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Die doppelten Meister

Es war ohne Zweifel ein besonderer Triumph: Mit exakt der gleichen Aufstellung der Meistermannschaft von 1956 holte der BVB ein Jahr später erneut den Titel - heute vor genau 50 Jahren.

22.06.2007

Die Situation hatte symbolträchtigen Charakter: Gemessenen Schrittes betraten die Kontrahenten des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1957 den Rasen des Niedersachsenstadions zu Hannover. Hier Borussia Dortmund, der Titelverteidiger. Dort der Herausforderer, der Hamburger SV. Wie es der Zufall wollte, gingen Borussias Supertechniker Max «Spinne» Michallek (34) und sein direkter Gegenspieler Uwe Seeler (20) nebeneinander auf das Spielfeld. «Uns Uwe» begann einen knappen Dialog: «Na Opa, auch immer noch dabei?» Die Antwort von Max: «Dich halte ich auch noch mit 70.»

Der BVB hatte sich in der Vorrunde gegen Kickers Offenbach, Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern durchgesetzt, Duisburg, Nürnberg und Saarbrücken distanziert. Und nun also das Endspiel mit den beiden eindeutig besten Teams. Dabei sitzt beim BVB Jungnationalspieler Aki Schmidt nur auf der Bank. Der Grund: BVB-Trainer Helmut Schneider will mit der identischen Elf des Vorjahres-Endspiels siegen. Das hätte es seit der Einführung der Deutschen Meisterschaft 1903 noch nicht gegeben. Borussia stellt ein routiniertes Team, 29 Jahre alt im Schnitt. Erfahrung und Reife gepaart mit fußballerische Klasse.

Klasse ausgespielt

Das bekommt der HSV schmerzhaft zu spüren. Schon nach 16 Minuten rauscht eine Kelbassa-Granate in das von Horst Schnoor gehütete HSV-Gehäuse. Der wenig später fallende Ausgleich durch Krug (25.) lässt nur kurz hanseatischen Optimismus aufglimmen. Denn innerhalb zweier Minuten folgt ein Doppelschlag erneut vom wuchtigen Mittelstürmer Fred Kelbassa und dem feinen Techniker Alfred Niepieklo. Es steht 3:1 - von diesem Niederschlag erholen sich die Norddeutschen nicht mehr. Der BVB spielt seine Klasse gnadenlos aus. Niepieklo erzielt das 4:1. Borussias Kapitän Adi Preißler kann nach dem Abpfiff aus den Händen von DFB-Präsident Dr. Peco Bauwens erneut die begehrte «Salatschüssel», wie die Meisterschale im Volksmund gerufen wird, entgegen nehmen. Ein stolzer Augenblick für den BVB, für Dortmund, für das fußballverrückte Westfalen.

Der Deutsche Meister 1957 wird denn auch - ähnlich wie im Vorjahr - mit einem Siegeszug ohnegleichen «am Tag danach» in Dortmund empfangen und von Hunderttausenden zum offiziellen Empfang der Stadt auf dem «Neuen Markt» - heute Friedensplatz - geleitet.

Helmut Schneider hat sein großes Ziel erreicht und ein sporthistorisches Datum mit der doppelten Meister-Elf gesetzt. Das honoriert auch die deutsche Sportpresse, kreiert den Titel «Mannschaft des Jahres» und zeichnet den BVB Ende 1957 als erstes Team damit aus. In der Tat: Das Meisterteam der Jahre 1956 und 1957 ist fraglos eine der größten Mannschaften, die der BVB in seiner mittlerweile fast 100-jährigen Geschichte hervorgebracht hat. Gerd Kolbe

Der BVB hat die noch lebenden «Helden von einst» heute mit ihren Frauen zum gemeinsamen Essen eingeladen. Heinrich Kwiatkowski, Alfred Niepieklo, Willi Burgsmüller und Helmut «Jockel» Bracht, sind ebenso dabei wie Aki Schmidt, Theo Redder, Gerd Cyliax, Hoppy Kurrat und Sigi Held, die die großen Erfolge der 60er Jahre schmiedeten.

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