Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gutachter: Sergej W. ist voll schuldfähig

Prozess um mutmaßlichen BVB-Attentäter Sergej W.

Im Prozess um den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat das Gericht die psychologischen Gutachten erhalten. Sie erklären Sergej W. für voll schuldfähig. Auch ein früherer Mithäftling hat ausgesagt und möglicherweise brisante Details verraten.

Dortmund

17.05.2018
Gutachter: Sergej W. ist voll schuldfähig

Am Donnerstag sagte ein Mithäftling von Sergej W. gegen den mutmaßlichen BVB-Attentäter aus. © dpa

Im Prozess um den BVB-Attentäter Sergej W. ist am Donnerstag eine wichtige Entscheidung gefallen. Am Nachmittag nahm das Gericht die psychiatrischen und psychologischen Gutachten entgegen. Demnach war Sergej W. zum Zeitpunkt des Bombenanschlags voll schuldfähig. Zu diesem Ergebnis kommen die Psychologin Simone Mussavi und der Psychiater Frank Sandlos aus Essen.

Sergej W. bezeichneten sie einerseits als gehemmte, in sich gekehrte Persönlichkeit. „Er steckt voller Misstrauen und Feindseligkeit und pflegt eine Abwehrhaltung gegenüber anderen Menschen“, so Mussavi. Andererseits sei der 29-Jährige aber auch eine narzisstische, selbstverliebte Person, die nach Kontrolle, Macht und Dominanz strebe. „Dabei ist er insgesamt wenig empathisch“, sagte die Psychologin.

Ein Mithäftling verriet brisante Details

Auch ein ehemaliger Mithftling von Sergej W. hat am Donnerstag ausgesagt. Angeblich soll W. während einer Freistunde in der Bochumer JVA erzählt haben, es sei ihm mit der Tat in Wahrheit gar nicht um Geld und Reichtum gegangen. "Er sagte mir, dass er möglichst viele Menschen töten wollte", berichtete der Zeuge am Donnerstag.

Auf die Nachfrage des Mithäftlings, warum er diese Tötungsabsichten gehabt habe, soll Sergej W. weiter erklärt haben, sein Herz schlage für den BVB. Deshalb habe er gehofft, dass dem Verein nach dem Anschlag aus Trauer und Mitleid alle Pokale der Saison zugesprochen worden wären.

Sergej W. reagierte auf die Aussage seines angeblichen Bekannten lange Zeit nicht. Auf Nachfrage von Richter Peter Windgätter sagte er schließlich: "Ich habe den Mann vielleicht mal gesehen. Gesprochen habe ich mit ihm aber sicher niemals."

Verteidiger zweifelt Glaubwürdigkeit an

Der Zeuge sitzt zurzeit wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung im Gefängnis. Zuvor war er schon dreimal wegen Betruges verurteilt worden. "Kann man also sagen, dass Sie schon dreimal gelogen haben?", fragte Verteidiger Carl Heydenreich am Donnerstag. Die Antwort: "Das kann man so sagen."

Der Zeuge räumte außerdem ein, dass er kurz nach seinen "Enthüllungen" bei der Staatsanwaltschaft einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt habe. Derzeit gehe er aber davon aus, dass er bis zum letzten Tag im September 2019 im Gefängnis bleiben müsse.

Lesen Sie jetzt

BVB-Anschlag: Matthias Ginter sagt aus

Matthias Ginter wird von schlimmen Erinnerungen überwältigt

Fußballprofi Matthias Ginter bricht bei seiner Zeugenaussage im Prozess um den BVB-Anschlag in Tränen aus. Der 24-Jährige hatte bereits als Nationalspieler die Terrorattacken von Paris umittelbar miterlebt. Von Martin von Braunschweig