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Erste Hilfe bei Pilzinfektionen

Tabuthema

Pilzerkrankungen sind ein Tabu. Niemand spricht gern darüber. Ob Füße, Nägel oder Genitalien – Pilze können sich überall einnisten. Wir stellen die häufigsten Erkrankungsformen, die Therapien und Präventionsmöglichkeiten vor.

09.09.2014
Erste Hilfe bei Pilzinfektionen

Das feucht-warme Klima in Schwimmbädern kommt der Verbreitung von Fußpilz entgegen. Schwimmer sollten deshalb hier besonders vorsichtig sein und die Zehenzwischenräume gut abtrocknen.

Der Fußpilz, medizinisch Tinea pedis, ist wohl die bekannteste und auch häufigste Pilzerkrankung. Jeder dritte Bewohner eines Industrielandes ist betroffen, Männer weit häufiger als Frauen. Fußpilz befällt Zehenzwischenräume und Fußsohlen, in schweren Fällen auch den Fußrücken. Die Erreger sind überwiegend Fadenpilze, sogenannte Dermatophyten.

Sportler, Diabetiker oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders gefährdet, an Fußpilz zu erkranken. Ebenso Raucher und ältere Menschen. Pilze verfügen über diverse Methoden, um sich in der Haut einzunisten. So können einige Fadenpilzarten den Säureschutzmantel der Haut schädigen. Einer gesunden Haut können Pilze in der Regel allerdings nichts anhaben. Ist die Haut jedoch geschädigt (zum Beispiel durch enges Schuhwerk wund gerieben) oder das Immunsystem geschwächt, können sich die Pilze ideal ausbreiten. Tückisch: Fußpilz wächst von außen in die Haut hinein und nistet sich dann in die tieferen Hautschichten, wo er sich vermehrt.

In etwa 80 Prozent der Fälle ist die Infektion in den Zehenzwischenräumen zu finden. Denn dort ist es besonders warm und feucht – ein optimales Wuchsklima für die Krankheitserreger. Erstes Anzeichen ist ein unangenehmer Juckreiz. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Haut an den betroffenen Stellen leicht aufweicht. Manchmal sind die befallenen Partien rötlich oder auch weißlich verfärbt, es können sich Bläschen oder Risse bilden. An den Fußsohlen zeigt sich der Fußpilz auch oft durch stark schuppende und verhornende Hautpartien.

Bei Fußpilz kommen meist pilztötende Medikamente, sogenannte Antimykotika, zum Einsatz. Wenn nur die Zehenzwischenräume vom Fußpilz befallen sind, reicht in der Regel eine örtliche Behandlung aus. Ist der ganze Fuß betroffen, kann es sein, dass der Arzt eine zusätzliche Therapie mit Tabletten vorschlägt. Alle verordneten Medikamente müssen regelmäßig und vor allem lange genug eingenommen werden – denn Fußpilz ist ausgesprochen hartnäckig.

Wer sich vor Fußpilz schützen möchte, kann dies mit gezielten, einfachen Maßnahmen erreichen. In öffentlichen Bädern oder Saunen sollten Badeschlappen getragen werden. Denn je mehr Menschen sich an einem Ort tummeln, desto höher ist die Gefahr, Fußpilz zu bekommen. Zumal das feucht-warme Klima in Bädern den Pilzen entgegen kommt. Auch in Hotelzimmern mit Teppichboden sollte man auf das Barfußlaufen verzichten. Handtücher sollten regelmäßig gewechselt und am besten bei 60 Grad gewaschen werden, noch besser wäre Kochwäsche – diese hohen Temperaturen töten die Pilzsporen gut ab. Zu guter Letzt: Nach jedem Duschen oder Baden vor allem die Zehenzwischenräume gründlich abtrocknen.

Ein Nagelpilz ist meist die Folge eines unbehandelten Fußpilzes, der sich auf den Nagel ausgebreitet hat. Doch auch solo kann der Nagelpilz auftreten. Er ist in erster Linie lästig, da es sehr lange dauert, ihn wieder loszuwerden.

Manche Menschen bekommen eher Nagelpilz als andere. Begünstigt werden kann ein Nagelpilz durch wiederholte Verletzungen der Nägel, zum Beispiel bei der Pediküre, durch Fehlstellungen der Füße, Störungen des Nagelwachstums oder auch durch Veranlagung. Auch ein geschwächtes Immunsystem kann ein Grund sein.

Ein Nagelpilz macht sich typischerweise durch Nagelverdickung und Nagelverfärbung bemerkbar. Der Pilzbefall beginnt meist am vorderen Rand des Nagels. Der Nagel verfärbt sich gelb oder braun, die Nagelplatte verdickt sich und zersplittert im späten Stadium. Auch ein entzündetes Nagelbett kann auf einen Pilzbefall hindeuten.

Die Behandlung erstreckt sich oft über mehrere Monate. Je nach Erreger stehen Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen zur Verfügung. Ziel ist es, die Nagelplatte vollständig vom Pilz zu befreien. Wenn die Nagelwurzel nicht betroffen ist oder nur einzelne Nägel befallen sind, kommen antimykotische Nagellacke und Cremes zum Einsatz. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sind die Pilzsporen jedoch zur Wurzel vorgedrungen, wird auch der nachwachsende Nagel infiziert. In diesem Fall ist eine Behandlung mit Tabletten nötig. Drei bis sechs Monate Therapie sind keine Seltenheit.

Um einen Nagelpilz zu vermeiden, gelten die gleichen Präventivmaßnahmen wie bei der Fußpilzvermeidung. Wer sich infiziert hat, sollte ein eigenes Handtuch für die Füße benutzen und dieses täglich wechseln.

Pilzinfektionen im Intimbereich treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Bei Männern spricht man von der Balanitis-Pilzinfektion, die Vorhaut und Eichel befällt.

Erreger ist in den meisten Fällen der Hefepilz Candida albicans. Er gedeiht gut in einem feuchten und warmen Milieu, weshalb der Intimbereich besonders schnell befallen ist. Ursächlich können bei der Frau eine vorangegangene Blasenentzündung oder eine Antibiotikabehandlung sein, die das Immunsystem schwächen. Bei Männern sind eine Vorhautverengung oder eben auch ein geschwächtes Immunsystem eine häufige Ursache. Bei beiden Geschlechtern kann zudem eine falsche Hygiene schuld sein. Eine weitere Ursache ist die Ansteckung bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Bei Frauen zeigt sich der Scheidenpilz durch weißlichen und weitgehend geruchlosen Ausfluss. Die Scheide ist gerötet, juckt und brennt. Bei Männern sind meist das Innere der Vorhaut und die Eichel entzündet. Auch hier kann es zum typischen Brennen, Juckreiz und Schmerzen an der betreffenden Stelle kommen. Ebenfalls typisch sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Scheiden- oder Eichel-Pilzerkrankungen werden mit Antimykotika behandelt. Vor allem erstmalige Infektionen lassen sich sehr gut durch lokal wirksame Antipilzmittel behandeln. Die Medikamente stehen in Form von Cremes oder – für Frauen – als Zäpfchen zur Verfügung. Reicht eine lokale Behandlung nicht aus, kommen Tabletten zum Einsatz. Wichtig ist auch bei diesen Pilzerkrankungen eine ausreichend lange Behandlungsdauer. Bei einer erstmaligen Infektion sollten sich auf jeden Fall immer beide Partner behandeln lassen, auch wenn nur einer von beiden Symptome zeigt.

Genitalpilze sind noch mehr als Fuß- oder Nagelpilz ein Tabuthema. Einen Grund zum Schämen gibt es jedoch nur selten – denn in den meisten Fällen ist mehr eine übertriebene Hygiene schuld denn eine mangelnde. Scheide beziehungsweise Eichel sollten zwar regelmäßig gründlich, aber am besten nur mit warmem Wasser gereinigt werden. Seifen und Waschlotionen können Infektionen begünstigen. Unterwäsche aus Baumwolle ist luftdurchlässig und somit besser geeignet als solche aus Synthetikfasern.