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Nach Auflagen schieben Eltern Frust

Dortmunder 24-Stunden-Betreuung droht das Aus

Bei der sogenannten 24-Stunden-Betreuung im Kindergarten macht nur eine Einrichtung in Dortmund mit. Es könnte bald aber das Aus drohen für dieses Projekt, das vom Bund angeschoben wurde, für das das Landesjugendamt aber ganz bestimmte Auflagen definierte.

Dortmund

, 04.05.2018
Nach Auflagen schieben Eltern Frust

Die Gute-Nacht-Geschichte zum Einschlummern: Wenn die Eltern Schichtdienst arbeiten müssen und daheim niemand aufs Kind aufpassen kann, ist die Übernachtungsmöglichkeit im Montessori-Kinderhaus eine Alternative. © Wolf D. Krause

Eine 24-Stunden-Betreuung – das bedeutet nicht, dass Eltern ihr Kind für 24 Stunden in der Einrichtung lassen können. Die Kita hat dann vielmehr 24 Stunden geöffnet und kommt damit Eltern entgegen, die zum Beispiel Schichtarbeit leisten müssen.

Nicht zuletzt sind dies oft alleinerziehende Mütter, die in Pflegeberufen oder in der Gastronomie arbeiten. Zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie wurde 2016 das Bundesprogramm KitaPlus aufgelegt. Was gut gemeint war, war dann im Land Nordrhein-Westfalen schlecht gemacht.

Ab dem Säuglingsalter

Als einzige Einrichtung in Dortmund hatte sich das Familienzentrum Montessori-Kinderhaus des Caritasverbandes an der Severingstraße in Scharnhorst für die 24-Stunden-Betreuung des KitaPlus-Projektes beworben. Einrichtungsleiterin Yvonne Oberhaus wundert sich noch heute über die geringe Bereitschaft dazu in anderen Dortmunder Kitas: Im viel kleineren Lünen hätten sich immerhin sechs Kindertagesstätten beworben.

Das Montessori-Haus gibt es seit 49 Jahren. Es betreut 78 Kinder – vom Säuglingsalter bis zur Einschulung – in vier Gruppen. Eine Elternbefragung ergab, dass mindestens acht Eltern Interesse an Übernachtungsmöglichkeiten haben, beziehungsweise an den sogenannten Randbetreuungszeiten. Diese sind von 16 bis 20 Uhr und morgens ab 6 Uhr. Leider wurde die Rechnung ohne das Landesjugendamt gemacht.

Betreuung über Nacht nur für über Dreijährige

Zwar bekam das Montessori-Haus den Zuschlag fürs Projekt, verbunden mit einer finanziellen Förderung des Bundes über 360.000 Euro für die Gesamtlaufzeit bis Ende 2018, aber dann machte das Landesjugendamt Auflagen. Elke Krause, Abteilungsleiterin der Behindertenhilfe und zuständig für die Kindertagesstätten der Caritas, sagt, zu den Auflagen habe gehört, dass die maximale Betreuungszahl über Nacht bei fünf Kindern liege, nur über Dreijährige in der Einrichtung schlafen dürften und keine Geschwisterkinder.

„Damit aber war vielen Eltern nicht gedient“, so Yvonne Oberhaus. Fast alle befragten Eltern sprangen wieder ab. Nur vereinzelt übernachteten bisher Kinder in der Einrichtung. „Jetzt hat das Landesjugendamt grünes Licht gegeben“, sagt Elke Krause, nun könnten auch Jüngere und Geschwisterkinder in der Montessori-Einrichtung übernachten, jedoch laufe das Projekt nur bis Jahresende. Sie könnten Eltern keine zuverlässige Auskunft geben, ob und wie es weitergeht.

Keine Entscheidung in Berlin

Das kann auch das Bundesministerium nicht. Auf Anfrage in Berlin teilte Pressereferent Frank Kempe mit, im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, die Bundesregierung mache sich dafür stark, dass unter anderem die Bundesprogramme Sprachkitas, KitaPlus, betriebliche Kinderbetreuung und Kindertagespflege fortgeführt und weiterentwickelt werden.

Kempe: „Allerdings wurde eine endgültige Entscheidung über eine Fortführung bisher noch nicht getroffen.“ Schlauer ist man auch im Landesjugendamt nicht. Markus Fischer, Pressereferent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, kann zur Zukunft von KitaPlus nichts sagen. Der Caritasverband als Träger des Montessori-Kinderhauses hängt in der Luft.

Zusätzliche Fachkräfte eingestellt

„Die Fördersumme von 360.000 Euro wird aufgrund der beschriebenen Situation nicht komplett abgerufen werden“, so Elke Krause. Unter anderem wurden nicht alle Stellen besetzt. Immerhin hatte sich das Montessori-Haus mit zwei zusätzlichen Fachkräften verstärkt für die Randzeiten- und Nachtbetreuung.

Außerdem wurden zu den ohnehin schon zehn vorhandenen Betten für ganz junge Kita-Kinder weitere sechs Betten angeschafft sowie ein gesonderter Raum hergerichtet. Jetzt hoffen alle Beteiligten vor Ort, dass der Bund das Projekt verlängert und das Land es mitträgt.

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