das vehement.

In einem ersten Mordprozess am Bochumer Landgericht war der Ehemann im Oktober 2016 aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte den Freispruch im Dezember 2017 wegen Rechtsfehlern gekippt und einen zweiten Prozess angeordnet.

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