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Anwohner wehren sich gegen die Pläne der Stadt Dortmund

Widerstand gegen Wohnungen an der Sckellstraße

An der Sckellstraße in Dortmund, auf dem ehemaligen Parkplatz des Berufsskollegs, soll ein neues Wohnquartier entstehen. Anwohner begleiten die Pläne mit Skepsis und kündigen Widerstand an.

Dortmund

, 22.05.2018
Anwohner wehren sich gegen die Pläne der Stadt Dortmund

Peter Müller, Sigrid Bents und Achim Lange (v.l.) sind gegen die Pläne der Stadt, an der Sckellstraße ein neues Wohnquartier in der derzeit geplanten Form zu errichten. © Michael Nickel

Die Pläne sind noch lange nicht abgeschlossen, aber die ersten Überlegungen stehen. 200 bis 250 Wohnungen plus Kita könnten in jeweils drei bis vier Geschossen auf der Fläche an der Sckellstraße entstehen, die seit mehr als zwei Jahren brach liegt. So sehen es die Stadt und das beauftragte Architekturbüro vor.

Das Berufskolleg hat ein neues Zuhause gefunden

Bis Februar 2016 wurde die 3,7 Hektar große Fläche, die direkt an den Westfalenpark grenzt, als Parkplatz für die Schüler des Robert-Schuman-Berufskollegs (RSBK) genutzt. Eigentlich wollte das RSBK an dieser Stelle auch wieder neu bauen. Doch Anwohner protestierten gegen diese Pläne. Mittlerweile hat das Berufskolleg am U ein neues Zuhause gefunden.

Zu den Anwohnern, die damals erfolgreich gegen den Neubau des RSBK an der Sckellstraße protestiert hatten, gehören Peter Müller, Sigrid Bents und Achim Lange. Alle drei wohnen in direkter Nachbarschaft zum Parkplatz, alle drei wollen sich auch gegen die neuesten Pläne für das Grundstück wehren. Achim Lange bezeichnet die Fläche als „letztes Filetstück“ der Stadt.

Verständnis für Bedarf, aber…

Mehrere Millionen Euro dürften bei einem Verkauf an Investoren aufs städtische Konto fließen, mehrere Hundert Menschen kämen an neue Wohnungen. Eben diese „irrsinnige Verdichtung“ auf kleinem Raum sei es Lange zufolge, die ihn und seine Nachbarn so skeptisch auf das Projekt und in die Zukunft blicken lassen. „Ich sehe ein, dass Wohnungen gesucht werden. Auch sozialer Wohnungsbau ist kein Thema“, sagt Lange.

Aber ein Entwurf sehe vor, dass eine 250 Meter lange und zwölf Meter hohe Fassade quasi direkt hinter dem Bürgersteig und der dortigen Baumreihe entstehen solle. Dort, wo jetzt noch Bäume stehen, auf die Lange aus seinem Arbeitszimmer heraus blicken kann.

„Es darf nicht wieder so kommen“

280 Familien kämen bei der Realisierung der Pläne hier her, und mit ihnen 500 bis 600 Autos. „So viele Tiefgaragen kann man gar nicht bauen“, sagt Lange. Er erinnert an die Zeiten, als bis zu 900 Schüler des RSBK mit ihren Autos durch die Sckellstraße fuhren, Parkplätze suchten und für massig Verkehr sorgten. Diese Zeiten sind vorbei. „Und es darf unter keinen Umständen wieder so kommen, wie es einmal war“, sagt Lange.

Anwohner wehren sich gegen die Pläne der Stadt Dortmund

Auf dem ehemaligen Parkplatz des Berufskollegs (links) sollen bis zu 250 Wohnungen entstehen. Dagegen wollen sich Anwohner wehren. Auf der mittleren Fläche ist noch das Kinder- und Jugendtheater beheimatet. Im ehemaligen Berufskolleg-Gebäude (rechts) sollen 59 Wohnungen entstehen. Rechts oben sind Teile des Westfalenparks. © Oskar Neubauer/Montage Leonie Sauerland

Warum nicht die Fläche nutzen, um den Westfalenpark zu erweitern? „Dies ist die einzige, letzte und sinnvolle Erweiterungsmöglichkeit für den schönen Park.“ Das sei die Idealvorstellung von Peter Müller, Sigrid Bents und Achim Lange. Auch gegen Bebauung an sich haben Bents und Lange nichts. Sie müsse nur in den Charakter der Nachbarschaft passen.

Wenig Kriminalität und keine Anonymität

„Wir haben hier bürgerliche Gärten, nichts ist vernachlässigt, wir haben nachbarschaftlichen Zusammenhalt und wenig Kriminalität“, sagt Achim Lange. Sigrid Bents, die an der Südseite der Fläche wohnt und vor ihrem Fenster derzeit nur Bäume und die Brachfläche hat, hebt die „gewachsene Struktur“ der Nachbarschaft hervor. „Hier ist es nicht anonym. Sollte die Bebauung kommen, wird es hundertprozentig anders – optisch und menschlich.“

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Peter Müller hat vor allem die Natur im Blick, wenn er über die mögliche Zukunft des Geländes spricht. „Ich möchte das Grün erhalten. Wenn ein ganzer Wald mitten in der Stadt abgeholzt wird, können wir das nicht verstehen.“ Anwohner haben sich die Fläche zusammen mit Naturschützern angesehen, einige Bäume dürften demnach gar nicht gefällt werden.

Anwohner sehen geeignetere Flächen

Laut Müller gebe es in Dortmund bessere Flächen für die Nachverdichtung. „Ich sehe, dass Wohnraum nötig ist, aber man muss schauen, dass es aus Naturschutzgründen passt. Ich schaue derzeit vom Westfalenpark heraus aufs Grün, demnächst womöglich auf Betonwände. Das missfällt mir als Besucher des Westfalenparks, nicht als Anwohner“, sagt Müller.

Alle drei Anwohner beschäftigt bei allen Gedankenspielen nicht nur die mögliche Veränderung der Natur, sondern vor allem auch die im Verkehr. „Der Anschluss zur Märkischen Straße würde zum Nadelöhr, hier würde es sich stauen“, sagt Müller.

Möglich, dass die Bemühungen stärker werden

Den Neubau des Berufskollegs habe man mit einer großen Initiative verhindern können, die vielen Autos sei man los. „Wir schließen nicht aus, dass wir unsere Bemühungen gegen die aktuellen Pläne intensivieren.“

Anwohner wehren sich gegen die Pläne der Stadt Dortmund

So soll das Areal auf dem jetzigen Parkplatz bald aussehen.

Das sagen die Stadt und der Bezirksbürgermeister:

Im Dezember wurden den Anwohnern die ersten Pläne für die Bebauung der Parkplatzfläche vorgestellt. Seitdem hat sich nichts Grundlegendes an der Planung geändert. Auf Anfrage teilte die Pressestelle der Stadt mit, dass weiterhin mit 200 bis 250 Wohnungen in drei- bis viergeschossiger Bauweise geplant werde. Das könne sich aber während des Änderungsverfahrens des Bebauungsplans noch relativieren – „je nach Entwurfsanpassungen im Planungsprozess oder Veränderungen in der individuellen Wohnungsgröße“.

Was nun nach der informellen Bürgerinfo folgt, ist die durch das Baugesetzbuch vorgegebene formale Bürgerbeteiligung inklusive öffentlicher Auslegung des Bebauungsplans. „Alle in diesen informellen wie formalen Beteiligungsschritten eingebrachten Anregungen werden im Laufe des Verfahrens gewürdigt und der Abwägung unterzogen und letztlich vom Rat der Stadt gewichtet und entschieden“, teilt die Stadt mit. Bis der Bebauungsplan für den ehemaligen Parkplatz steht, kann es aber noch etwas dauern. „Die erforderlichen Änderungsverfahren des bestehenden Bebauungsplanes werden für den Ostteil und den Westteil des Gesamtgeländes getrennt durchgeführt und zur Zeit vorbereitet“, heißt es. Zum Hintergrund: Während der Ostteil noch brach liegt, sind die Planungen für die zukünftige Nutzung des Westteils schon weiter. In den ehemaligen Räumen des Schuman-Berufskollegs könnten ab 2021 schon 59 Wohnungen bezugsfertig sein.

Bezirksbürgermeister Udo Dammer kann verstehen, dass die Anwohner sich Sorgen machen, verweist aber auch auf die Bedürfnisse der Öffentlichkeit. „Wir brauchen Wohnungen und Kita-Plätze“, sagt Dammer. „Die Nachbarschaft wird sicherlich anders, aber nicht schlechter.“ Nach den Sorgen der Anwohner befragt, verweist die Stadt Dortmund schriftlich auf die formalen Beteiligungsmöglichkeiten.

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