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Das Leben teilen

28.06.2007

Sie standen bisher auf der Schattenseite des Lebens: Mutter alkoholabhängig, Vater psychisch krank . . . - so oder ähnlich oder noch schlimmer lauten ihre jungen Biographien. Sie sind offiziell Heimkinder geworden, haben aber jetzt eine Familie, die ihnen Halt gibt.

56 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren sind statt in einem Heim in Wohngruppen untergebracht, teilen das Leben mit ihren zwei Erziehern (und deren eigenen Kindern, sofern vorhanden), werden von ihnen rund um die Uhr betreut. «Sie leben wie leibliche Kinder, sind es aber nicht», erläutert Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp (Foto), die selbst in jungen Jahren eine Wohngruppe geführt hat, «es ist eine öffentliche Erziehung, aber ein hohes Maß an Privatheit» - geeignet für Kinder, die in ihren eigenen Familien nicht mehr leben können, aber in großen Gruppen nicht zurecht kommen.

18 solcher familienähnlichen Wohngruppen mit bis zu vier Kindern unterhält das Städtische Institut für erzieherische Hilfen (SIEH), eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe. Die erste Wohngruppe öffnete 1974, berichtet Institutsleiterin Erika Dreistein, entstanden als Alternative zum Schichtdienst im Kinderheim in Brünninghausen, der den Kindern ständig wechselnde Bezugspersonen zumutete. Nach einem Ratsbeschluss von 2000 wurden die letzten vier Wohngruppen des Heims bis 2003 in je einen Familienverbund verlagert.

Für Carsten Klamt ist die dezentrale Heimerziehung «die beste und schönste Art, Kinder zu erziehen». Der 38-Jährige leitet mit seiner Frau eine Wohngruppe in Mengede, weckt die Kinder am Morgen, frühstückt mit ihnen, empfängt sie wieder zum Mittagessen, hilft bei den Hausaufgaben und sorgt dafür, dass sie nachmittags in (Sport)-Vereine oder zum Konfirmationsunterricht gehen. Das gemeinsame Abendbrot ist eine «Pflichtveranstaltung». Danach Spielen, Lesen oder Fernsehen. So viel Stabilität lässt die Kinder auch noch vorbeischauen, wenn sie mit 18 ausgezogen sind.

«Ein sehr anspruchsvolles Arbeiten», weiß Dezernentin Bonekamp. ko

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