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«Kein Schwein» auf russisch

13.06.2007

In eine musikalische Zeitblase entführte Max Raabe seine Zuhörer im Konzerthaus am Dienstag: in dem hochmodernen Klangraum schien die Zeit vor 70 Jahren stehen geblieben zu sein. Lieder aus den zwanziger und dreißiger Jahren servierte der in Lünen geborene Wahl-Berliner mit seinem Palastorchester.

So swingte sich die Combo zwei Stunden gekonnt durch die Musikgeschichte, die für Raabe weiter die Zukunft sein dürfte. Seine reanimierte leichte Tanzmusik der «Roaring Twenties» macht immer noch Spaß, mal als Paso Doble, mal im Dixie-Sound («Herr Ober, zwei Mocca»), mal als Rumba, wie «Komm, lass uns einen kleinen Rumba tanzen», aber auch im Charleston-Rhythmus oder als Swing. In allen Spielarten präsentierte sich die Band gut aufgelegt, Sänger Raabe zeigte sich intonationssicher und als launiger Entertainer.

Auch optisch und sprachlich scheint er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verharren. Zwischen all den Uralt-Schlagern stach die Eigenkomposition «Klonen kann sich lohnen» dann auch nur textlich heraus. Bei ihrem Hit «Kein Schwein ruft mich an» nahmen Raabe & Co. die Zuhörer gleich mit auf eine Reise um die Welt, verwandelten das musikalische Thema in italienische Folklore oder in einen russischen Volkstanz.

Etwas bedauerlich war, dass Raabe diesmal auf die vergnügliche Bearbeitung heutiger Popmusik verzichtete. So gab es weder die ironisch gebrochene Version von Tom Jones' «Sex Bomb», noch von Britney Spears' «Ooops, I Did It Again».

Das verzieh man Raabe umgehend, als er in seinem typisch näselnden Gesangstil den «Kleinen grünen Kaktus» vortrug und als Dreingabe noch «Ein Freund, ein guter Freund» drauflegte.

Am Ende gab es viel Applaus und ein bisschen Wehmut, als die Band sich mit «Schlafen geht das kleine Saxophon» etappenweise verabschiedete.

Niels Holger Schmidt

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