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Intensivstationen meldeten: Nichts geht mehr!

Die Auswirkungen der Grippewelle in Dortmund

Selten schlug die Grippe höhere Wellen: Die Fallzahlen haben sich in diesem Winter laut Gesundheitsamt in Dortmund mehr als verfünffacht. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Dortmund

, 26.03.2018
Intensivstationen meldeten: Nichts geht mehr!

Die Grippe-Welle dauert diesmal besonders lange. © dpa

Der Scheitelpunkt sei überschritten, meldete vor wenigen Tagen das Robert-Koch-Institut als oberster Gesundheitswächter im Land. Extrem lange hat sie gedauert, die Influenza-Welle in diesem Endlos-Winter. Bundesweit erreichte der Krankenstand im Februar ein Zehn-Jahres-Hoch.

Laut Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) lag der Anteil der Krankgemeldeten an allen Beschäftigten im Vormonat bei 6,2 Prozent. Die aktuelle Bilanz für Dortmund: Während das Gesundheitsamt im gesamten Winter 2016/17 130 nachgewiesene Grippe-Fälle meldete, waren es bis Ende letzter Woche bereits 662 Fälle. Die Zahl der Infizierten hat sich damit mehr als verfünffacht.

Noch viele andere Viren

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, bestätigt auf Anfrage, dass die Grippe-Welle diesmal besonders lange dauert, nun aber abklinge. Er sagt: „Die Gründe sind natürlich Spekulation. Ich selbst denke auch, dass es an der Witterung liegt.

Der massive und relativ lange Kälteinbruch hat eine ideale Grundlage für ein längeres Persistieren der Erreger geboten und vermutlich auch eine höhere Empfänglichkeit verursacht.“ Unter Persistieren versteht ein Mediziner, dass eine Krankheit nicht abklingt und über einen längeren Zeitpunkt andauert.

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Zusätzlich, sagt Renken, seien verschiedene andere Erkältungsviren im Umlauf gewesen, die zum Teil schwerwiegende Erkältungskrankheiten verursacht hätten.

Krankenhäuser können ein Lied davon singen. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen gab es im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg das Problem, ein freies Bett in den Kliniken zu finden. Alle Intensivstationen meldeten vor allem zwischen Ende Februar und Mitte März, dass sie komplett „dicht“ seien. „Die Versorgung der Patienten war deutlich erschwert, weil die Rettungsdienste immer wieder Wartezeiten hatten, bis sie Patienten endlich in einer Klinik unterbringen konnten“, sagt Renken.

Schwerste Folgen

Internist Dr. Prosper Rodewyk sagt als niedergelassener Arzt, neben der kalten Witterung habe auch eine zumeist ineffektive Impfung zur Intensivierung der Grippe in diesem Winter beigetragen. Rodewyk, auch Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung, kritisiert: „Die Kassen wollten nur den billigeren Dreifach-Impfstoff zahlen.“ Offiziell empfohlen worden war ein Vierfach-Impfstoff. Zeit, daraus Lehren zu ziehen. Dr. Clemens Kelbel leitet das Lungen-Zentrum des Klinikums Westfalen, zu dem das Knappschafts-Krankenhaus in Brackel gehört.

Er warnt, es sei noch nicht gesichert, ob die Grippe-Welle tatsächlich abklinge oder es sich nur um einen Zwischentrend handele. Kelbel, der in seiner Klinik täglich schwerste Folgen von Infektionen sieht, appelliert unermüdlich, im nächsten Herbst Impfmöglichkeiten zu nutzen.

Dr. Bernhard Schaaf sagt als Klinikdirektor der Pneumologie und Infektiologie am Klinikum Dortmund: „Es gab Tage, da haben wir zwei bis drei Patienten mit Grippe und meist Pneumonie (Lungenentzündung, Anm. d. Red.) aufgenommen. Teilweise mussten sie auf die Intensivstation. Aber das ist bei schweren Verläufen normal.“

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