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Religionsfest und Verbrauchermesse in einem

Festi Ramazan ist gestartet

Im muslimischen Fastenmonat Ramadan hat in Dortmund das „Festi Ramazan“ begonnen. Das Religionsfest ist eine große Verbrauchermesse, an der auch der ADAC und Stromverkäufer teilnehmen. Die Besucher können Bettwäsche und Immobilien kaufen und in zwei Zelt-Moscheen beten. 60 Übersee-Container bilden eine 102 Meter lange Wand aus Stahl.

Dortmund

, 23.05.2018
Religionsfest und Verbrauchermesse in einem

Gastronomie im Fastenmonat: Das Angebot ist auf dem Festival-Gelände groß. Im gesamten Zeitraum sind um die 200.000 Besucher zu versorgen. © Peter Bandermann

Eine Woche nach dem Start des muslimischen Fastenmonats Ramadan hat in Dortmund wieder das „Festi Ramazan“ begonnen. Das Religionsfest stand auf der Kippe. Mit Auflagen genehmigte die Stadt Dortmund das Festival dann doch noch. Markanteste Auflage ist eine 102 Meter lange und 7,80 Meter hohe Lärmschutzwand, die aus 60 Übersee-Containern besteht.

Wand aus Stahl soll vor nächtlichem Lärm schützen

Die Wand aus Stahl soll die Bewohner des benachbarten Theodor-Fliedner-Seniorenheims vor nächtlichem Lärm schützen. Denn das Festi Ramazan beginnt erst um 18 Uhr und dauert in der Woche bis 1 Uhr und an Wochenenden bis 2 Uhr. Damit endet das bis zum 17. Juni andauernde Festival eine Stunde früher als in den Jahren zuvor. Über das Festival im Fastenmonat 2018 informieren Veranstalter Fatih Ilhan und Sicherheitsberater Patrick Arens in diesem Video:

Veranstalter Fatih Ilhan ist um eine gute Nachbarschaft bemüht. Mit Seniorenheim, Kleingärtnern, Borussia Dortmund und der Strobel's-Gastronomie wurden bereits Gespräche geführt und Rufnummern ausgetauscht, um bei Problemen schnell reagieren zu können. Schilder im größeren Umfeld der Festi-Ramazan-Fläche am Rabenloh / Strobelallee weisen auf Parkplätze hin. Der Andrang am Dienstagabend, dem ersten Festival-Tag, war mäßig. Mit deutlich höheren Besucherzahlen ist am Wochenende zu rechnen, wenn Gäste auch aus dem europäischen Ausland anreisen. Mit mehr Verkehr ist vor allem während der Anreise in den Abendstunden zu rechnen.

Mindestens 200.000 Festival-Besucher

Ein Rundgang über das 22.000 Quadratmeter große Festival-Gelände zeigt: Im muslimischen Fastenmonat ist Dortmund ein europaweit beachteter Standort für eine Verbrauchermesse, die in den vergangenen Jahren zwischen 200.000 und 250.000 Besucher angezogen hat. In zwei Zelt-Moscheen können die Gäste auch beten. Getrennt nach Männern und Frauen. Ansonsten stehen geschäftliche Interessen im Vordergrund.

An 106 statt zuvor 150 Ständen gibt es nicht nur ein großes Gastronomie-Angebot. Wer den Stromanbieter wechseln oder Mitglied im ADAC werden will, findet beim Festi Ramazan die Vertragspartner. Auch Wohnzimmer-Polstermöbel, Friseurbedarf, Bettwäsche, Haushaltswaren oder Immobilien und Terrassenanbauten sind auf den Marktstraßen im Angebot.

Das Lavendelparadies im Fastenmonat

Unter den vielen Anbietern fallen Fatma und Abdullah Sevim mit ihrem kleinen „Lavendelparadies“ auf. Das Paar aus Leverkusen hat einen Onlinehandel gegründet und will auf dem Festi Ramazan durchstarten. Mit Lavendel-Produkten aus Isparta in der Türkei. Die Region ist bekannt für ihre großen Felder. Türkische Brautpaare nutzen die Landschafts-Kulisse gern für idyllische Hochzeitsfotos. Liebevoll haben Fatma und Abdullah ihren Stand dekoriert.

Nicht alle Aussteller legen Wert auf Atmosphäre. Wo Handyhüllen oder Haushaltswaren verkauft werden, leidet die Optik ein wenig. Der „Istanbul Outlet“ fällt mit schick angezogenen Schaufensterpuppen auf.

Großes Restaurant im Ramadan

Imposant ist das Gastronomie-Angebot. Im großen „Hatay“-Zelt haben Köche aus der gleichnamigen türkischen Stadt ein großes Festival-Restaurant eröffnet. Sie konkurrieren mit den vielen kleineren Essensständen um die Gunst der Gäste, die im muslimischen Fastenmonat erst nach Sonnenuntergang wieder essen.

Die Atmosphäre erinnert an ein riesiges Gemeindefest. Ebru (30) aus Dortmund schlendert mit ihren Freundinnen über das Festival-Gelände. Sie mag die beruhigende Atmosphäre und empfiehlt allen Besuchern die vielen türkischen Spezialitäten - allerdings seien die Preise „etwas hoch“.

Verdrängen Gastronomie und Kommerz den religiösen Aspekt? „Das würde ich nicht sagen“, antwortet sie am ersten Festival-Tag gegen 21.45 Uhr, also zur Essenszeit. Die Glaubens-Angebote seien zu später Stunde groß genug, dass die Religion nicht zur Nebensache erklärt werde. Sie rät den Dortmundern zu einem Festival-Besuch: „Es ist sehr multikulturell. Auch viele Nicht-Muslime sind hier, das fällt mir immer wieder auf.“ Die Veranstalter sollten allerdings darauf achten, dass das Festi Ramazan mit seinem starken wirtschaftlichen Interesse („verkaufen, verkaufen, verkaufen“) nicht aus dem Rahmen fällt.

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