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Bundespräsident fordert mehr Aufmerksamkeit für die Pflege

Eröffnung des Deutschen Seniorentages

Mehr Aufmerksamkeit für die Pflege - das war am Montag eine wichtige Forderung bei der Eröffnung des Deutschen Seniorentages in den Dortmunder Westfalenhallen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der Schwerpunkt der dreitägigen Veranstaltung liegt aber auch auf anderen Themen.

Dortmund

, 28.05.2018
Bundespräsident fordert mehr Aufmerksamkeit für die Pflege

In den Westfalenhallen ist am Montag der Deutsche Seniorentag gestartet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Messe eröffnet. © Stephan Schütze

Anne Gründken (71) und Marietta Messler (64) aus Werne sind bestens vorbereitet. Gleich mehrere Vorträge etwa zu „Schmerzen im Alter“ und „Gesund älter werden“, hat sich Anne Gründken auf ihrem Spickzettel notiert.

Nur einige von mehr als 200 Veranstaltungen, die die Besucher auf dem Deutschen Seniorentag erwartet, der unter dem Motto „Brücken bauen“ noch bis Mittwoch in den Westfalenhallen stattfindet. Es ist eine Mischung aus Vortragsmarathon und Messe rund ums älter werden. Die beiden Besucherinnen aus Werne fangen mit der Messe an, bei der sich 200 Aussteller in der Messehalle 3B präsentieren.

Die Stadt Dortmund präsentiert sich einem Stand gemeinsam mit neun Oganisationen – vom Forschungsinstitut für Gerontologie bis zur Initiative Zwischen Arbeit und Ruhestand (ZWAR). Viele kleine Stände unterschiedlicher Organisationen von Verkehrsverbänden bis zu den Seniorenorganisationen der großen Parteien bilden eine Art „Markt der Möglichkeit“ in Sachen Seniorenarbeit. Zwischendurch wird Boule gespielt, über gesunde Ernährung informiert oder die Fitness getestet.

Alltagsfitness testen

Für Anne Gründken und Marietta Messler ist der Stand des Landessportbundes die erste Station auf dem Messerundgang. Hier kann man seine Alltagsfitness testen und sich anschließend über Trainingsmöglichkeiten beraten lassen. Die beiden Besucherinnen aus Werne konnten nach den sechs Stationen und der Beratung durch ´die Fitness-Experten zufrieden sein – schließlich sind sie auch mit ihrem Sportverein zum Seniorentag nach Dortmund gefahren. „Das war ein guter Einstieg“, stellt Marietta Messler fest.

Wie man fit und aktiv durchs Alter kommt, ist denn auch ein Schwerpunkt des Seniorentages. Das reicht vom Trimm-Parcours bis zum Rollator-Training der Stadtwerke an einem Bus. „Es ist toll, was hier auf die Beine gestellt wurde“, stellt Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey fest.

„Wenn ich Sie hier so sehe, dann muss einem eigentlich nicht bange sein vor dem Älterwerden.“ Das gilt besonders für die Seniorensportler, die bei der Messe-Eröffnung geehrt werden. „Deutschlands coolste Seniorensportgruppe“ wurde gesucht. Die Freizeit- und Seniorenboxer des Dortmunder Boxclubs 20/50 kommen auf Rang 5.

In der Altenpflege kommen Roboter zum Einsatz

Die Ehrung ist ein Signal, sagt Franz Müntefering als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), die den Seniorentag alle drei Jahre veranstaltet. „Es ist gut, dass wir das Älterwerden verbinden mit dem Sport.“

Doch die unterschiedlichen Pole des Seniorenlebens liegen dicht beieinander. Gleich neben den Ständen von Landessportbund, Turnerbund und Deutschen Olympischen Sportbund stellt die Uni Siegen den Einsatz von Robotern in der Altenpflege vor.

Ein kleiner Kerl mit dem freundlichen Blick und Touch-Screen auf der Brust lädt zu Spiel und Unterhaltung ein. Roboter „Pepper“ ist 1,20 Meter groß und auf Rollen unterwegs. Mit Sensoren am Kopf und an den Fingern kann er hören, sehen, sprechen, Stimmlagen und Emotionen erkennen.

Bundespräsident fordert mehr Aufmerksamkeit für die Pflege

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Montag den Deutschen Seniorentag eröffnet. © Stephan Schütze

Und er kann Witze erzählen, singen, tanzen, Memory spielen oder als Quizmaster Fragen stellen. Robotik in der Pflege – das sorgt für Diskussionen. Können Roboter wirkliche Pflegekräfte und menschliche Zuwendung ersetzen? „Es ist wichtig, dass die älteren Menschen frühzeitig in die Diskussion eingebunden werden“, sagt Dr. Barbara Keck von der BAGSO.

Große Unterschiede in den Lebensverhältnissen

Die Pflege wird denn auch zu einem zentralen Thema bei der Eröffnungsveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er hält ein Plädoyer dafür, der Pflege politisch einen höheren Stellenwert einzuräumen. „Pflege darf nicht auf Kosten der Pflegekräfte billig gemacht werden“, sagt Steinmeier unter dem Applaus der. Zuhörer.

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann, lange Jahre Pflegebeauftragter der Bundesregierung, nimmt den Ball auf, fordert, die Experten aus der Pflege auch an den wichtigsten Entscheidungen zu beteiligen. Man müsse die Pflege selbst „zum Sprachrohr ihrer Angelegenheiten machen“, fordert Laumann und schlägt eine Art Pflegekammer vor.

Der Bundespräsident erinnerte auch an Probleme wie Altersarmut oder Einsamkeit im Altert. „Die Politik ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass auch das Leben im Alter in Würde stattfindet,“ sagte Steinmeier.

Es gebe große Unterschiede in den Lebensverhältnissen.. „Alte Menschen wollen heute so aktiv wie nur möglich am gesellschaftlichen, am kulturellen Leben teilnehmen“, sagte Steinmeier. Nicht zuletzt bildeten Senioren das Rückgrat der ehrenamtlichen Arbeit. Deren Bedeutung hebt auch Oberbürgermeister UIlrich Sierau hervor, der in seinem Grußwort auf die aktive Seniorenpolitik der Stadt verweist. Er erinnert an die lange Tradition des Seniorenbeirates, der schon seit 1992 die Interessen der Bürger über 60 vertritt.

Und natürlich an die zwölf Seniorenbüros, eines für jeden Stadtbezirk. „Das Dortmunder Modell, nämlich die Kooperation zwischen Stadt und Wohlfahrtsverbänden, gilt als einzigartig in Deutschland“, stellte Sierau fest. Dafür gab es auch Lob von Barbara Keck. „Ein solches Angebot ist keinesfalls selbstverständlich. Das ist Dortmund vorbildlich“, sagt die Expertin der BAGSO. Ein passender Ort also für den Deutschen Seniorentag.

Der Deutsche Seniorentag findet noch bis zum 30. Mai in den Westfalenhallen statt, am Dienstag von 9 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 9 bis 17 Uhr. Auf dem Veranstaltungsprogramm stehen Vorträge zu Themen wie Pflege, Digitalisierung und Gesundheit. Dabei gibt es auch Vorträge prominenter Gäste wie Marianne Koch oder Eckart von Hirschhausen. Einrittskarten kosten an der Tageskasse 12 Euro.
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