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In Brechten trägt man Petticoat und schwärmt für Roy Black

Dortmunder Fotografin lebt die 50er-Jahre

Die 50er-Jahre prägen das Leben der Fotografin Nici van Grote – beruflich wie privat.Und auch die Zwillinge der 36-Jährigen kennen sich noch bestens in der analogen Welt aus.

Brechten

, 15.04.2018
In Brechten trägt man Petticoat und schwärmt für Roy Black

Nici van Grote hat sich auf Fotografie im Stil der 1950er-Jahre spezialisiert; sie selbst fotografiert aber mit hochmodernen Kameras. © Michael Schuh

In Brechten ist die Zeit stehen geblieben, zumindest an der Kamphecke 203. Dort verfügt das Telefon noch über eine Wählscheibe und der Fernseher über Drehknöpfe, während Roy Black die Besucher von einem Schwarz-Weiß-Foto anlächelt. Zugegeben, das Inventar aus den 1950er- und -60er-Jahren dient der Fotografin Nici van Grote vor allem als Dekor für ihre Shootings, doch eine große Portion Leidenschaft für die Ära des Wirtschaftswunders gehört ebenfalls dazu: „Das bedeutet auch eine Wertschätzung für Dinge aus dieser Zeit.“

Fotografin hat ein Faible für Heimatfilme

Die Begeisterung für Nierentische, Stehlampen und Petticoats ist bei der 36-Jährigen keineswegs eine vorübergehende Phase, denn schon als Kind legte sie ein Faible für diese Zeit an den Tag. „Ich habe schon früher gerne Heimatfilme gesehen, in denen die Mädchen gelbe Kleider mit Punkten trugen und einen Pony hatten. Und heute sehe ich selbst so aus“, erzählt van Grote, während aus dem Lautsprecher Elvis‘ „Suspicious Minds“ erklingt. Sechziger pur.

Aber nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch ihre innere Einstellung haben die Jahre überdauert: „Das, was ich früher für Roy Black empfunden habe, war mehr als Schwärmerei – ich war wirklich verliebt“, erinnert sich die 36-Jährige. „Und als mir meine Mutter vor zwei Jahren die Biografie von Roy Black schenkte, da habe ich geheult.“

In Brechten trägt man Petticoat und schwärmt für Roy Black

Alte Liebe rostet nicht: Seit ihrer Kindheit schwärmt Nici van Grote für Roy Black. © Michael Schuh

Wer nun glaubt, Nici van Grote sei kein ganz normaler Teenager gewesen – oder sollte man Backfisch sagen? – muss sich eines Besseren belehren lassen. „Ich schwärmte für die Backstreet Boys und wollte mit 13 zu den Kellys auswandern“, erzählt sie lachend. Doch immer schlug auch ein zweites Herz in ihrer Brust: „Wenn ich dann mit meiner Freundin nach Hause gekommen bin, haben wir ‚Die Mädchen vom Immenhof’ gespielt.“

Dessous im Vintage-Stil als erste Motive

Aufgewachsen ist Nici van Grote in Wanne-Eickel, wo sie bereits als Jugendliche ihre zweite Passion entdeckte: die Fotografie. „Die Liebe dazu kam mit der ersten Kamera meines Vaters“, sagt die Fotografin, die mit 21 Jahren ihr Hobby zum Beruf und sich selbstständig machte. Schon damals besaß sie ein eigenes Studio, wo sie unter anderem Dessous-Motive fotografierte. Im Vintage-Stil, versteht sich. Und noch heute besitzt sie eine besondere Beziehung zu ihrer alten Heimat: „Die Cranger Kirmes ist für mich die fünfte Jahreszeit. Da bin ich immer zu finden.“

Nichtsdestotrotz verschlug es sie der Liebe wegen nach Dortmund, wo sie in der Nordstadt wohnte und schließlich im Kreuzviertel ein Studio mit Laden eröffnete. Doch irgendwann wollte Nici van Grote, die mittlerweile Mutter von Zwillingen war, raus aus dem Großstadttrubel. „Das war mir zu schnell, die Menschen nehmen sich viel zu wenig Zeit“, sagt sie. „Und außerdem sollten unsere Kinder einfach die Tür aufmachen und rausgehen können.“

Leben im Schwedenhaus

Also suchte sie gemeinsam mit ihrem Mann, als Musiker und DJ ebenfalls der Kunst zugewandt, vor vier Jahren eine ruhigere Wohngegend – und wurde in Brechten fündig, wo die Familie in einem Schwedenhaus lebt. 2017 verlegte sie auch ihren beruflichen Mittelpunkt ins beschauliche Brechten, genauer gesagt an die Kamphecke. Und wer nicht alltägliche Fotos im 1950er-Jahre-Stil mag, dem machen ein paar Kilometer Anfahrt mehr oder weniger offenbar nichts aus. „Sogar aus München und Stuttgart sind schon Kunden hier gewesen“, erzählt die Neu-Brechtenerin.

Dort, wo die Pferde und Kühe fast vor der Haustür stehen, bietet die 36-Jährige neben einem Babyzimmer so ziemlich alles an, was man für ein Fünfziger- oder Sechziger-Fotoshooting benötigt: Einrichtungsgegenstände von damals, amerikanische Accessoires aus Elvis’ Zeiten und natürlich jede Menge Kleidungsstücke. Sogar eine alte Vespa gehört zum Fundus, natürlich rot-weiß lackiert: „Denn so eine fuhr Uschi Glas in einem Film.“

Die Kinder kennen den Badewannen-Tango

Wenngleich erst vier Jahre alt, haben auch die Zwillinge schon eine gewisse Beziehung zu der guten alten Zeit: „Sie kennen den Badewannen-Tango von Peter Alexander und können einen Kassettenrecorder bedienen.“ In Sachen Fotografie setzt Nici van Grote indes auf moderne Technik: digitale Vollformatkameras, lichtstarke Objektive. Und abends, wenn die Fotografin nach einem langen Tag nach Hause kommt, entspannt sie sich bei Musik. Roy Black, von der Schallplatte.

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