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Ein viel zu kurzes Leben

DORTMUND Niemand traute sich. Obwohl die St. Ewaldi-Kirche aus allen Nähten platzte, blieben die vorderen Sitzreihen leer. Alles drängelte sich hinten an den Wänden - weit weg vom Sarg, in dem Benjamin Brekau beerdigt werden sollte.

von Von Daniel Claeßen

, 19.06.2007

Erst als Pfarrer Markus Menke die Gemeinde freundlich nach vorne bat, füllten sich auch die vorderen Sitzreihen. War es Respekt? Oder vielleicht Unbehagen? "Viele Fragen sind unbeantwortet, und sie werden es vielleicht auch bleiben." Der Pfarrer spielte ganz offen auf die ungeklärten Umstände von Benjamin Brekaus Tod an. Am 8. Juni war der 27-jährige Polizeibeamte auf der Rückfahrt vom G8-Gipfel in Heiligendamm tödlich verunglückt.

Nur die Familien von Benjamin Brekau und seiner Ehefrau Michaela hatten zuvor in der ersten Reihe Platz genommen. Markus Menke sprach der Hochschwangeren Mut zu: "Wir alle sind gelähmt von Ohnmacht, Trauer und Wut. Aber wenn es einen Trost gibt, dann den Gedanken, dass Benjamin durch seinen Sohn weiterlebt." Er sei ein lebensbejahender Mensch gewesen, der stets ein Lächeln auf die Gesichter zaubern konnte. "Durch das Kind hat er die wichtigste Spur hinterlassen: die Spur der Liebe." Als Beleg zitierte Menke den ersten Korintherbrief: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

In einer einfühlsamen Ansprache skizzierte der Pfarrer das «viel zu kurze» Leben Brekaus und die bedeutende Rolle von Ehefrau Michaela: "Die Familie und das Kind waren Benjamins höchste Ziele." Die mehrheitlich jungen Zuhörer in der Ewaldi-Kirche kämpften vergeblich gegen ihre Tränen. Pfarrer Menke machte allen bewusst: "Das Evangelium lehrt uns: Aus Kummer wird Freude. Aber bis dahin ist es ein langer Weg."

Michaela Brekau wird diesen Weg nicht alleine gehen müssen. Freunde, Bekannte und Kollegen waren zur Trauerfeier gekommen, vor den Kondolenzbüchern entstanden lange Warteschlangen. Die Beisetzung Benjamins auf dem Friedhof fand jedoch nur im engsten Verwandtenkreis statt. Es war der ausdrückliche Wunsch der Familien - und die Trauergemeinde respektierte ihn.

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