Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Entführung in den Orient

Von den Frauen handeln viele der kleinen pointenreichen Anekdoten, die Rabih Abou-Khalil gern bei seinen Konzerten erzählt. Und die Frauen haben ihn auch schon immer zu seiner Musik inspiriert.

03.12.2007

Seine letzte Platte widmete er den traurigen Frauen: "Songs For Sad Women". Als zweiter großer Name stand der libanesische Laute-Virtuose am Freitag auf dem Programm des europhonics-Festivals im domicil und bildete - gemeinsam mit dem Trio des Pianisten Malcolm Braff in einem Doppelkonzert - größtmöglichen Kontrast zum Eröffnungsabend. Wie das domicil hat sich europhonics nicht allein dem Jazz verschrieben, sondern auch der Weltmusik. Und so folgte auf den Jazz-Rocker John Scofield ein Programm, das allenfalls noch am Rande mit Jazz zu tun hat.

Mit seinen Songs für traurige Frauen entführte Abou-Khalil, der vor knapp 30 Jahren vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland flüchtete, sein Publikum in die arabische Musikwelt. Zum einen klanglich: Neben seiner Oud, der arabischen Kurzhalslaute, prägt Gevorg Dabaghyan mit der armenischen Schalmei Duduk das Klangbild des Quartetts. Und Michel Godard, der als einziger Jazz-Musiker an der Tuba bekannt wurde, fügt sich mit dem Serpent, einem abenteuerlich gewundenen Bass-Zink aus der Renaissanc e-Zeit, darin gut ein.

Zum anderen ist die Konstruktion der Musik orientalisch. Die arabische Musik hat sich über 300 Tonarten erhalten, die sich durch feinste Abstufungen in den Tonleitern unterscheiden. Arabische Tonleitern sind so vielfältig wie die Stimmungslagen, für die sie gebraucht werden. Bei seinen Songs lotete Abou-Khalil und Band, zu der auch US-Schlagzeuger Jarrod Cagwin gehört, das traurige Ende der Skala aus.

Die Vielfalt an Tonarten birgt für westliche Musiker ein Problem: Harmonien wie in der westlichen Musik gibt es nicht. Michel Godard, der neben dem Serpent auch normalen E-Bass spielt, musste sich damit arrangieren - sogar für einen Routinier wie ihn nicht leicht. Aber es gelang ihm immer wieder, sich auf die Stimmungen orientalischer Melodien einzustellen.

Abou-Khalil und sein Ensemble setzten einen elegischen und überaus stimmungsvollen Schlusspunkt des zweiten Festival-Tages. Großer Applaus im voll besetzen Saal. Karsten Mark