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"Besonders dreist ist der Enkeltrick"

Im Westen Wie schütze ich mich vor Handtaschenräubern oder dreisten Betrügern an der Haustür? Diese Frage wird Kriminal-Hauptkommissarin Hildegard Sondermann (58) vom Kommissariat Vorbeugung der Dortmunder Polizei häufig gestellt. Immer wieder ist sie auch im Dortmunder Westen zu Gast und informiert Senioren. Im Gespräch mit Redakteur Matthias vom Büchel gab sie viele nützliche Tipps für ältere Mitbürger.

08.10.2008

"Besonders dreist ist der Enkeltrick"

<p>Der Schrillalarm kann ein hilfreicher Begleiter sein. Einmal ausgelöst vertreibt sein Geräusch Handtaschenräuber.</p>

Frau Sondermann, wie kann man Senioren am besten helfen?

Sondermann: Bei älteren Menschen funktioniert das Langzeitgedächtnis besser als das Kurzzeitgedächtnis. Ich erinnere sie gern an ihre eigene Kindheit, an Ratschläge ihrer Eltern wie: "Du sollst Fremden die Tür nicht ohne Sicherungsbügel öffnen." Diese Erinnerung macht es älteren Menschen leichter, sich an die Tipps zu erinnern, wenn es darauf ankommt.

Wann ist das wichtig?

Sondermann: Auf der Straße, aber auch zu Hause an der eigenen Haustür.

Fangen wir auf der Straße an...

Sondermann: Ältere Menschen haben auf der Straße ein größeres Unsicherheitsgefühl als jüngere, besonders in der Dunkelheit. Hören sie Schritte hinter sich, trauen sie sich nicht, sich umzudrehen. Das ist falsch! Denn ein Täter will vom Opfer nicht erkannt werden. Geschieht das, bricht er sein Vorhaben häufig ab.

Was gilt es zu tun, wenn es doch zum Übergriff kommt?

Sondermann: Wichtig ist, sich bemerkbar zu machen. Ein lauter Hilferuf kann den Täter stoppen. Gut sind auch Schrillalarmgeräte. Sie werden mit Hilfe eines Bandes ausgelöst, das man an Hose oder Jacke befestigt. Das Alarmgerät ist in der Handtasche. Einmal ausgelöst macht es einen infernalischen Lärm. Der Täter lässt die Tasche fallen und flüchtet.

Was tun, wenn der Dieb nicht locker lässt?

Sondermann: Auf keinen Fall um die Tasche kämpfen. Bevor der Dieb gewalttätig wird, rate ich, loszulassen um nicht verletzt zu werden. Auch von Pfefferspray und Reizgas rate ich ab. Solche Hilfsmittel kann der Täter einem alten Menschen entreißen und dann gegen ihn benutzen.

Was sollte man tun, damit der Diebstahl, wenn er passiert, nicht zu teuer wird?

Sondermann: Es ist wichtig, Geld und vor allen Dingen die Papiere vom Schlüssel zu trennen. Denn findet der Täter Personalausweis und Schlüssel, kann er ohne Probleme in die Wohnung seines Opfers eindringen.

Womit wir an der Haustür angekommen wären...

Sondermann: Und damit bei einem viel größeren Problem. Denn es gibt deutlich mehr Trickdiebe an der Wohnungstür pro Jahr, als Handtaschenräuber auf den Dortmunder Straßen. Und: Der Einfallsreichtum und die Dreistigkeit der Trickdiebe ist schier grenzenlos.

Wie kann man sich trotzdem vor ihnen schützen?

Sondermann: Tipp eins: Niemals Fremden ohne Türsicherung öffnen. Denn ist der Täter erst einmal in der Wohnung, bekommt man ihn schwer wieder heraus.

Tipp 2: Benehmen sich Hausbesucher auffällig lästig und klingeln mit dem gleichen Anliegen an vielen Türen, sollte man sofort die Nachbarn warnen oder den Notruf 110 wählen.

Was tun die Täter, um die Opfer zu täuschen?

Sondermann: Meist handelt es sich um zwei oder mehr Täter. Der erste ist der "Türöffner". Er behauptet zum Beispiel, er sei in einer Notlage, bittet um ein Glas Wasser für Tabletten, oder will angeblich etwas für den Nachbarn aufschreiben, oder etwas abgeben, braucht angeblich Wasser für Blumen und, und, und...

Wie gehen die vielseitigen Täter dann weiter vor?

Sondermann: Fällt man auf sie rein und lässt sie in die Wohnung, gelingt es dem ersten Täter in der Regel auch die Tür für Komplizen zu öffnen. Während man in der Küche abgelenkt wird, raubt der zweite Geld und Wertgegenstände aus Wohn- oder Schlafzimmer.

Noch dreistere Betrüger starten ihr Geschäft am Telefon.

Sondermann: Ja die sind besonders gefährlich und skrupellos. Die Rede ist von Trickbetrügern, die den so genannten "Enkeltrick" anwenden.

Und wie funktioniert er? Sondermann: Da werden ältere Menschen systematisch angerufen. Der Täter gibt sich als Verwandter, häufig als Enkel aus. Im Laufe des Gesprächs verschafft sich der Täter immer mehr Informationen über sein ahnungsloses Opfer. Schließlich bittet er um finanzielle Hilfe.

Fallen viele ältere Menschen auf diese Täter herein?

Sondermann: Sehr viele. Denn Verbrecher, die diese Art Straftaten begehen, sind mit allen Wassern gewaschen, haben auf jede kritische Frage ihres Opfers stets eine passende Antwort. Und sie erleichtern Senioren oft um ihr gesamtes Erspartes.

Klingt so, als sei es sehr schwer, sich vor diesen Tätern zu schützen.

Sondermann: Senioren, die diese Art Anruf erhalten, raten wir dringend, sich an Familienangehörige zu wenden oder sofort die Polizei anzurufen. Auf keinen Fall sollte man Geld abheben oder einem Unbekannten, den der vermeintliche Enkel vorschickt, Geld geben.

"Besonders dreist ist der Enkeltrick"

<p>Kriminalhauptkommissarin Hildegard Sondermann informiert pro Jahr rund 3000 Senioren über Trickbetrüger. vom Büchel</p>

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