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Gewaltsamer Säuglings-Tod: Vater soll fünfeinhalb Jahre in Haft

Baby Marvin starb 2015

Der kleine Marvin aus Dortmund-Hörde war kaum auf der Welt, da wurde er auch schon Opfer schlimmster Gewalt. Sein Vater soll dafür jahrelang in Haft. Der Verteidiger warnt vor einem Justizirrtum.

Dortmund

, 09.02.2018
Gewaltsamer Säuglings-Tod: Vater soll fünfeinhalb Jahre in Haft

Der Angeklagte bei Prozessbeginn im November 2017: Der 38-Jährige soll seinen 10 Monate alten Sohn misshandelt haben, bis der Junge starb. © Archiv

Fünfeinhalb Jahre Haft: Im Prozess um den qualvollen Misshandlungs-Tod des zehn Monate alten Marvin aus Hörde hat die Staatsanwaltschaft am Freitag für den angeklagten Vater (38) eine hohe Haftstrafe gefordert. Die Verteidigung hofft dagegen aus Mangel an Beweisen auf einen Freispruch.

Ankläger Heiko Artkämper ist überzeugt, dass der Vater Marvin kurz vor dessen Tod im Juli 2015 immer wieder geschlagen, gequält und misshandelt hat. „Der Junge hat geschrieen wie wild, nachdem sie ihm die Zähne ausgeschlagen haben“, warf Artkämper dem Angeklagten in seinem Schlussvortrag vor. Bei dem Säugling Marvin habe es sich um ein Opfer gehandelt, das für Misshandlungen „nicht den Hauch eines Anlasses gegeben“ hat.

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Der Junge war im Juli 2015 in seinem Kinderbett verstorben. Eine Obduktion der Kinderleiche enthüllte schockierende Verletzungen. Als Todesursache stellten die Rechtmediziner eine Blutvergiftung fest, weil sich bei Marvin zahlreiche Knochenbrüche entzündet hatten. Unter anderem waren mehrere Rippen, der Unterkiefer, das Schlüsselbein und ein Oberschenkel gebrochen gewesen. Außerdem waren vier Zähne abgebrochen.

Der Angeklagte gilt als intelligenzgemindert

„Mir tut das alles weh und leid“, gab der Vater den Richtern als letzte Worte mit in die Urteilsberatung. Sein Verteidiger Axel v. Irmer hat einen Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt und dabei an elementare Grundsätze erinnert. Der Vater habe zwar seinerzeit bei der Polizei mal ein Geständnis abgelegt. Das sei allerdings nicht verwertbar, so v. Irmer.

Der Angeklagte gilt als intelligenzgemindert (IQ 42), geistig behindert und vermindert schuldfähig. Über das Geständnis hatte der Vater selbst mal erklärt, nur das „nachgeplappert“ zu haben, was ihm bei der Polizei vorgegeben worden sei.

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Verteidiger Axel v. Irmer ließ keinen Zweifel aufkommen, dass Marvin unfassbar gelitten haben muss. „Ich bin davon überzeugt, dass das arme Kind völlig wehrlos gestorben ist“, so der Dortmunder Strafverteidiger. In konkreten Fall käme mit der Mutter von Marvin auch ein zweiter Täter infrage. Die Frau hatte zuletzt in einem Brief an das Gericht beteuert: „Mein Mann hat dem Jungen keine Gewalt angetan.“

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Das Urteil soll am 16. Februar verkündet werden.

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